Offshore Team Germany gewinnt das neue Ocean Race Europe
Der "Einstein"-Coup: Sieg auf den letzten Metern

Rang zwei im finalen Küstenrennen vor Genua reichte dem Team um Skipper Robert Stanjek zum Gesamtsieg beim Vorspiel zur Weltumsegelung The Ocean Race 2022/23

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 19.06.2021
So umkämpft war Rang zwei im Rennen vor Genua: Dank besserer Positionierung hatte am Ende das Offshore Team Germany die Bugspitze vorn, was zum Sieg in der Gesamtwertung bei dieser Premiere reichte So umkämpft war Rang zwei im Rennen vor Genua: Dank besserer Positionierung hatte am Ende das Offshore Team Germany die Bugspitze vorn, was zum Sieg in der Gesamtwertung bei dieser Premiere reichte So umkämpft war Rang zwei im Rennen vor Genua: Dank besserer Positionierung hatte am Ende das Offshore Team Germany die Bugspitze vorn, was zum Sieg in der Gesamtwertung bei dieser Premiere reichte

Sailing Energy/The Ocean Race So umkämpft war Rang zwei im Rennen vor Genua: Dank besserer Positionierung hatte am Ende das Offshore Team Germany die Bugspitze vorn, was zum Sieg in der Gesamtwertung bei dieser Premiere reichte

Das Offshore Team Germany hat die Premiere des Segel-Dreiteilers Ocean Race Europe gewonnen. Rang zwei im letzten Küstenrennen vor Genua reichte Skipper Robert Stanjek (Berlin) und seiner "Einstein"-Crew zum Coup beim Vorspiel zur Weltumsegelung The Ocean Race 2022/23. Im Klassement von fünf Imoca-Yachten setzte sich das Team unter deutscher Flagge nach drei Etappen durch südeuropäische Reviere und zwei Küstenrennen mit insgesamt 16 Punkten gegen Charlie Enrights US-Team 11th Hour Racing (15 Punkte) und die französische Imoca "LinkedOut" (14 Punkte) durch.

Sailing Energy/The Ocean Race Umarmungen an Bord der "Einstein": Sekunden zuvor hatte das Team unter deutscher Flagge das Ocean Race Europe für sich entschieden

Die Entscheidung zugunsten der "Einstein" fiel im Herzschlagfinale erst auf der Ziellinie der letzten Wettfahrt. Mit besserer Positionierung und weniger als einer Bootslänge Vorsprung entschieden Stanjek, Phillip Kasüske (Berlin), die Britin Annie Lush und der französische Navigator Benjamin Dutreux das packende Bug-an-Bug-Duell mit Thomas Ruyants "LinkedOut"-Crew (Frankreich) knapp für sich – das reichte trotz Wettfahrtsieg der Amerikaner zum Gesamtsieg. Dabei war das deutsche Team mit einer zehn Jahre alten Imoca-Yacht als Außenseiter in das neue Rennen gestartet. Zwei passende Schlüssel aber öffneten die Tür zum überraschenden Erfolg: Zum einen profitierte der Non-Foiler "Einstein" im Vergleich zu den Gegnern mit Booten jüngster Imoca-Foiler von einigen günstigen Wetterlagen. Zum anderen wusste sich die Crew um Robert Stanjek auch immer wieder gut zu positionieren, traf – wie auf der letzten Etappe von Alicante nach Genua mit einem bewussten Alleingang – gewinnbringende Entscheidungen. "Der Winning Point war", so Stanjek, "dass wir eine Top-Mannschaft zusammengestellt und auch als Mannschaft agiert haben. Da wirkte sich der kleine Nachteil in der Hardware kaum noch aus."

Sailing Energy/The Ocean Race Im Glück: das Offshore Team Germany am Ziel seiner vor dem Start nicht für möglich gehaltenen Träume

Screenshot/The Ocean Race Schon am Start zum finalen Küstenrennen suchten sich das Offshore Team Germany und die französische "LinkedOut"-Crew (2. v. l.)

Das Meisterstück gelang dem Offshore Team Germany im Krimi-Finale an diesem Samstag. Eine knappe Bootslänge Vorsprung reichte zum Sieg – eine Bootslänge dahinter hätte Platz drei bedeutet. Stanjek sagte kurz nach dem Duell-Erfolg: "Ich bin in den letzten Minuten wohl drei Jahre gealtert. Es hätte gern weniger spannend sein dürfen…" Der letzte Abschnitt bis zum Ziel geriet nicht nur für den Olympia-Sechsten von London, sondern für alle beteiligten Segler und die Zuschauer an den Bildschirmen zu Hause zur Zitterpartie: „Wenn die von hinten mit Speed kommen, ist es unglaublich schwer, das zu verteidigen. Wir wollten daher tief segeln, um uns freizuhalten, aber der Imoca bremst dann sehr stark ein. Zum Schluss konnten wir dann wieder unsere Winkel fahren. Und wir kamen in eine echte Match-Race-Position, haben geluvt, um 'LinkedOut' in die schlechte Position zu bekommen und im letzten Moment die Nase ins Ziel zu drehen. Das hat geklappt. Ich bin unglaublich glücklich.“ Hier die entscheidende Phase in drei Bildern:

Screenshot/The Ocean Race Auf dem Weg ins Ziel sah es phasenweise nach Vorteil "LinkedOut" aus, doch dabei blieb es nicht…

Screenshot/The Ocean Race Hier hat die "Einstein"-Crew Wegerecht und das "LinkedOut"-Team schon keine Chance mehr

Screenshot/The Ocean Race Und so gingen die Duell-Gegner ins Ziel: das Offshore Team Germany knapp vor "LinkedOut"

Ähnlich fröhlich ging es an Bord der VO65-Yacht des Mirpuri Foundation Racing Teams zu. Skipper Yoann Richomme und sein Team fielen sich nach dem gewonnenen letzten Rennen jubelnd in die Arme und feierten ihren Klassensieg vor Sailing Poland mit Ocean-Race-Veteran Bouwe Bekking und sehr junger Crew, der im Finale ein starkes Comeback und Rang zwei hinter den portugiesischen Klassen-Dominatoren gelang. Das Mirpuri-Team war als Top-Favorit in die überwiegend leichtwindige Südeuropa-Rallye gestartet, hatte das Rennen als einzige Mannschaft mit neuen Segeln bestritten und war nach Auftakt-Patzer immer besser in Fahrt gekommen. Auf die Plätze zwei und drei der VO65-Gesamtwertung segelten Sailing Poland und AkzoNobel. Das Austrian Ocean Race Project erreichte nach dem Sieg in der ersten Etappe und einigen Rückschlägen Platz fünf in der Endabrechnung hinter Team Childhood I.

Sailing Energy/The Ocean Race Mächtiger Jubel im Mirpuri-Team: die Crew um Skipper Yoann Richomme gewann das Ocean Race Europe in der VO65-Klasse

Für das Offshore Team Germany geht die Arbeit nach dem gelungenen Coup direkt weiter, denn für das große Ziel, die Teilnahme am The Ocean Race 2022/23, werden noch Partner gesucht. Teamchef Jens Kuphal sagte: „Wir sind unglaublich stolz, vor allem darüber, wie das Team zusammengefunden hat. Unser Plan, olympische Kompetenz mit Offshore- und Imoca-Expertise zu kombinieren, ist voll aufgegangen. So konnten wir auch als Non-Foiler bestehen. Natürlich haben uns die Bedingungen dabei geholfen. Auf diese Mittelmeer-Bedingungen hatten wir uns eingestellt, hatten die Segel extra dafür optimiert. Es ist ein großes Geschenk, eine große Freude, das erleben zu dürfen und sich mit solchen Top-Gegnern messen zu können. Auf diesem Weg wollen wir weitergehen bis zum Weltrennen im nächsten Jahr.“

Hier geht es zu den Endergebnisse im Ocean Race Europe (bitte anklicken!) .


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Themen: The Ocean Race

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