Volvo Ocean RaceVestas-Chef: "Wir werden zurückkommen"

Jochen Rieker

 · 01.01.2015

Volvo Ocean Race: Vestas-Chef: "Wir werden zurückkommen"Foto: Crew-Seite
Team Vestas Wind deutet Wiedereinstieg ins Rennen an
Nach der schweren Havarie im Indischen Ozean wird der VO65 von Team Vestas Wind repariert – Wiedereinstieg ins Rennen wohl erst im Mai/Juni
  Dieses Bild soll nicht das letzte sein, das von Vestas Wind in Erinnerung bleibtFoto: Brian Carlin/Team Vestas Wind/Volvo Ocean Race Dieses Bild soll nicht das letzte sein, das von Vestas Wind in Erinnerung bleibt

Vermutet worden war es schon länger, nun herrscht Gewissheit: Vestas Wind versucht ein Comeback.

Gestern Abend bestätigten Teamchef Morten Albæk und Skipper Chris Nicholson, dass ihre schwer beschädigte Yacht repariert werden soll. Für die letzten Etappen, so der Plan, werde sie einsatzklar sein. "Wir werden unser Boot wieder aufbauen – genauso wie wir auch unsere Hoffnungen und Träume mit neuem Leben füllen wollen", sagte Nicholson im Rahmen einer Feier in Abu Dhabi.

Die nächste Wettfahrt wird die Crew voraussichtlich Anfang Juni segeln, wenn es von Lissabon nach Lorient geht – ein 650-Seemeilen-Sprint über die Biskaya, gefolgt von der Schlussetappe nach Göteborg. Eine Teilnahme an der Transatlantik-Etappe von Newport nach Lissabon, die bereits Mitte Mai startet, scheint unwahrscheinlich, wenn auch nicht völlig unmöglich.

Einfluss auf die Wertung wird der Wiedereinstieg nicht haben. Team Vestas ist im Rennun um die Podiumsplätze chancenlos. Deshalb hat der Entschluss vor allem psychologisch und aus PR-Sicht Bedeutung. Es geht darum, aufzustehen und Stärke zu beweisen, sich wegen eines Fehlers nicht unterkriegen zu lassen. Auf Facebook posierte die Mannschaft in feinem Zwirn, darunter markige Worte:

"Heute stehen wir zusammen, vereint und wahrhaftig. Diese Erfahrung (gemeint ist die Havarie, die Red.) hätte uns bestimmen können. Wir hätten zulassen können, dass sie unsere Kampagne beeinflusst, unsere Zukunft, unsere Leben – aber das wird nicht geschehen."

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  Team Vestas Wind deutet Wiedereinstieg ins Rennen an Foto: Crew-Seite Team Vestas Wind deutet Wiedereinstieg ins Rennen an 

Wie es weitergehen soll, darüber will das Team heute Mittag in einer Telefonkonferenz Auskunft geben. Fest steht bereits, dass der schwer lädierte VO 65 zur Persico-Werft nach Italien gebracht werden soll, wo der Carbon-Rumpf ursprünglich auch laminiert worden war. Große Teile des Decks, der Struktur und der Ausrüstung lassen sich wohl wiederverwenden, so Chris Nicholson.

"Ich fühle mich ein wenig eingeschüchtert von dem, was vor uns liegt", sagte der Australier gestern. "Aber zugleich begrüße ich die Chance, wieder ins Rennen einsteigen zu können.”

Der 45-jährige soll nach Auskunft von Teamchef Albæk Skipper von Vestas Wind bleiben. Ob es Wechsel in der Crew geben wird, soll Nicholson bis Ende des Monats entscheiden. Beim Gruppenbild gestern war Navigator Wouter Verbraak jedenfalls mit von der Partie – er hatte die Verantwortung für die Havarie zunächst auf sich genommen.

Morten Albæk betonte, dass der Wiederaufbau der Rennyacht das Budget nicht zusätzlich belasten werde. Er machte aber deutlich, dass es dafür einer enormen Anstrengung der Segel- und Logistikcrew von Vestas bedürfe, ebenso wie einer engen Koordination zwischen Veranstalter und Versicherung. "Jede Sekunde wird zählen, jede Minute eines jeden Tages, von morgen an, bis wir in Lissabon sind", sagte Albæk.

"Vestas Wind" war Ende November auf ein gut kartiertes Riff im Indischen Ozean aufgelaufen. Nach bisherigen Aussagen lag ein Navigationsfehler zugrunde. Bei der Havarie brachen beide Schwerter sowie die gesamte Ruderanlage. Kurz darauf scherte auch die Bleibombe am Neigekiel ab. Die Crew blieb wie durch ein Wunder unverletzt. Weil der Rumpf in der Brandung immer stärker beschädigt wurde, verließ die Mannschaft noch in derselben Nacht in Rettungsinseln das Schiff. Es wurde kurz vor Weihnachten von einem Frachter geborgen.

Abbergen von Ausrüstung
Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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