Startschuss zur Finaletappe im Ocean Race Europe
Wer gewinnt den Mittelmeer-Poker?

Der letzte Abschnitt der Ocean-Race-Europe-Premiere läuft: Vor Alicante sind die beiden Flotten in die 600-Seemeilen-Mittelstrecke nach Genua gestartet

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 13.06.2021
Während das Offshore Team Germany gut von der Linie wegkam, schien Thomas Ruyants Team auf der französischen "LinkedOut" ein Timing- oder anderer Fehler unterlaufen zu sein. Das blaue Boot kreuzte die Startlinie vor Alicante – wie auf diesem Bild zu sehen – erst lange nach den anderen vier Imoca-Yachten Während das Offshore Team Germany gut von der Linie wegkam, schien Thomas Ruyants Team auf der französischen "LinkedOut" ein Timing- oder anderer Fehler unterlaufen zu sein. Das blaue Boot kreuzte die Startlinie vor Alicante – wie auf diesem Bild zu sehen – erst lange nach den anderen vier Imoca-Yachten Während das Offshore Team Germany gut von der Linie wegkam, schien Thomas Ruyants Team auf der französischen "LinkedOut" ein Timing- oder anderer Fehler unterlaufen zu sein. Das blaue Boot kreuzte die Startlinie vor Alicante – wie auf diesem Bild zu sehen – erst lange nach den anderen vier Imoca-Yachten

Sailing Energy/The Ocean Race Während das Offshore Team Germany gut von der Linie wegkam, schien Thomas Ruyants Team auf der französischen "LinkedOut" ein Timing- oder anderer Fehler unterlaufen zu sein. Das blaue Boot kreuzte die Startlinie vor Alicante – wie auf diesem Bild zu sehen – erst lange nach den anderen vier Imoca-Yachten

Im neuen Ocean Race Europa hat der Endspurt begonnen. Die letzte der insgesamt drei Etappen führt die beiden Flotten aus dem spanischen Alicante in den italienischen Zielhafen Genua. Auf dem Programm steht ein 600 Seemeilen langer Mittelmeer-Poker in eher flauen Winden. Zu Start jedoch gab es zunächst ausreichend Druck. Als erste Gruppe wurden die sieben VO65-Yachten auf den Kurs geschickt. Sailing Poland mit Skipper Bouwe Bekking hatte die auffällig rote Bugspitze nach gelungenem Start für kurze Zeit vorn, bevor sich rund eineinhalb Stunden nach dem Start die im Gesamtklassement auf dem letzten Platz liegende Crew der "Viva México" zwischenzeitlich sogar die Spitzenposition erkämpft hatte.

Sailing Energy/The Ocean Race Der Alicante-Start der VO65-Yachten. Deutlich zu sehen ist der rote Bug von "Sailing Poland"

Gut möglich, dass "Viva Méxicos" neuer Last-Minute-Navigator Juan Vila an diesem Auftakt-Hoch seinen Anteil hat. Der Top-Navigator aus Barcelona, der im November seinen 60. Geburtstag feiern wird, bestreitet seit 1989/90 Rennen um die Welt, gewann 2001/02 mit der illbruck Challenge, triumphierte im America's Cup mit Alinghi und holte auch schon die Jules-Verne-Trophäe auf "Banque Populaire V". Juan Vila war am Vorabend des letzten Etappenstarts nur in den Hafen von Alicante gekommen, um Freunden auf "Viva México" viel Glück zu wünschen. Dabei wurde er kurzfristig für das Finale angeheuert und kämpft nun mit der Mannschaft um einen erfolgreichen Abschluss. "Sie fragten, warum ich nicht mitkäme. Da ich gerade Ferien habe, sagte ich ja. Und da bin ich", sagte der humorvolle und in Seglerkreisen überaus beliebte Spanier.

Sailing Energy/The Ocean Race Mit allen Wassern gewaschen: "Viva Méxicos" neuer Navigator Juan Vila

Die Mexikaner lieferten sich zum Etappenauftakt mit dem in der Gesamtwertung auf Platz drei liegenden Team AkzoNobel Ocean Racing und dem führenden Mirpuri Foundation Racing Team einen spannenden Dreikampf um die Führung. Der französische Mirpuri-Skipper Yoann Richomme sagte vor dem Startschuss: "Mindestens drei, vier Boote können dieses Rennen in unserer Klasse noch gewinnen. Wir werden um den Sieg kämpfen." Das in der VO65-Gesamtwertung auf Platz vier liegende Austrian Ocean Race Project, das die erste Etappe gewonnen hatte, lag zunächst nur auf dem siebten Platz.

Das Offshore Team Germany musste sich in seiner Imoca-Flotte nach gutem Start zwischenzeitlich auf Rang fünf einordnen. Was nach starker Start-Kreuz daran lag, dass die deutsche "Einstein" als einziger Non-Foiler nicht ganz mit den aufkommenden und überholenden Foilern mithalten konnte. Die Mannschaft um Skipper Robert Stanjek entschied sich unter diesen Bedingungen, sich von der eigenen Imoca-Flotte zu trennen und dem zuvor von den VO65-Yachten eingeschlagenen küstennahen Kurs zu folgen. Kurze Zeit später tat es das Team auf der französischen "Bureau Vallée" dem Offshore Team Germany gleich. Beide wurden dafür zunächst mit den Rängen eins und zwei belohnt, während die anderen Imocas ihr Glück weiterhin draußen auf See suchten.

Sailing Energy/The Ocean Race Schöne Luftaufnahme der deutschen "Einstein"

Alle Teams erwarten für die finale Etappe ein durchschnittlich eher langsames Rennen in Mittelmeer-Winden, die selten einmal 10, 15 Knoten übersteigen werden. "Der Wind wird zweimal am Tag abgeschaltet", hatte Robert Stanjek vor dem Start das erwartete Szenario plakativ beschrieben, "wir haben es auf dieser Etappe mit einem sehr schwierigen Mittelmeer-Risikomanagement zu tun." Entschieden wird die Premiere des Ocean Race Europe bei Ankunft in Genua voraussichtlich noch nicht sein, denn im Revier der italienischen Hafenstadt steht ein weiteres Küstenrennen auf dem Programm. Hier werden die letzten und vermutlich siegentscheidenden Bonuspunkte vergeben.

Felix Diemer/Offshore Team Germany/The Ocean Race Dieses Bild hatte OTG-Grinder Phillip Kasüske vor dem Start gepostet und dazu kommentiert: "So wird es die meiste Zeit aussehen."

Das "Einstein"-Team hatte sich vor diesem dritten Etappenstart eine Chance auf den Sieg erarbeitet, lag im Zwischenklassement punktgleich hinter Thomas Ruyants "LinkedOut" und vor Charlie Enrights Team 11th Hour Racing auf Platz zwei. Alle drei führenden Mannschaften hatten jeweils neun Zähler auf dem Konto – eine hochspannende Ausgangslage für den Kampf um die Podiumsplätze. Hier geht es zum Live-Tracker und den Zwischenständen (bitte anklicken!).

Screenshot/The Ocean Race Die VO65-Zwischenstände vor der dritten und letzten Etappe

Screenshot/The Ocean Race Die Imoca-Zwischenstände vor Beginn der dritten und letzten Etappe


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Themen: The Ocean Race

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