Sanya hat ein altes Boot und wenig Glück. Nach dem Kollisionsschaden, der das chinesische Team kurz nach dem Start der ersten Etappe zum Aufgeben gezwungen hatte, müssen sie nun mit defektem Rigg zum außerplanmäßigen Boxenstopp nach Madagaskar. Die Gewaltleistung der Bootsbauer, die dem havarierten Schiff in Kapstadt im Bugbereich eine neue Außenhaut verpasst hatten, bleibt somit unbelohnt. Bitter.
Dabei sah es nach dem Extremschlag gestern noch gut aus. Mike Sanderson und sein Team sind früher als alle anderen nach Norden gesegelt. Damit hatten sie hoch gepokert, doch die Rechnung schien zumindest vorerst aufzugehen: Mehr als 200 Meilen Vorsprung waren die Folge dieses gewagten Schachzugs. Doch die rauen Bedingungen, die den guten Wind begleiteten, forderten ihren Tribut mit einer gebrochenen D2-Verstagung. Nun schleppt sich Sanya Richtung Tolagnero an der madegassischen Südostküste, wo das Boot heute früh erwartet wird.
„Alle haben ein Wunder vollbracht und uns nach der Kollision mit einem unbekannten Gegenstand für die zweite Etappe fitgemacht”, ließ Sanderson über die Pressestelle verlauten. „Jetzt mit defektem Rigg als Führende auszuscheiden ist eine Riesenenttäuschung. Doch ich verspreche: Beim dritten Teilstück sind wir wieder dabei.” Wie’s weitergeht, wird die Schadensbegutachtung ergeben. Laut Veranstalter muss Sanya den ersten Teil der zweiten Etappe, die wegen der Piratengefahr in einen sicheren, aber bisher unbekannten Hafen führt, aus eigener Kraft beenden, um Punkte gutgeschrieben zu bekommen. Es ist denkbar, dass Sanya den Schaden repariert, das erste Teilstück fertigsegelt und am Start zum zweiten Teilstück der dritten Etappe wieder ins Geschehen eingreift. Der Rest der Flotte macht derweil per Huckepacktransport den Abstecher zum Etappenziel nach Abu Dhabi. Für die nicht gesegelten Teilstücke und das Inport Race in Abu Dhabi würde Sanya laut Regeln jeweils die Punktezahl für den sechsten Platz bekommen.
Unterdessen ist nicht nur das Wetter heißer geworden, sondern auch der Kampf um die Führung. Puma hat in der Nacht Telefonica knapp von der Spitze verdrängt, doch Camper sitzt den Spaniern fast sprichwörtlich im Nacken. Auf der östlichen Außenbahn treten Franck Cammas und Groupama bei frischer und raumer Brise das Gaspedal durch und rauschen mit mehr als 20 Knoten an die Führenden heran. Nur Abu Dhabi, das eine defekten Schwertführung reparieren musste, hat den Anschluss etwas verloren. „Wir sind Letzte, wir attackieren, wir haben nichts zu verlieren und können kreativ sein”, sagt Navigator Jules Salter. „Daumen drücken, Ohren anlegen und das Boot irgendwo reinhauen ist manchmal effektiver, als alles ausführlich durchzudenken.” Na denn.
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