RegattaVendée Globe: "Apivia" im Apollo-13-Mode

Andreas Fritsch

 · 15.12.2020

Regatta: Vendée Globe: "Apivia" im Apollo-13-ModeFoto: Charlie Dalin/Apivia/VG 20

Charlie Dalin schickt Videos von der Reparatur an Bord. "Apivia" ist wieder im Rennen, liegt 140 Meilen zurück. Boris Herrmann bekommt 6 Stunden Zeitgutschrift

Heute morgen schickte Dalin Videos, auf denen er an Deck Kohlefaserplatten mit der Flex zurechtschneidet, danach ist zu sehen, dass er daraus ein Sandwich-Laminat mit Schaumkern hergestellt hat. Offensichtlich ist das Teil fertig und an Ort und Stelle, gestern Abend und heute war er schon wieder teils mit 20 Knoten Bootsspeed unterwegs. Er segelt aber auch auf dem Steuerbordbug, der Schaden ist auf der Backbordseite.

Dalin schickte auch einen langen Bericht von Bord:

Reparaturarbeiten am Schwertkasten von "Apivia"

Es war ein harter Tag an Bord von "Apivia". Als der Schaden passierte, war das ein großer Schock und eine riesige Enttäuschung für mich, weil ich dachte: "Es ist vorbei." Es war ein schwerer Moment, den Schaden zu sehen.

Aber mein Team hat dann in den Apollo-13-Modus geschaltet. Sie schickten mir eine Lösung, es mit Bordmitteln zu reparieren. Es musste eine ganze Menge Kohlefaser geschnitten und dann mit einem Schaumkern zu einem Sandwich laminiert werden. Danach musste ich das Stück anpassen. Es war viel Arbeit, das Tageslicht schwand langsam, und ich war ziemlich am Ende. Zum Glück wurde ich eine Stunde vor Sonnenuntergang fertig. Danach habe ich das Segel ausgerollt und die ganze Nacht geschlafen."

  Stand des Rennens heute MittagFoto: Vendée Globe
Stand des Rennens heute Mittag

Heute Morgen habe ich die Reparaturstelle inspiziert, es scheint alles zu halten. Das Foil bewegt sich nicht sehr viel. Ich bekomme allmählich Vertrauen in die Reparatur. Das Rennen geht weiter für "Apivia"! Ich hatte Glück im Unglück, weil der Wind genau im Moment des Schadens nachließ. Ich habe den Druck aus dem Boot genommen, die Segel backgestellt, um das Schwert so weit aus dem Wasser zu bekommen wie möglich. Zum Glück war das Wetter mit mir. So konnte ich die Reparatur sofort angehen. Ich hoffe, das war der letzte Rückschlag. Ich habe eine Menge Zeit verloren, aber es ist nicht zu schlimm. Ich bin noch in Schlagweite mit meinen beiden Freunden! Nun haben Thomas und ich die gleichen Foil-Handicaps. Sie sind nicht weit weg, ich habe nichts zu verlieren. Zurzeit segele ich 22, 23 Knoten – wir kommen dem Pazifik näher...

An der Spitze hat Yannick Bestaven mit seiner "Maître Coq" kurzfristig die Führung übernommen, er lag beim 12- Uhr-Positions-Update knapp 14 Meilen vor Thomas Ruyant. Boris Herrmann segelt nach wie vor inmitten der Verfolger-Gruppe, derzeit auf Platz sieben.

Meistgelesene Artikel