Es ist schon gemein, was sich die Crew-Kameraden auch bei dieser Äquator-Taufe wieder für die Novizen an Bord ausgedacht haben. Nach und nach wurden am Montag auf allen Booten die Seglerinnen und Segler von König Neptun oder Königin Kabeljau getauft, die zum ersten Mal aus der nördlichen in die südliche Hemisphäre segelten. Diesem gefürchteten Brauch konnte sich auch America's-Cup-Star Peter Burling nicht entziehen. Erst von wenigen Tagen zum Weltsegler des Jahres gekürt, hatte sich der 26-jährige Olympiasieger und "Golden Boy" an Bord von Bouwe Bekkings "Brunel" der ekligen Prozedur ebenso zu unterziehen wie seine Crew-Kameraden Kyle Langford (vormals Oracle Team USA im America's Cup), der holländische Cup-Segler Carlo Huisman und 18 weitere Täuflinge auf den insgesamt sieben Booten.
Eine Äquator-Taufe beinhaltet nach maritimer Tradition Opfergaben für König Neptun. Allen Täuflingen – auch Kaulquappen genannt – wurden von König Neptun oder Königin Kabeljau oder einem Mitglied im "Tribunal der Schalentiere" (jene an Bord, die bereits den Äquator gekreuzt hatten) ihre "Sünden" verlesen. Sodann schmierte man sie mit einem undefinierbaren Gebräu aus tagelang in einem Eimer gesammelten Essensresten, Motoröl, Fischstücken und anderen wenig angenehmen Ingredenzien ein. Burling, der auch reichlich Haare lassen musste, nahm die "Schlammschlacht" gelassen, denn die Stimmung an Bord des holländischen Bootes war bestens. Team Brunel hatte am Wochenende zu den Gewinnern in der Flotte gezählt, war auf Rang vier vorgerückt und hat den Anschluss zum Führungstrio mit nur noch zehn Seemeilen Rückstand auf Spitzenreiter Dongfeng wiederhergestellt.
"In Sachen Performance haben wir es ganz gut gemacht", sagte Skipper Bouwe Bekking, "wir sind langsam wieder dichter an Vestas und Mapfre herangerückt. Für Dongfeng scheint es bei diesen engen Raumschots-Kursen ziemlich glatt zu gehen. Akzo hängt nur noch knapp an dieser Gruppe. Wir können ihr Topplicht kaum noch sehen."
An Bord der sechstplatzierten "Turn the Tide on Plastic" musste Skipperin Dee Caffari sich heftiger Versuche wiedersetzen, plötzlich selbst in die Reihe der Täuflinge gestellt zu werden. Zwar habe sie, so ihre Crew, den Äquator bei ihren Solo-Weltumseglungen schon mehrmals gekreuzt – aber eben allein und daher ohne Taufzeremonie. So sei Caffari einer Äquator-Taufe bislang immer entgangen und diese müsse nun endlich einmal nachgeholt werden. Caffari erwiderte lachend: "Das wird nicht geschehen! Jede Art der Meuterei wird mit zehnfacher Härte bestraft." Dass Caffari und ihre 50:50-Mixed-Crew zuletzt David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag überrunden konnte, sorgte ebenfalls für gute Laune an Bord.

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