Vendée Globe

Regatta: Vendée Globe: Herrmanns J2 ist repariert, Bestaven glänzt

Tatjana Pokorny

 · 12.12.2020

Regatta: Vendée Globe: Herrmanns J2 ist repariert, Bestaven glänztFoto: Yannick Bestaven/#VG2020

Endlich konnte Boris Herrmann seine so schmerzlich vermisste J2 reparieren. Speed-König im Indischen Ozean ist Yannick Bestaven. Spitzenreiter Dalin unter Druck

  Charlie DalinFoto: Vincent Curuchet// Imoca
Charlie Dalin

Spitzenreiter Charlie Dalin hat am Sonntagmorgen das zweite Kap auf der Route der drei Kaps erreicht und den Längengrad von Kap Leeuwin gekreuzt. Der Dominator der letzten Wochen hat allerdings über Nacht erneut gegenüber seinen beiden hartnäckigsten Verfolgern Meilen eingebüßt. Am Morgen des dritten Advent ist Jäger Thomas Ruyant ihm trotz gebrochenem Foil bis auf 67 Seemeilen nahegekommen. Noch schneller hat Yannick Bestaven in den vergangenen Tagen Boden gutgemacht. Der schnellste Skipper der Flotte im Indischen Ozean drückte seinen Rückstand auf Dalin zuletzt auf 69 Seemeilen und liefert sich kaum 20 Seemeilen nördlich von Ruyant bei der Jagd auf Dalin ein packendes Bug-an-Bug-Duell mit dem Landsmann.

  Gute Aussichten für Yannick Bestaven auf "Maître Coq IV"Foto: Yannick Bestaven/#VG2020
Gute Aussichten für Yannick Bestaven auf "Maître Coq IV"
  In Angriffslaune: Yannick BestavenFoto: Yannick Bestaven/#VG2020
In Angriffslaune: Yannick Bestaven

Noch vor knapp zwei Wochen hatte Dalin beim Kap der Guten Hoffnung einen 240-Seemeilen-Vorsprung auf Ruyant gehalten. Zu dem Zeitpunkt hatte Bestaven 340 Seemeilen hinter dem gelben Rumpf von Dalins "Apivia" gelegen. Doch dieser komfortable Vorsprung Dalins schmilzt nun dahin. Bestaven hat im Indischen Ozean beeindruckt, sich gut positioniert und keine größeren Schäden erlitten. Dass auch er als Beteiligter an der Rettungsaktion für Kevin Escoffier Extrameilen in Kauf zu nehmen hatte, ist angesichts seiner Top-Positionierung im Feld beinahe in Vergessenheit geraten. Er darf damit rechnen, dass ihm die Wettfahrtleitung dafür noch eine Zeitgutschrift überweisen wird, die Bestaven theoretisch aktuell sogar an die Spitze des Feldes bringen könnte.

  Die Position zum Ende des 35. Tages auf See (13. Dezember 2020, 12 Uhr)Foto: Screenshot/#VG2020
Die Position zum Ende des 35. Tages auf See (13. Dezember 2020, 12 Uhr)

Die Verfolgergruppe wird vom weiterhin stark agierenden Paralympics-Sieger Damien Seguin auf Platz vier angeführt, der Kap Leeuwin Bug an Bug mit seinem Mentor Jean Le Cam und mit rund 250 Seemeilen Rückstand auf Dalin entgegenstrebt. Boris Herrmann hat sich trotz endlich gelungener Reparatur seines in den vergangenen Wochen so schmerzlich vermissten Hauptvorsegels Platz acht von der Deutsch-Französin Isabelle Joschke zurückerobert. Der 39-jährige Skipper der "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco" hatte seine J2 am Sonntagmorgen erfolgreich instandgesetzt und jagte den Spitzenreitern mit 340 Seemeilen Rückstand auf Dalin hinterher. Herrmann genoss die milderen Bedingungen am frühen Morgen des dritten Advent: "Endlich! Die ersten Momente in Sonnenschein und Frieden seit dem St.-Helena-Hoch." In Live-Schalten mit deutschen und französischen Freunden, Förderern und der Familie in Hamburg genoss Herrmann viel Zuspruch und Rückenwind von Land.

  Nach der J2-Reparatur wieder in Fahrt: Boris HerrmannFoto: Boris Herrmann / Seaexplorer – Yacht Club de Monaco / #VG2020
Nach der J2-Reparatur wieder in Fahrt: Boris Herrmann

Boris Herrmann zog am Ende von fünf Wochen auf See Zwischenbilanz:

"Meinem Boot geht es nach fast fünf Wochen auf See gut. Ich hoffe das jedenfalls, denn gewisse Schäden oder Ermüdung sind von außen nicht immer sichtbar. Das bleiben Hoffen und Bangen mit von der Partie. Klopfen wir auf Holz, denn man verlangt dem Boot viel ab. Physisch geht es mir gut. Mental bin ich okay. In der vergangenen Woche gab es Tage, an denen ich mich einsam gefühlt habe. Das war teilweise schmerzhaft. Das Gefühl ist jetzt zum Glück fast weg. Das kann sich aber von einer Minute auf die andere ändern. Ich fühle mich meinen Emotionen ein wenig ausgeliefert. Mein Schlafarzt in Hamburg, Doktor Holger Hein, sagte, dass es bei polyphasischem Schlaf, also Schlafen in kurzen Einheiten, normal ist, dass man einen anderen Hormonspiegel hat und Emotionen stärker wahrnimmt. Meine Zwischenbilanz fällt aber positiv aus. Ich habe bislang alles präservieren können: mich und das Boot. Ich bin nur einmal – beim Klettern in den mast – über meine Grenzen gegangen. Sonst habe ich vorsichtig und behutsam agiert. Wenn die See mich lässt, dann kann ich angreifen. Wenn die See den Weg freigibt, sind wir da."

Kurz vor Erreichen des Längengrades von Kap Leeuwin gelang Boris Herrmann die Reparatur der J2

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