Die Flaute rund um den Äquator lässt die sechs Teams auf dieser sechsten Etappe auch am 14. Tag nicht aus ihren Fängen. Mit 0,1 bis 2,4 Knoten Bootsgeschwindigkeit quälten sich die Rennboote in den letzten Stunden in Richtung Süden. Meistens jedenfalls. Hin und wieder wurde und wird auch quer zum Kurs gesegelt, damit es überhaupt ein wenig vorangeht. Dabei hat jedes der Boote einen "Spielgefährten", einen direkten Rivalen, denn die Flotte segelt Auckland seit einigen Tagen in Paaren entgegen.
An der Spitze trennen David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag und Simeon Tienponts Team AkzoNobel gerade einmal 1,3 Seemeilen. Rund 20 Seemeilen dahinter "duellieren" sich Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic und Bouwe Bekkings Team Brunel mit nur 1,2 Seemeilen Differenz um Platz drei. Die Schlusslichter nach mehr als zwei Dritteln dieser Pazifik-Etappe bilden weiter die in der Gesamtführung vorn liegenden Teams Mapfre und Dongfeng. Die "Roten" lassen sich gut 70 Seemeilen hinter den Spitzenreitern absichtlich nicht aus den Augen, sie trennen nur 0,4 Seemeilen. Bei den flauen Winden ist das schon fast nah genug für einen Kaffeeplausch.
Am Dienstagmittag ließ Brunels Skipper Bouwe Bekking die Fans per Blog an der Flautenmisere auf hoher See teilhaben, schrieb: "Manchmal glauben wir, dass wir den schönsten Sport der Welt ausüben. Aber an Tagen wie diesen glaube ich, dass die Mehrheit der Crew denkt, dass es auch ein sehr stupider Job sein kann. Die Segel flappen umher, und es weht nahezu kein Wind. Wenn es doch welchen gibt, dann ist er unberechenbar. Du kämpft darum, die Geschwindigkeit des Bootes auf über einen Knoten zu bringen. Dann füllen sich die Segel plötzlich, und du gleitest mit 3,5 Knoten durchs Wasser. Das fühlt sich dann an, als würdest du von einem Hurrikan getroffen. Die Stimmlage der Leute ändert sich sofort. Alles klingt optimistischer und ja, du hast wieder das Gefühl, dass es der beste Sport der Welt ist."
In einer Nachricht drei Stunden zuvor hatte der an diesem Zeitlupentag schreibfreudige Bekking am Dienstagmorgen bereits darauf hingewiesen, dass er binnen der kommenden zwei Tage mit einer möglichen Vorentscheidung rechne: "Die nächsten 48 Stunden werden darüber entscheiden, wer die Spitzenreiter bei der Ansteuerung Neuseelands sein werden. Das Team, das zuerst in den neuen Druck segelt, wird einen ordentlichen Sprung machen. Aber natürlich kann alles passieren. Der Wind hat sich nun schon mehrmals völlig anders verhalten als von den Prognosen vorhergesagt. Die beiden Vorhersage-Modelle, die wir an Bord erhalten, kommen zu verschiedenen Routen. Und natürlich müssen wir auch in unsere Strategie mit einbeziehen, dass viele Inseln entlang des Kurses liegen."
Während die Boote in der Flaute feststecken, unterhält Weltumsegler Conrad Coleman die Zuschauer mit kreativem Entertainment. Einen sportlichen Überblick gibt es natürlich auch
Einen Einblick in seine private Gedankenwelt gab der achtmalige Rekordteilnehmer, der immer noch seinen ersten Gesamtsieg jagt, an diesem Tag auch: "Ich vermisse meine Mädels (Red.: seine Frau und seine Tochter) und meine Hunde. Und ich vermisse die Möglichkeit, die Olympischen Winterspiele zu sehen. Ich liebe Schnee und am meisten Eisschnelllauf." Darin ist Bekking selbst sehr gut. Ein Holländer eben.

Freie Reporterin Sport