Volvo Ocean RaceTeam SCA: Kritik nicht erwünscht

Lars Bolle

 · 12.05.2015

Volvo Ocean Race: Team SCA: Kritik nicht erwünschtFoto: Volvo Ocean Race, YACHT

Im Team kriselte es während der sechsten Etappe offenbar heftig. Ein Blog-Eintrag, der die eigene Leistung kritisierte, wurde gelöscht

In der Video-Zusammenfassung auf YACHT-TV wird bereits angedeutet, dass es während der sechsten Etappe offenbar großen Unmut im Team SCA über die bisher gezeigten Leistungen gab. Tatsächlich war die Lage an Bord aber offenbar deutlich angespannter als zunächst vermutet, als die Chancen gegen null gingen, dieses Teilstück einmal nicht als Letzte zu beenden. Das belegt ein Blogeintrag der Bord-Reporterin Corinna Halloran, der am 6. Mai, einen Tag vor der Ankunft in Newport, auf der Webseite des Veranstalters gepostet wurde.

Schon kurz danach wurde dieser jedoch gelöscht. Kein Wunder, denn Crewmitglied Annie Lush kritisiert darin einen Tag zuvor die Einstellung und Leistung ihrer Mannschaft harsch. Sie bezieht sich auf die Durchquerung der Sargassosee, bei der das Team nach einer sehr guten ersten Etappenhälfte den Anschluss an die Konkurrenz verlor, ausgebremst durch Stopps, um Seegras von den Anhängen zu entfernen.

Die entsprechenden Passagen des zurückgezogenen Blogeintrages liegen der YACHT vor.

Reporterin Halloran schreibt darin: "Annie saß mit mir an der Reling und erklärte, warum es wirklich anfängt, weh zu tun. ‚Wir lassen sie gerade entgleiten (die Gegner, d. Red.). Wir lassen die Algen zu sehr an uns heran; wir hätten uns einfach mit ihnen durch sie hindurchschieben sollen und akzeptieren, dass unsere Geschwindigkeitswerte schlecht sind, aber am Ende hätten wir uns bewegt – man kann nicht einfach stoppen, das ist der Grund, warum wir in einem einzigen Positionsreport so viele Seemeilen verloren haben.’"

Lush wird weiter zitiert: "Auf der ersten und zweiten Etappe haben wir unsere Basis gelegt, es fehlte einfach die Erfahrung. Auf der dritten Etappe haben wir uns als Team gefunden, und dann hatten wir auf der vierten und fünften Etappe alle Möglichkeiten, aber wir haben uns zurückgehalten, wenn etwas nicht so lief. Dasselbe passiert jetzt, wir segeln das Boot nicht mehr, wenn etwas passiert. Ich verstehe nicht, woher diese Mentalität kommt."

Und dann macht Lush ihrer Frustration richtig Luft: "Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe das Gefühl, dass wir die Leute enttäuschen, unser Landteam, unsere Trainer, die Außenwelt. Wir haben so viel gegeben, um die besten weiblichen Hochseesegler zu sein, um wettbewerbsfähig zu sein. Und wir sind nicht wettbewerbsfähig. Jeder weiß, dass Frauen segeln können. Aber uns wurde der Schlüssel für die Zukunft des Hochseesegelns für Frauen gegeben – um Stereotypen zu durchbrechen und die Welt sehen zu lassen, dass wir im Segeln genau so gut wie die Männer sind – und jetzt fühle ich mich, als wenn wir diesen Schlüssel wegwerfen."

Reporterin Halloran schließt mit eigenen Worten: "Annie hat einen sehr wichtigen Punkt angesprochen. Wir wollen ernst genommen werden – wir wollen, dass Frauen im Segelsport ernst genommen werden. Wir wollen auf demselben Spielfeld sein wie die Männer, als Gleiche angesehen werden, nicht als minderwertige Segler wegen unserer physischen Kraft oder Erfahrung."

Klarer kann man den Frust über die eigene Leistung wohl kaum ausdrücken. Schade nur, dass solche Offenheit von der Teamleitung offenbar nicht erwünscht ist. Zur Löschung des Beitrages hieß es aus dem Race-Hauptquartier auf Anfrage von YACHT online, es habe sich bei den Zitaten um Teile einer privaten Unterhaltung gehandelt, die nicht aufgezeichnet, sondern aus dem Gedächtnis aufgeschrieben und aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Sie hätte daher zu Missverständnissen führen können...

Meistgelesene Artikel