Volvo Ocean RaceVorentscheidung in der Malakkastraße?

Lars Bolle

 · 18.01.2015

Volvo Ocean Race: Vorentscheidung in der Malakkastraße?Foto: Matt Knighton/Abu Dhabi Ocean Racing/Volvo Ocean Race

Das chinesische Boot Dongfeng Racing konnte den Vorsprung aus dem Bengalischen Golf mitnehmen und führt in der Malakkastraße deutlich

Was Skipper Charles Caudrelier und seine Mannschaft da machen, muss die Crews der anderen fünf Boote extrem frustrieren. Denn sie machen gar nichts so offensichtlich anders. Und trotzdem fahren sie den Verfolgern immer weiter davon. Über 100 Seemeilen waren es am Mittag gegenüber dem Verfolgerquartett. Dort liegen Mapfre, Alvimedica, Abu Dhabi und Brunel fast gleichauf, SCA etwas zurück.

  Die Windsituation in der MalakkastraßeFoto: http://earth.nullschool.net/
Die Windsituation in der Malakkastraße

Die Einfahrt in die Malakkastraße war bei sehr leichtem Wind taktisch schwierig. Das chinesische Boot passierte den Eingang mit rund 60 Seemeilen Vorsprung, wendete als erstes und zog davon. Caudrelier pendelte zuvor souverän vor dem Feld und wagte auch einen kleinen Alleingang. Zudem kann er sich offenbar nicht über mangelnde Geschwindigkeit seines Bootes beklagen, vor allem im bengalischen Golf konnte er sich immer wieder bei nahezu gleichen Bedingungen absetzen.

  Die Positionen am MittagFoto: Volvo Oceabn Race
Die Positionen am Mittag

100 Seemeilen Vorsprung sind in Anbetracht der bisherigen sehr engen Resultate und Etappenverläufe zwar schon ein komfortables Polster. Doch das entscheidende Teilstück dieser Etappe steht erst kurz bevor. In der Enge zwischen Sumatra und Malaysia gibt es fast keinen Wind und sehr starke Strömungen. Zwei Szenarien sind dort denkbar. Die Verfolger schließen in der Flaute auf, was einen Neustart bedeuten würde. Oder Dongfeng gelingt es, den Engpass wegen des großen Vorsprungs als Erste zu durchqueren und den frischen Wind des Chinesischen Meeres zu erreichen. Dann dürfte der Sieg nur noch durch einen Materialfehler zu nehmen sein.

Eindrücke von Bord beim Erreichen der Malakkastraße

"Wir haben das Gefühl, dass wir am Wind schnell sind", so Caudrelier. "Und wenn wir Singapur vor der Flotte erreichen, haben wir ein gutes Gefühl für das letzte Stück nordwärts nach Sanya."

Komplett offen ist die Etappe dagegen bei den Verfolgern. Nur acht Seemeilen Abstand zwischen vier Booten bedeuten so enges Taktieren wie bei einer Klassenregatta in Annäherung an die Luvmarke. Da wird bei der Wahl der richtigen Schläge sehr wahrscheinlich auch das Glück eine Rolle spielen.

Meistgelesene Artikel