Volvo Ocean RaceVorspiel zur „Straßenschlacht"

Dieter Loibner

 · 25.01.2012

Volvo Ocean Race: Vorspiel zur „Straßenschlacht"Foto: Amory Ross/Puma Ocean Racing

Schluss mit geradeaus. Der Wind drehte, die Taktiker rotierten, und nach ein paar Wenden liegt Pulau We an, wo das Rennen neu starten könnte

Nach den gestrigen windbedingten Rochaden wurde das Feld auseinandergezogen und durchgemischt. Die Phalanx der mittlerweile wieder auf Ostkurs segelnden Flotte ist nun mehr als 60 Meilen breit und wurde zwischendurch von der neuseeländischen Camper angeführt, die sich die Winddreher scheinbar am besten zunutze machen konnte. Doch dann war da noch Telefonica. Natürlich, die Spanier. Die waren mal ganz hinten. Doch nach der Reparatur des Code Zero hatten sie auf die nördliche Außenbahn gesetzt und preschten dann mit der weitaus größten Geschwindigkeit durchs Feld, bis sie alle anderen einkassiert hatten. Folglich fanden sie sich beim abendlichen Positionsreport an der Spitze. „Die sind schnell, wie immer”, beobachtet Puma-Skipper Ken Read. „Sie werden wahrscheinlich auch vorn sein, wenn es in die Straße von Malakka geht.”

  Sauna unter Deck: Freiwache mit I-Pod, Navigator am ArbeitsplatzFoto: Amory Ross/Puma Ocean Racing
Sauna unter Deck: Freiwache mit I-Pod, Navigator am Arbeitsplatz

Read und seine bisher führende Equipe waren auf Platz vier zurückgefallen, überholten aber Groupama wieder. Die Abstände zwischen den ersten vier Booten bleiben weiterhin gering, was Spannung für die Durchfahrt der gefürchteten und etwa 500 Meilen langen Straße von Malakka aufkommen lässt. Große Schiffe, kleine Schiffe, oft unbeleuchtete Fischerboote, wenig Wind aus allen Richtungen und lebhafter Strom machen diese Passage höchst unberechenbar. Zusätzliche Wachen, häufige Segelwechsel und das Stauen der Ersatzsegel, die bei jeder Wende oder Halse quer übers Deck auf die neue Luvseite geschleppt werden müssen, werden die Segler mehrere Tage auf Trab halten. All das bei Temperaturen, die das Bootsinnere zum Backofen machen. Bei mehr als 40 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit hat es die Freiwache schwer, Schlaf zu finden. Seglers bester Freund: die kleinen Ventilatoren, die über den Rohrkojen montiert sind und leise vor sich hin surren.

  Die Positionen vom DonnerstagabendFoto: VOR
Die Positionen vom Donnerstagabend

Ab Freitag 13 Uhr wird der Tracker die Positionen mit nur einer Minute Verzögerung anzeigen, womit die Zuschauer die Schlacht in der Straße von Malakka beinahe in Echtzeit mitverfolgen können. Besonders pikant dabei ist das Timing der Einfahrt, bei der die Teams zwar den kürzesten Weg wählen, doch die Flautenzone in der Nähe der Küste Sumatras vermeiden wollen. Abu Dhabi und Team Sanya, die rein von der Bootsgeschwindigkeit mit den anderen nicht mithalten können, und schon mehr als 30 bzw. 60 Meilen Rückstand auf Camper haben, hoffen hier, mit taktisch geschicktem Segeln wieder Anschluss zu finden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wettervorhersage Gewitter, Blitz und Donner prophezeit. Es wird also wieder interessant.

  Weiträumig umfahren: Ein treibendes Fischerboot  und seine Schleppnetze können einen VO 70 schnell bremsen. Besonders heikel ist's bei Nacht, weil die Fischer oft unbeleuchtet agierenFoto: Hamish Hooper/Camper
Weiträumig umfahren: Ein treibendes Fischerboot und seine Schleppnetze können einen VO 70 schnell bremsen. Besonders heikel ist's bei Nacht, weil die Fischer oft unbeleuchtet agieren

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Vor der Einfahrt in die Straße von Malakka

Aktuelle Positionen und Abstände im Tracker.

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 26. 1. publiziert. Der Text wurde aktualisiert, um dem aktuellen Zwischenstand Rechnung zu tragen.

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