Volvo Ocean RaceWer bolzt, braucht manchmal Bolzen

Dieter Loibner

 · 30.03.2012

Volvo Ocean Race: Wer bolzt, braucht manchmal BolzenFoto: Yann Riou/Groupama Sailing Team/Volvo Ocean Race
Happy Campers Groupama vor Kap Hoorn
Groupama und Puma haben die Kurve ums Horn gekratzt, Telefonica hält nur kurz, und Abu Dhabi schraubt unterwegs 30 Bolzen in den Rumpf
  Justin Slattery bei der Arbeit außenbordsFoto: Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing Justin Slattery bei der Arbeit außenbords

Auf den beiden führenden Booten wurden knapp nacheinander bereits die obligaten Kap-Hoorn-Zigarren angesteckt. Zur Feier, zur Erleichterung und wohl auch, weil Wind und Tempo im Vergleich zu den vergangenen zwölf Tagen stark nachgelassen haben. Telefonica hat unterdessen gut aufgeholt und beschlossen, nur einen Mini-Stopp in einer Bucht am Horn einzulegen und nicht Ushuaia anzulaufen, um die schadhafte Stelle am Rumpf behelfsmäßig zu verstärken. Der Plan ist, in einer stillen Bucht ein Versorgungsboot zu treffen, um die Reparatur zu bewerkstelligen. Skipper Iker Martinez glaubt, dass der Rest der Etappe durch Leichtwind und ein Hochdruckgebiet schwierig wird und dass sich vielleicht noch Möglichkeiten zum Auf- und Überholen bieten könnten. „Man wird ja noch vom Guten träumen dürfen, nicht wahr?” Wenn Groupama gewinnen sollte, braucht Telefonica einen dritten Platz, um die Gesamtführung zu behalten.

  Happy Groupamas vor Kap HoornFoto: Yann Riou/Groupama Sailing Team/Volvo Ocean Race Happy Groupamas vor Kap Hoorn

Die wahren Helden aber segeln hinten. Und das sind derzeit Abu Dhabi, deren Schiff mit stupender Regelmäßigkeit auseinanderfällt. Am Beginn der Etappe mussten sie zurück nach Auckland, um ein ausgebrochenes Schott neu einzukleben. Dann machten sie sich auf die Verfolgungsjagd, um vielleicht doch noch den einen oder anderen maroden Konkurrenten zu überholen. Stattdessen begann der Rumpf an Backbord zu delaminieren, was im Südlichen Ozean, Tausende Meilen vom nächsten Hafen, irgendwie auf die Stimmung drückt. Doch es wurde nicht lang gefackelt. Bugmann Justin Slattery wurde bei etwas verlangsamter Fahrt an der Bordwand außen runtergelassen, um 30 Löcher zu bohren, damit die schadhafte Stelle behelfsmäßig mit Niro-Bolzen zusammengeschraubt werden konnte. Wer’s gern nachmachen möchte, das Video zeigt die wichtigsten Schritte.

  Inspektion des Bolzenjobs von innenFoto: Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing Inspektion des Bolzenjobs von innen

Der waghalsige fünfstündige Eingriff hat jedenfalls gefruchtet. Vorerst. "Im Moment ist alles besser”, sagte Skipper Ian Walker. „Weniger Geräusche, und es scheint ziemlich stabil. Wir sind gut in Schuss.” Was danach passiert, stand einstweilen noch nicht fest. Camper, der dritte Havarist, segelt unterdessen weiter Richtung Chile, um das gebrochene Schott im Bug zu reparieren, während der Vierte, Team Sanya, per Huckepacktransport an Deck eines Frachters auf dem Weg von Neuseeland in die USA ist.

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  Nicht schnell, aber fest: Gebolzte Rumpfsektion von Abu DhabiFoto: Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing Nicht schnell, aber fest: Gebolzte Rumpfsektion von Abu Dhabi

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