Über die Weihnachtsfeiertage lieferten sich beide Boote, die schon die erste Etappe auf den Plätzen 1 und 2 belegt hatten, ein Matchrace bis ins virtuelle Ziel des ersten Teilstücks, wo Telefónica am Montag kurz vor 19 Uhr MEZ über die Linie segelte. Camper, das bis kurz vor dem Ziel die Führung innehatte, kam genau 1:57 Minuten später. „Das war ein kompliziertes Rennen und ein Kampf bis zum Schluss”, fasste Telefónica-Skipper Iker Martínez die Ereignisse zusammen. „Die letzten Meilen waren einfach nur verrückt”. Sie waren die Krönung eines glänzenden Comebacks, das Telefónica vom letzten Platz am Anfang des Teilstücks bis ganz nach vorne brachte.
Das blaue Boot ware einige Male bekalmt liegen geblieben, fand aber acht Meilen vor Schluss genug Wind, um an Camper vorbeizuziehen. Dabei waren die Navigatoren nach allen Regeln der Kunst gefordert, denn es war schon dunkel und das Wasser war mit Riffen gespickt. An dritter Stelle landete das höher eingeschätzte Team von Puma Ocean Racing, das seine Siegeschancen am Äquator begraben musste, weil sie, genau wie die viertplatzierte Groupama, zu weit nach Westen segelten und innerhalb weniger Tage mehr als 100 Meilen einbüßten.
Telefónica holte sich 24 provisorische Punkte für den ersten Platz im ersten Teil des Teilstücks von Kapstadt nach Abu Dhabi, das sind 80 Pozent der Gesamtpunkte. Camper wurde mit 20 Zählern belohnt. Richtig angeschreiben wird allerdings nach dem Erreichen des offiziellen Etappenziels in Abu Dabi. In der provisorischen Gesamtwertung liegt Telefónica mit 61 Punkten vorn, gefolgt von Camper mit 54. Dritter ist Groupama mit 36 Punkten und auf Platz 4 liegt nun Puma mit 25 Zählern.
„Es klingt jetzt vielleicht ein bisschen negativ, aber ich bin sehr enttäuscht über das Ergebnis, weil wir die längste Zeit vorn gelegen waren” gab Campers Skipper Chris Nicholson zu Protokoll. „Das war eine Schlacht, die wir uns da die letzten Tage mit Telefónica geliefert haben und dann werden wir eine Stunde vor dem Ziel von einer boshaften Wolke in die Schranken gewiesen.”
Vor der Überquerung der äquatorialen Konvergenzzone waren Telefónica und Camper noch an dritter bzw. vierter Stelle gelegen, haben aber eine östliche Route gewählt. Das stellte sich als schlauer Schachzug heraus, denn er gestattete es ihnen, sich am schnellsten aus der Umklammerung der schwierigen und unvorhersehbaren Wetterverhältnisse zu befreien.
Die Veranstalter tun ihr Bestes, um die Sicherheit der Akteure zu gewährleisten, ohne die Regatta dabei zum Kabarett verkommen zu lassen. Dennoch ist dies mit Abstand die kurioseste Etappe einer Segleregatta, die an unbekannten Ort unterbrochen wird, um alle Schiffe auf einen Frachter zu verladen und durch das von Piraten patroullierte Gebiet des Indischen Ozeans zu transportieren. Dazu kamen ungewöhnliche und unberechenbare Windverhältnisse, die den Teams zu schaffen machten und vor allem den Führenden übel mitspielten. So musste das chinesische Team Sanya mit defektem Rigg aufgeben und Madagaskar anlaufen, just als sie sich mit einem Extremschlag an die Spitze gesetzt hatten. Und Groupama, die als erstes Boot in die „verdunkelte Zone” der zensurierten Positionsverfolgung eintauchte, wurde vom ersten auf den vierten Rang zurückgereicht.
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