Vendée Globe

Regatta: Vendée Globe: Die Flotte trotzt dem Sturm

Andreas Fritsch

 · 08.12.2020

Regatta: Vendée Globe: Die Flotte trotzt dem SturmFoto: Boris Herrmann/Seaexplorer YC de Monaco/VG20

Gestern und heute ziehen zwei Sturmfronten mit 40 bis 55 Knoten Wind übers Feld. Bislang haben alle die Prüfung gut überstanden

"Es sind harte Bedingungen. Gerade ziehen 45 Knoten Wind über mich, es ist schwer, einen sicheren Kurs für das Boot zu finden. Ich habe nur noch das dreifach gereffte Groß und kein Vorsegel mehr oben...", meldete gestern der Zweitplatzierte Thomas Ruyant von seiner "LinkedOut", der mit 285 Seemeilen Rückstand hinter Charlie Dalins "Apivia" segelt. Mit nur 12, 13 Knoten Bootsspeed versuchte er, sein Schiff vor weiteren Schäden zu bewahren.

Das scheint auch dem Führenden Charlie Dalin gut zu gelingen, der gestern Nacht vom schlimmsten Teil des Sturms eingeholt wurde. "Ich habe meine Foils komplett eingeholt, versuche nur, das Boot zu schonen", meldete er, blieb dabei aber fast schnurgerade auf Ostkurs und verteidigte so seine Führung, konnte sie sogar leicht ausbauen. Der Vendée-Rookie, der noch nie im Southern Ocean gesegelt ist, liefert bisher eine sehr starke Performance ab, scheint keinerlei größere technische Probleme zu haben und kontrolliert das Feld im Indischen Ozean derzeit souverän.

Die lange Liste seiner Reparaturen scheint dagegen der Franzose Louis Burton abgearbeitet zu haben. Nachdem er über Tage schwere Problemen mit seinem ausfallenden Autopiloten hatte, sogar wohl kurz vor der Aufgabe stand, gelang ihm die Reparatur. Nun ist sein Boot wieder auf Kurs, doch gestern schickte er ein Video, in dem er nun einen Schaden an einem seiner Vorsegel auf dem Vordeck repariert. Jetzt scheinen die Arbeiten aber endlich abgeschlossen, "Bureau Vallée 2" ist wieder auf Kurs und schneller unterwegs, hat sich den dritten Platz zurückerobert. Und Burton hält weiter an seinem extremen Südkurs fest, den kein anderer Skipper zu gehen wagt.

Boris Herrmann scheint ebenfalls ganz gut durch den Sturm zu kommen, er liegt auf Platz sieben und war in den letzten 24 Stunden in der fünfköpfigen Verfolgergruppe aus "Seaexplorer", "Yes we Cam" (Jean Le Cam), "Maître Coq" (Yannick Bestaven), "Omia Water Family" (Benjamin Dutreux) und "Groupe Apicil" (Damien Seguin") mit Abstand Schnellster – er segelte 379 Meilen.

Nach einer kurzen Atempause heute Morgen wird das Feld dann schon wieder vom nächsten Sturm eingeholt, heute Nacht und morgen ziehen von achtern erneut um die 30 bis 44 Knoten Wind auf, wie "Team Malizia"-Mitglied Will Harris in seiner Wetteranalyse zeigt.

Will Harris Wetteranalyse

Exzellent schlägt sich auch die Deutsch-Französin Isabelle Joschke, die sich langsam, aber sicher in die Verfolgergruppe um Boris Herrmann heranarbeitet – nur noch knapp 80 Seemeilen betrug ihr Rückstand heute Morgen. Sie schickte ein Video von Bord, das eindrucksvoll zeigt, wie ihre "MACSF" über die Wellen fliegt.

Live von Bord der "MACSF"

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