The Ocean Race

Volvo Ocean Race: Wieder ein Deutscher dabei?

Tatjana Pokorny

 · 14.01.2014

Volvo Ocean Race: Wieder ein Deutscher dabei?Foto: SSL

Robert Stanjek kämpft um die Chance seines Lebens: Der Olympia-Sechste aus Berlin ist beim holländischen Team Brunel in der engeren Auswahl

Allein die Möglichkeit erscheint wie ein helles Licht am düsteren deutschen Profihorizont, an dem immer wieder nur vereinzelt Sterne aufgehen: Der Berliner Robert Stanjek kämpft um einen Platz im holländischen Team Brunel für das kommende Volvo Ocean Race. Das bestätigte der Olympia-Sechste im Starboot YACHT online am Mittwochabend auf Anfrage.

Der 32-Jährige war zu Wochenbeginn von Team Brunels Skipper Bouwe Bekking zu Tests und Interviews nach Holland eingeladen worden. Stanjek war einer von rund 300 Kandidaten, die sich um die letzten beiden Plätze im neunköpfigen Segelteam der Holländer beworben hatten. Etwa 30 von ihnen hatten zu Jahresbeginn eine Einladung in die Niederlande erhalten. Für Stanjek standen an "einem vollgepackten, professionell geführten und reibungslos abgewickelten Tag" mehrere Interviews mit Psychologen und Skipper Bekking auf dem Programm. Außerdem verschiedene medizinische Untersuchungen, Kraft- und Ausdauertests. "Es hat Spaß gemacht, es war wirklich super. Ich habe ein ganz gutes Gefühl. Man muss auch sagen, dass es für jeden – egal, ob er am Ende genommen wird oder nicht – eine riesige Erfahrung war. Es stehen ja nur noch zwei Plätze zur Verfügung. Die Luft ist dünn da oben in der Spitze", sagt Stanjek, "aber nächste Woche weiß ich Bescheid."

  Mit Vorschoter Frithjof Kleen ersegelte Stanjek bei den Olympischen Spielen einen starken sechsten Platz als jüngster Steuermann der olympischen StarbootflotteFoto: onEdition
Mit Vorschoter Frithjof Kleen ersegelte Stanjek bei den Olympischen Spielen einen starken sechsten Platz als jüngster Steuermann der olympischen Starbootflotte

Die Messlatte, das weiß der ruhige und gut trainierte Athlet, liegt enorm hoch. Zu seinen direkten Konkurrenen zählen olympische Medaillengewinner wie Finnsegler Pieter-Jan Postma, der 2012 im olympischen Finale vor Weymouth dem späteren Sieger Ben Ainslie das Leben schwer machte. Gegen den Hünen ließ Bekking seinen einzigen deutschen Kandidaten Stanjek gleich im ersten Ruderduell vor laufenden Fernsehkameras antreten.

  Robert Stanjek und Pieter-Jan Postma im RuderduellFoto: Team Brunel
Robert Stanjek und Pieter-Jan Postma im Ruderduell

"Pieter-Jan ist aktiver Finnsegler, ich ein pensionierter Startbootsegler", scherzte Stanjek später. Er war dem Holländer im 3000-Meter-Ruderduell an den Maschinen dennoch fast ebenbürtig und hat mit seiner Leistung bei den Beobachtern Eindruck hinterlassen.

"Hochseesegeln", so Stanjek, "hat mich schon immer interessiert. Richtig aufmerksam auf diese Art des Segelns bin ich mit der siegreichen Illbruck-Kampagne Anfang 2000 geworden. Damals habe ich mich erstmals intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt. Und dann hat Timmy Kröger so einiges gesät: Die ersten Schritte im Longdistance-Offshore-Bereich hat er mir mit seinem Vertrauen und einem Platz in seinem Team im Nord Stream Race ermöglicht."

  Robert Stanjek an Bord der "Spirit of Europe" vor dem Start ins Nord Stream RaceFoto: Jens Anders/Nord Stream AG
Robert Stanjek an Bord der "Spirit of Europe" vor dem Start ins Nord Stream Race

Der zweimalige Weltumsegler und America’s-Cup-Teilnehmer Kröger hatte Stanjek angesprochen und ohne vorherige Hochsee-Regattaerfahrung als Taktiker und Steuermann in sein Nord-Stream-Team eingebunden. 2012 und noch einmal 2013. Gemeinsam haben sie inzwischen 2000 Seemeilen absolviert. "Mir ist es sehr wichtig, Talenten eine Chance zu geben, wenn ich die Möglichkeit dazu habe", sagte Kröger. "Robert ist einsatzwillig, sich für nichts zu schade, sehr wissbegierig und analytisch stark. Er hat definitiv das Potenzial, seine olympischen Qualitäten auf der hohen See auszubauen. Dazu ist er loyal, sehr umgänglich, und man kann eine Menge Spaß mit ihm haben."

Dass der Hauptsponsor des Teams, die Unternehmensberatung Brunel International N.V., etwa ein Viertel ihrer Mitarbeiter in Deutschland hat, könnte Robert Stanjek bei seiner Bewerbung zugutekommen. Überzeugen aber muss er sportlich und menschlich. Und das vor allem den Mann, mit dem er bei der zwölften Auflage der Hatz um die Welt bei dessen siebten Ocean-Race-Start um den Sieg kämpfen will: Bouwe Bekking. Der auch in Deutschland aufgrund früherer Einsätze auf den "Rubin"-Yachten von Admiral's-Cup-Sieger Hans-Otto Schümann bekannte Holländer trifft die Entscheidung, welche beiden der letzten 30 Kandidaten sein Team stark machen sollen.

  Sieben zum Verlieben: Bouwe Bekking personifiziert das Volvo Ocean Race in seiner Heimat wie kein anderer, startet in sein siebtes RennenFoto: Dave Kneale/Volvo Ocean Race
Sieben zum Verlieben: Bouwe Bekking personifiziert das Volvo Ocean Race in seiner Heimat wie kein anderer, startet in sein siebtes Rennen

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