Vermutet worden war es schon länger, nun herrscht Gewissheit: Vestas Wind versucht ein Comeback.
Gestern Abend bestätigten Teamchef Morten Albæk und Skipper Chris Nicholson, dass ihre schwer beschädigte Yacht repariert werden soll. Für die letzten Etappen, so der Plan, werde sie einsatzklar sein. "Wir werden unser Boot wieder aufbauen – genauso wie wir auch unsere Hoffnungen und Träume mit neuem Leben füllen wollen", sagte Nicholson im Rahmen einer Feier in Abu Dhabi.
Die nächste Wettfahrt wird die Crew voraussichtlich Anfang Juni segeln, wenn es von Lissabon nach Lorient geht – ein 650-Seemeilen-Sprint über die Biskaya, gefolgt von der Schlussetappe nach Göteborg. Eine Teilnahme an der Transatlantik-Etappe von Newport nach Lissabon, die bereits Mitte Mai startet, scheint unwahrscheinlich, wenn auch nicht völlig unmöglich.
Einfluss auf die Wertung wird der Wiedereinstieg nicht haben. Team Vestas ist im Rennun um die Podiumsplätze chancenlos. Deshalb hat der Entschluss vor allem psychologisch und aus PR-Sicht Bedeutung. Es geht darum, aufzustehen und Stärke zu beweisen, sich wegen eines Fehlers nicht unterkriegen zu lassen. Auf Facebook posierte die Mannschaft in feinem Zwirn, darunter markige Worte:
"Heute stehen wir zusammen, vereint und wahrhaftig. Diese Erfahrung (gemeint ist die Havarie, die Red.) hätte uns bestimmen können. Wir hätten zulassen können, dass sie unsere Kampagne beeinflusst, unsere Zukunft, unsere Leben – aber das wird nicht geschehen."
Wie es weitergehen soll, darüber will das Team heute Mittag in einer Telefonkonferenz Auskunft geben. Fest steht bereits, dass der schwer lädierte VO 65 zur Persico-Werft nach Italien gebracht werden soll, wo der Carbon-Rumpf ursprünglich auch laminiert worden war. Große Teile des Decks, der Struktur und der Ausrüstung lassen sich wohl wiederverwenden, so Chris Nicholson.
"Ich fühle mich ein wenig eingeschüchtert von dem, was vor uns liegt", sagte der Australier gestern. "Aber zugleich begrüße ich die Chance, wieder ins Rennen einsteigen zu können.”
Der 45-jährige soll nach Auskunft von Teamchef Albæk Skipper von Vestas Wind bleiben. Ob es Wechsel in der Crew geben wird, soll Nicholson bis Ende des Monats entscheiden. Beim Gruppenbild gestern war Navigator Wouter Verbraak jedenfalls mit von der Partie – er hatte die Verantwortung für die Havarie zunächst auf sich genommen.
Morten Albæk betonte, dass der Wiederaufbau der Rennyacht das Budget nicht zusätzlich belasten werde. Er machte aber deutlich, dass es dafür einer enormen Anstrengung der Segel- und Logistikcrew von Vestas bedürfe, ebenso wie einer engen Koordination zwischen Veranstalter und Versicherung. "Jede Sekunde wird zählen, jede Minute eines jeden Tages, von morgen an, bis wir in Lissabon sind", sagte Albæk.
"Vestas Wind" war Ende November auf ein gut kartiertes Riff im Indischen Ozean aufgelaufen. Nach bisherigen Aussagen lag ein Navigationsfehler zugrunde. Bei der Havarie brachen beide Schwerter sowie die gesamte Ruderanlage. Kurz darauf scherte auch die Bleibombe am Neigekiel ab. Die Crew blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Weil der Rumpf in der Brandung immer stärker beschädigt wurde, verließ die Mannschaft noch in derselben Nacht in Rettungsinseln das Schiff. Es wurde kurz vor Weihnachten von einem Frachter geborgen.

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