Volvo Ocean RaceWie schnell? Puma will’s genau wissen

Dieter Loibner

 · 09.11.2011

Volvo Ocean Race: Wie schnell? Puma will’s genau wissenFoto: Wired
Punkt an der Bombe: So ist das DVL-Gerät montiert. Tiefer unten, ruhigeres Wasser, genauere Daten lautet das Argument

Segeln ist auch Rechensport, und dazu braucht's präzise Daten. Die alte Logge ist zu ungenau, deshalb misst Puma jetzt mit Doppler-Effekt

  Extreme Lage wie hier von Groupama beim Abfallen bringt den Impeller nahe an die WasseroberflächeFoto: IAN ROMAN/Volvo Ocean Race
Extreme Lage wie hier von Groupama beim Abfallen bringt den Impeller nahe an die Wasseroberfläche

„Es ist fast unbegreiflich, dass einem Sport wie Segeln mit vielen finanzkräftigen Aktiven etwas so Kritisches wie eine verlässliche Geschwindigkeitsmessung lange gefehlt hat”, schreibt das US-Technologie-Magazin "Wired" „Der Impeller maß die Bootsgeschwindigkeit, aber nicht sonderlich präzise”, wird dazu Robert Hopkins zitiert. Der hat mit Puma Ocean Racing und der norwegischen Firma Nortek das Doppler Velocity Log (DVL) entwickelt, mit dem nun alles anders werden soll. Das Problem, so Hopkins, liegt beim verwirbelten Wasserablauf und der Tatsache, dass der Rumpf bei hohen Geschwindigkeiten weit aus dem Wasser kommt, was Messungen ungenau bis unmöglich macht. „Man erhält jede Menge schlechte Daten”, meint Hopkins.

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  Punkt an der Bombe: So ist das DVL-Gerät montiert. Tiefer unten, ruhigeres Wasser, genauere Daten lautet das ArgumentFoto: Wired
Punkt an der Bombe: So ist das DVL-Gerät montiert. Tiefer unten, ruhigeres Wasser, genauere Daten lautet das Argument

GPS allein macht nicht glücklich, weil es nur die Geschwindigkeit über Grund misst. Um wirklich schnell zu segeln, sollte man auch wissen, wie flott es durchs Wasser geht. Die konventionellen Impeller, die an der Rumpfunterseite montiert werden, sind nicht präzise, weil sie Abdrift mitmessen und schon nach kurzer Zeit durch Algenbewuchs beeinträchtigt werden. Nach anderthalb Jahren Entwicklungszeit und mehreren Prototypen ist DVL nun beim Puma im Renneinsatz. Es handelt sich dabei um ein kleines, kreisförmiges Gerät, das an der Unterseite der Kielbombe installiert ist und vier Strahlen in verschiedene Richtungen ausschickt, die vom Plankton im Umkreis reflektiert werden. Gemessen wird dabei der Verzögerungseffekt des „Echos", woraus sich die Geschwindigkeit errechnen lässt.

  Raumschots Vollgas, wie hier Telefonica, produziert die höchsten Geschwindigkeiten. Bis zu 40 Knoten sollen die VO-70 da erreichen, bloß verlässlich gemessen hat es bisher noch niemandFoto: Maria Muina
Raumschots Vollgas, wie hier Telefonica, produziert die höchsten Geschwindigkeiten. Bis zu 40 Knoten sollen die VO-70 da erreichen, bloß verlässlich gemessen hat es bisher noch niemand

Exakte Geschwindigkeitsmessung durchs Wasser sei besonders auf den VO-70-Rennern wichtig, heißt es in dem Bericht, weil sie neben dem Neigekiel auch zwei Schwerter führen, die der Abdrift entgegenwirken, aber auch bremsende Reibung im Wasser haben. „Wenn wir weniger Lateralkraft brauchen, können wir den Reibungsverlust mindern, indem wir die Schwerter aufholen”, wird Puma-Skipper Ken Read zitiert. Bei kurzen In-Port-Rennen dürften die Vorteile des DVL kaum ins Gewicht fallen, doch über mehrere Wochen verteilt, auf einer Tausende Meilen langen Ozean-Etappe, könnte dabei schon ein deutlich spürbarer Gewinn erzielt werden. In der Theorie zumindest.

Die DVL-Premiere soll schon im Sommer beim Transat-Rennen stattgefunden haben, das Puma nach berechneter Zeit gewinnen konnte. Für die Dauer des Volvo Ocean Race hat Puma mit Nortek einen Exklusiv-Vertrag, womit niemand anderes Zugriff auf die Technologie hat. „Wir können unseren Daten vollkommen vertrauen, während die anderen Zweifel haben müssen”, sagt Hopkins. Ob an der Sache was dran ist oder ob es Teil der psychologischen Kriegsführung ist, wird sich zeigen. Am Ende geben in jeder Regatta immer noch gesegelte Plätze den Ausschlag, nicht gemessene Geschwindigkeit. Übrigens liegt Puma laut Positionsbericht von heute 02:00 Uhr fast 200 Meilen hinter der führenden Groupama. Und die segelt mit dem alten Speedo.

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Aktuelle Positionen und Abstände im Live-Tracker.

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