Vendée Globe

Regatta: Vendée Globe: Escoffier abgeborgen, Jean Le Cam wieder solo

Tatjana Pokorny

 · 05.12.2020

Regatta: Vendée Globe: Escoffier abgeborgen, Jean Le Cam wieder soloFoto: #VG2020

Gute Nachrichten aus dem Indischen Ozean: Die französische Marine hat Kevin Escoffier abgeholt. "Nikolaus" des Tages ist Boris Herrmann, der Video-Grüße schickt

Vendée-Globe-Held Jean Le Cam segelt wieder solo. Der französischen Marine ist es im Indischen Ozean erfolgreich gelungen, den schiffbrüchigen Kevin Escoffier von Bord der "Yes We Cam!" abzubergen. Die Mission gelang um 3.10 Uhr deutscher Zeit etwa 360 Seemeilen nördlich der Crozetinseln im Indischen Ozean. Dabei hatte ein rund fünf Meter langes Rib der französischen Fregatte "Nivôse" den Transfer von der Imoca-Yacht auf das Schiff ermöglicht. In einer ersten Nachricht des "Nivôse"-Kommandanten Frédéric Barbe an die Wettfahrtleitung hieß es: "Kevin ist in großartiger Form und wird eine heiße Dusche genießen. Wir sind auf dem Weg nach La Réunion. Es ist ein schöner Tag, der damit beginnt." Auch Boris Herrmann freute sich mit Escoffier und sagte: "Da haben die Marine, Jean und Kevin gute Arbeit geleistet."

Wie die Marine Nationale den schiffbrüchigen Kevin Escoffier von Jean Le Cams "Yes We Cam!" abgeborgen und auf die Fregatte "Nivôse" gebracht hat

  Noch sind Jean Le Cam und Kevin Escoffier zu zweit auf "Yes We Cam". Kurz danach ging es für den Skipper nach einer knappen Woche Beisammensein wieder im Solo-Modus weiterFoto: David Cottais / Marine Nationale / Défense / #VG2020
Noch sind Jean Le Cam und Kevin Escoffier zu zweit auf "Yes We Cam". Kurz danach ging es für den Skipper nach einer knappen Woche Beisammensein wieder im Solo-Modus weiter
  Ein Rib der französischen Marine machte den Transfer Escoffiers von der Imoca-Yacht auf die "Nivôse" möglichFoto: Paul-David Cottais / Marine Nationale / Défense / #VG2020
Ein Rib der französischen Marine machte den Transfer Escoffiers von der Imoca-Yacht auf die "Nivôse" möglich
  Bei der Begrüßung an Bord der "Nivôse" sind Kevin Escoffier sowohl die Strapazen der vergangenen Woche als auch das Glück über seine Rettung anzusehenFoto: Paul-David Cottais / Marine Nationale / Défense / #VG2020
Bei der Begrüßung an Bord der "Nivôse" sind Kevin Escoffier sowohl die Strapazen der vergangenen Woche als auch das Glück über seine Rettung anzusehen

Der Hamburger Skipper der "Seaexplorer – Yacht-Club de Monaco" konnte über Nacht Boden gutmachen. Der 39-Jährige rückte auf Platz sieben vor. Dabei verkürzte er seinen Abstand auf Spitzenreiter Charlie Dalin auf rund 460 Seemeilen. Jean Le Cam hielt seinen sechsten Platz trotz des ungewöhnliche Rendezvous in den frühen Morgenstunden. Weiterhin eindrucksvoll in den Top Fünf platziert ist Paralympics-Sieger und "Groupe Apicil"-Skipper Damien Seguin mit seinem zwölf Jahre alten modifizierten Finot/Conq-Boot. Der 41-Jährige aus Nantes, der ohne Finger an der linken Hand geboren wurde, segelt bei seiner Vendée-Globe-Premiere als Vierter des Zwischenklassements weiterhin ein beherztes und kluges Rennen.

In seinem rot-weißen Strickpullover sah Boris Herrman aus wie Nikolaus höchstpersönlich. Am Sonntag schickte der Hamburger Grüße aus dem Indischen Ozean

Der in der letzten Woche auf Südkurs nahe der Eisgrenze auf Platz zwei vorgepreschte Louis Burton musste in den vergangenen 24 Stunden Thomas Ruyant auf "LinkedOut" wieder passieren lassen. Burton hatte ernsthafte Probleme mit seinem Autopiloten. Der Franzose berichtete: "Ich bin ziemlich ausgebrannt. Und ich gebe zu, dass ich der Aufgabe sehr nahe gekommen bin." Weitere Details zum Schaden selbst wollte Burton zunächst nicht preisgeben. Die führende Gruppe der Flotte sollte die Kerguelen am Montag passieren. Burton berichtete:

"Ich konnte mein Vorsegel nicht einrollen. Also musste ich in der vergangenen Nacht losziehen und eine Leine am Ende des Bugspriets befestigen. Das war nicht gerade toll. Aber ich habe es geschafft und kann jetzt das kleine Vorsegel aufrollen, das ich in Vorbereitung auf den Wind gesetzt habe, den wir erwarten. Strategisch versucht man, vor der Front zu bleiben. Wir sind erst am Anfang. Ich habe ein bisschen an Boden verloren, bin also nicht ganz sicher, wo ich stehe. Aber die Idee ist es, so schnell und so lange wie möglich auf diesem Steuerbord-Bug-Kurs zu segeln. Entweder schaffe ich es, vor der Front zu bleiben, die sehr stark sein wird. Das wäre gut. Oder sie geht in etwa zwei Tagen über uns hinweg. Dann würde man auf Backbordbug halsen und den Generalkurs fortsetzen. Die habe die Wetterdaten von Mitternacht noch nicht gesehen, aber die von 18 Uhr haben Veränderungen gezeigt, die im Bereich der Kerguelen nicht toll ausgesehen haben. Es wäre ziemlich beeindruckend, wenn wir das alles auf einem Bug vor der Front umsetzen können, aber dafür werden eine ganze Reihe Manöver erforderlich sein. Was ich unbedingt machen muss, ist das Boot zu klarieren, bevor ich schlafen gehe. Unordnung an Bord führt einfach zu mehr Problemen, Unfällen. Dann werde ich so schnell segeln wie nur möglich. Ich sage mir selbst, dass auch die anderen Probleme haben, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Da muss man einfach durch."

  Müder Kämpfer: Louis Burton auf "Bureau Vallée 2"Foto: Burton / Bureau Vallée 2 / #VG2020
Müder Kämpfer: Louis Burton auf "Bureau Vallée 2"
  Ein Bild von Louis Burton, das eindrucksvoll die Bedingungen der konfusen See zeigt, die auch Boris Herrmann und weitere Skipper in der vergangenen Woche als brutal und extrem fordernd beschriebenFoto: Burton / Bureau Vallée 2 / #VG2020
Ein Bild von Louis Burton, das eindrucksvoll die Bedingungen der konfusen See zeigt, die auch Boris Herrmann und weitere Skipper in der vergangenen Woche als brutal und extrem fordernd beschrieben
  Optimistisch trotz der aktuell so leichten Winde: der Schweizer "La Fabrique"-Skipper Alan RouraFoto: #VG2020
Optimistisch trotz der aktuell so leichten Winde: der Schweizer "La Fabrique"-Skipper Alan Roura

Während sich die Skipper in der führenden Gruppe auf die bedrohliche Front vorbereiten, die sie am Dienstag prüfen könnte, quälten sich die Mittelfeld-Verfolger Alan Roura ("La Fabrique", 14.), Stephane Le Diraison ("Time for Oceans", 15.), Armel Tripon (L'Occitane en Provence", 16.) und Arnaud Boissières ("La Mie Câline - Artisans Artipôle", 17.) etwa auf dem Längengrad vom Kap der Guten Hoffnung und rund 1900 Seemeilen hinter dem führenden Charlie Dalin durch eine Leichtwindzone mit ein, zwei Knoten Wind. So unterschiedlich können die Welten in der Vendée Globe sein, in der zwischen Spitzenreiter Dalin und Neustarter Jérémie Beyou auf "Charal" immerhin 3800 Seemeilen liegen.

  So unterschiedlich sind die Welten in der Vendée Globe: Während sich die Spitzenreiter auf die mögliche Begegnung mit einer bedrohlichen Front am Dienstag vorbereiten, quälen sich die Mittelfeld-Verfolger durch flaue Regionen. Bei Bootsgeschwindigkeiten um drei, vier Knoten hatte "La Fabrique"-Skipper Alan Roura Zeit, dieses verträumte Bild einzufangenFoto: #VG2020
So unterschiedlich sind die Welten in der Vendée Globe: Während sich die Spitzenreiter auf die mögliche Begegnung mit einer bedrohlichen Front am Dienstag vorbereiten, quälen sich die Mittelfeld-Verfolger durch flaue Regionen. Bei Bootsgeschwindigkeiten um drei, vier Knoten hatte "La Fabrique"-Skipper Alan Roura Zeit, dieses verträumte Bild einzufangen

Beste Skipperin im Feld der verbliebenen 28 Boote im Rennen blieb nach der offiziellen Aufgabe von Sam Davies ("Initiatives-Cœur") die Deutsch-Französin Isabelle Joschke auf Platz zehn. Die 43-jährige "MACSF"-Skipperin hatte am Sonntagmorgen gut 600 Seemeilen Rückstand auf Charlie Dalin.

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