The Ocean Race

Volvo Ocean Race Umfrage: Haben die Organisatoren ihre Fürsorgepflicht verletzt?

Lars Bolle

 · 03.04.2018

Volvo Ocean Race Umfrage: Haben die Organisatoren ihre Fürsorgepflicht verletzt?Foto: VOR

An den dramatischen Ereignissen scheiden sich die Geister. Ist das noch Sport oder Wahnsinn? Stimmen Sie ab!

Zwei Todesfälle überschatten diese Auflage des Volvo Ocean Race. Der britische Segler John Fisher fiel im Südpolarmeer über Bord und wurde nicht wiedergefunden. Vor Hongkong starb ein chinesischer Fischer bei der Kollision seines Bootes mit dem Team Vestas.

Wären diese Unglücke vermeidbar gewesen, wenn die Rennorganisatoren entsprechend vorgesorgt hätten?

Die Zielankunft vor Hongkong wurde in ein Seegebiet verlegt, das bekannt ist für seine Dichte an Fischerbooten, teils unbeleuchtet, teils ohne AIS. Warum mussten die Rennteilnehmer durch diese Flotte segeln, manche mitten in den Nacht, mit Geschwindigkeiten über 20 Knoten?

Warum befand sich die Ziellinie nicht einige Seemeilen vor Hongkong, außerhalb dieses Ballungsgebietes?

Für die Südpolarmeeretappe legten die Organisatoren Eisgrenzen fest, um die Teams vor Kollisionen mit Growlern zu schützen. Warum legten sie kein Windlimit fest? Schon beim Start in Auckland war klar, dass auf dieser Etappe mit sehr starken Winden zu rechnen sein würde, mit äußerst harten Bedingungen. Warum wurde die Etappe nicht ein paar Tage verschoben, warum nicht unterbrochen, um später, in moderateren Bedingungen, fortgesetzt zu werden?

Wo ist der Unterschied eines Windlimits zu Eisgrenzen?

Jeder Skipper, jeder Segler, der an diesem Race teilnimmt, sich auf eines dieser Boote begibt, wisse, worauf er sich einlasse, handle eigenverantwortlich, werde zu nichts gezwungen. Ist das tatsächlich so? Selbst jeder Freizeitsegler unterschreibt bei der Meldung zu einer Regatta, dass er auf eigenes Risiko teilnimmt. Wenn er dann etwa wegen zu viel Wind nicht startet, ist das seine Entscheidung, kostet ihn allein seine Reisekosten und Freizeit.

In einer Regatta wie dem Volvo Ocean Race jedoch, die von Sponsoreninteressen dominiert wird und bei der es sich um Profisport handelt, ist eigenverantwortliches Handeln, sowohl von Organisatoren wie auch von Aktiven, mitunter keine einfache Angelegenheit. So könnten einen Zieleinlauf einige Seemeilen vor Hongkong, obwohl dieser aus seemannschaftlicher Sicht sicher angeraten gewesen wäre, die eingeflogenen Gäste eines Sponsors nicht mehr hautnah, nur noch am Bildschirm verfolgen, es wäre schlicht ein deutlich weniger spektakuläreres Spektakel.

Einen Skipper, der eben aus diesem Grund von sich aus entscheidet, nicht bis zum Ziel durch dieses Seegebiet zu segeln, sondern die Etappe vorzeitig abzubrechen, um sein Team und andere Seeleute nicht zu gefährden, der damit eine Verschlechterung seines Teams und seines Sponsors im Gesamtklassement in Kauf nimmt, würde man wohl bei der darauffolgenden Etappe nicht mehr an Bord sehen.

Eine Etappe wie die von Auckland rund Kap Hoorn nach Itajai zu verschieben oder zu unterbrechen, um auf besseres Wetter zu warten, würde den Zeitplan komplett durcheinanderbringen, schließlich sind im Race Village des Ankunftshafens bereits alle Aktivitäten geplant, unter anderem sportlich fragwürdige In-Port Races, mit Gästen an Bord und Liveübertragung. Und auch in diesem Falle wäre wohl ein Skipper, der von sich aus zurückziehen würde, um seine Crew nicht zu gefährden, wohl kaum noch tragbar, vor allem, wenn alle anderen dann doch weitgehend ungeschoren ins Ziel kommen, zumindest was Leib und Leben angeht.

Abgesehen vom verantwortlichen Skipper – hat das normale Crewmitglied am Ende der Befehlskette überhaupt die Möglichkeit, eigenverantwortlich zu handeln?

Was soll etwa ein Vorschiffsmann tun, wenn ihm die Bedingungen zu hart, unverantwortlich hart, erscheinen? Meutern? Im nächsten Hafen abmustern, die finanziellen Bezüge für den Rest des Rennens opfern? Schließlich handelt es sich um Profisport, alle Beteiligten, ob Skipper, Crewmitglied oder Rennleiter, verdienen ihren Lebensunterhalt damit.

Und würde nicht zuletzt dieses Race wegen solcher Maßnahmen nicht auch einen Teil seines Reizes verlieren?

Es lebt ja auch vom Kampf der Seglerinnen und Segler gegen die Elemente, gegen die Uhr, gegen ihre Kontrahenten. Wenn so gut wie alle möglichen Gefahrenquellen beseitigt würden, wäre es dann nicht nur eine Kaffeefahrt? Uninteressant für Sponsoren, am Ende gäbe es für niemanden etwas zu verdienen.

Oder ist die gesamte Problematik am Ende nur künstlich aufgebauscht?

Jeder Tote ist ein Toter zu viel, selbstverständlich! Seit der Premiere 1973/74 kamen beim Volvo Ocean Race sechs Menschen ums Leben, 2100 Seglerinnen und Segler nahmen teil. Die Quote ist verschwindend gering zu anderen Sportarten oder -veranstaltungen, etwa der Rallye Dakar, der Formel 1, Bergsteigen oder Gleitschirmfliegen. Wahrscheinlich war die Anfahrt per Auto zum Hafen für die Beteiligten gefährlicher als das anschließende Segeln.


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