Volvo Ocean RaceVon Dusch-Handschuhen und Seegras

Lars Bolle

 · 14.10.2014

Volvo Ocean Race: Von Dusch-Handschuhen und SeegrasFoto: Yann Riou/Dongfeng Race Team/Volvo Ocean Race
Fast wie bei der Mittwochsregatta: Die Konkurrenz ist auch auf dem Atlantik in Sichtweite
Das Race hat wieder einen neuen Charakter. Die Flotte hangelt sich mit achterlichem Wind dicht unter der afrikanischen Küste entlang

Nach über 20 Knoten gestern flaute der Wind am Nachmittag auf unter zehn ab, die Nacht über änderte sich daran nichts. Bei achterlichem Wind bedeutete dies viele Halsen für die Crews. Das Feld lag beim letzten Positionsreport heute Morgen in einem Abstand von 15 Seemeilen vom führenden Team Abu Dhabi Ocean Racing bis zum Schlusslicht Vestas Wind. Die Dänen hatten gegen Mitternacht einen Schlag hinaus auf den Atlantik zu lange durchgehalten, zu spät zurückgehalst und dabei Boden verloren.

  Die Flotte im ÜberblickFoto: Volvo Ocean Race Die Flotte im Überblick
  Die Windsituation heute VormittagFoto: Meteoerth Die Windsituation heute Vormittag

Zuvor hatte sich das Team um den australischen Skipper Chris Nicholson einen Klumpen Seegras mit dem Kiel eingefangen. Das Boot musste aufgestoppt werden, das Vorsegel wurde geborgen. Durch Backstellen des Großsegels wurde rückwärts gesegelt, bis das Seegras vom Kiel fiel. Das kostete wertvolle Seemeilen. Die Aktion ist im Video festgehalten. In dem Filmchen ist außerdem die infernalische Geräuschkulisse unter Deck sehr gut nacherlebbar.

Das Entfernen des Seegrases

Überhaupt gestaltet sich die Berichterstattung von Bord so umfangreich wie nie zuvor. Doch mitunter macht es das nicht leichter, das Relevante herauszufinden. Etwa, wenn Corinna Halloran, Reporterin von SCA aus Schweden, offenbar sponsorgesteuert über Hygieneartikel berichtet:

"Heute war ein guter Tag, um unseren Tena shower glove zu benutzen", schreibt sie. (Das ist ein Handschuh aus Feuchtpapier, den Teamsponsor SCA produziert). "Wenn es einen echten Vorteil gibt, den Team SCA gegenüber den anderen Teams hat, dann ist es dieser: eine Dusche. Gut, es gibt kein fließendes Wasser, und unser Haar klebt stromlinienförmig am Kopf. Aber sich nach ein paar Tagen im Salz und Schweiß sauber zu fühlen ist eine unbeschreibliche Freude."

Doch Halloran hat auch durchaus Interessantes zur Rennberichterstattung beizutragen: Etwa, dass das Team jetzt am vierten Racetag langsam in einen Rhythmus finde. "Unser Körper beginnt sich an den Kurzschlaf zu gewöhnen", schreibt sie. "Meistens sind es nur zwei Stunden, obwohl wir einen Wachwechsel von vier Stunden on, vier Stunden off haben. Die Meisten vom Team müssen während ihrer Freiwache raus für eine Wende, einen Segelwechsel. Irgendwann kämpft dann der Körper gegen den Geist, und man richtet sich darauf ein, mit Kurzschlafphasen auszukommen. Diesen Modus haben wir jetzt erreicht."

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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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