RegattaVendée Globe: Großsegel in Gefahr, Nachtschicht für Herrmann

Tatjana Pokorny

 · 11.12.2020

Regatta: Vendée Globe: Großsegel in Gefahr, Nachtschicht für HerrmannFoto: Boris Herrmann Racing / #VG2020

Schreck für den deutschen Skipper: Eine gebrochene Großsegellatte und ein kleiner Riss haben Boris Herrmann zum Sondereinsatz gezwungen

So hatte sich Boris Herrmann die Nacht nicht vorgestellt: Nachdem er am Freitagabend gegen 23 Uhr entdeckt hatte, dass seine zweite Großsegellatte gebrochen war, fand er bei genauerer Überprüfung auch noch einen kleinen Riss. Die notwendige Reparatur nahm er nach eiligen Vorbereitungen am frühen Samstagmorgen vor. Was die langsame Geschwindigkeit der "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco" erklärt, die im Tracker mit zuletzt weniger als dem halbem Speed im Vergleich zur Konkurrenz auffiel. Herrmann musste das Großsegel runternehmen. Zuvor hatte er eine neue Latte ausgesägt, mit der er die gebrochene ersetzte. Den Riss im Großsegel reparierte Herrmann mit Sikaflex und 3Di-Flicken. Nach dem notwendigen Trocknungsprozess konnte Herrmannn das Großsegel inzwischen wieder hochziehen. Der 39-Jährige ist extrem müde, kann das Rennen aber fortsetzen.

  Großsegelreparatur an Bord der "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco": der Fliicken iist rechts neben dem Anker gut zu sehenFoto: Boris Herrmann Racing / #VG2020
Großsegelreparatur an Bord der "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco": der Fliicken iist rechts neben dem Anker gut zu sehen
  Nahaufnahme der Großsegelreparatur an Bord der "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco"Foto: Boris Herrmann Racing / #VG2020
Nahaufnahme der Großsegelreparatur an Bord der "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco"

Zuvor hatte am Freitag mit Fabrice Amedeo der sechste Teilnehmer dieser Vendée Globe seine Aufgabe bekanntgegen müssen. Der "Newrest - Art et Fenêtres"-Skipper hat seiner Bordrechnerprobleme nicht in den Griff bekommen, die ihn schon fast seit Beginn des Rennens plagen. Nachdem auch der zweite Computer selbst mit Hilfe der Techniker an Land nicht mehr funktionierte, sah der Franzose keine Möglichkeit mehr, das Rennen um die Welt noch zu Ende zu bringen. Die Vendée Globe 2016/2017 hatte Amedeo als Elfter beendet. Damals hatte er nach Entdeckung eines Haarrisses im Masttopp umkehren müssen, konnte erst zwei Tage nach dem Feld wieder ins Rennen durchstarten. Dieses Mal ist für Amedeo im Indischen Ozean Schluss. Er wird den "Hafen der Unglücklichen" der Vendée Globe ansteuern und Kapstadt anlaufen.

  Bekam seine Computerprobleme an Bord, die ihn schon seit Kap Finisterre plagen, nicht in den Griff Foto: Fabrice Amedeo / #VG2020
Bekam seine Computerprobleme an Bord, die ihn schon seit Kap Finisterre plagen, nicht in den Griff 
  Als Sechster aus dem Rennen: Fabrice AmedeoFoto: Fabrice Amedeo / #VG2020
Als Sechster aus dem Rennen: Fabrice Amedeo

Was Fabrice Amedeo nach seinem Aus zu sagen hatte:

"Meinem Boot geht es gut. Wir haben aufeinander aufgepasst, aber seit gestern (Red.: seit dem 10. Dezember) segle ich blind: Aufgrund eines neuerlichen Computer-Problems kann ich keine Wetterdaten mehr runterladen, nicht den optimalen Kurs kalkulieren, nicht mehr die schnellste und – wichtig – nicht mehr die sicherste. Mit diesen nicht mehr behebbaren Hindernissen auf meinem Weg habe ich zwei Möglichkeiten: entweder meine Vendée Globe hier zu beenden oder im altmodischen Stil weiterzumachen… den Southern Ocean ohne Wetterinformationen zu runden und mich für einen ganzen Monat bis Kap Hoorn der Gande der Elemente auszusetzen. Mein Hauptanliegen war es immer, das Boot sowohl sicher als auch entsprechend der Prinzipien zu segeln, dass die Kontrolle über Sicherheit von mir und meinem Boot gewährleistet bleibt. Ich habe deswegen beschlossen, mein Vendée-Globe-Rennen in Kapstadt zu beenden. Diese Entscheidung ist mir schergefallen. Ich bin sehr unglücklich, aber ich werde zurückkommen. Ich danke euch allen. Meine Gedanken gehen an meine Sponsoren, denen ich so gerne den Zieldurchgang in Les Sables-d'Olonne angeboten hätte – wie ein kleines Licht am Ende des Tunnels dieses Jahres 2020, das für viele so schwierig war. Ich möchte auch meinem Technik-Team danken, dass einen großartigen Job gemacht hat. Die Vendée Globe erzählt Geschichten vom Leben. Scheitern ist tatsächlich ein Teil davon. Ich werde dieses Scheitern verdauen und stark zurückkommen."

  Spitzenreiter Charlie Dalin hat an Boden verloren, führt die Vendée-Globe-Flotte aber auch am 34.  Tag auf See weiter anFoto: Charlie Dalin / Apivia / #VG2020
Spitzenreiter Charlie Dalin hat an Boden verloren, führt die Vendée-Globe-Flotte aber auch am 34.  Tag auf See weiter an

Das Feld wird im Indischen Ozean weiter von Dominator Charlie Dalin ("Apivia") angeführt, doch wurde die Luft für den Dominator in leichteren Winden zuletzt dünner. Jäger Thomas Ruyant ("LinkedOut") hat seinen Rückstand auf Dalin auf rund 70 Seemeilen drücken können. Hier geht es zu den Zwischenständen. Boris Herrmann verteidigte trotz harter Nachtschicht zunächst Platz acht.

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