Seine vielen markigen Sprüche bleiben unvergessen. Mit Kommentaren wie "Für Frauen an Bord ist bei uns kein Platz" oder "Wir sind nicht bereit, Teil dieses sozialen Experiments zu werden" hatte Skipper David Witt vor dem Start der 13. Auflage des Volvo Ocean Race seine Kritik am neuen Reglement zugunsten von mehr Frauen im Rennen mehr als deutlich auf den Punkt gebracht. Sein Team Sun Hung Kai / Scallywag nutzte die Möglichkeit, bei sieben männlichen Crew-Mitgliedern bis zu zwei Seglerinnen mitnehmen zu dürfen, zunächst nicht. Als dann die Holländerin Annemieke Bes das Team AkzoNobel im Personal-Chaos verließ, sicherte sich Witt sofort ihre Dienste und beteuerte, dass genau sie, die olympische Silbermedaillengewinnerin, gut ins Team passen würde: "Wir haben mit keiner anderen Seglerin gesprochen. Wir wollten sie." Witt und Bes haben schon vor dem Volvo Ocean Race auf "Ragamuffin" zusammen gesegelt. Was unter anderem beweist, dass Witt weit weniger Macho ist, als er öffentlich gern tut.
Im Clip von Bord spricht Skipper David Witt über sein Team und darüber, wie schnell sich Libby Greenhalgh eingefügt hat. Auch die Navigatoren kommt zu Wort
Als Witt und sein britischer Navigator Steve Hayles wegen eines auf Etappe 2 produzierten Videos ins Kreuzfeuer der Kritik gerieten und ein Fan aufgrund der möglichen Verletzung von Regel 69 beim Weltseglerverband World Sailing Beschwerde einreichte, mussten beide in Kapstadt vor einer unabhängigen Internationalen Jury antreten. Beide wurden jedoch von den Vorwürfen freigesprochen, haben laut Jury-Entscheidung weder beleidigend gehandelt noch den Segelsport insgesamt in Misskredit gebracht.
Thema des Videos mit dem Titel "Die Steve Hayles Frühstücks-Show" war die Parodie eines Telefonats. Darin macht sich David Witt über einige Crewmitglieder lustig, darunter John Fisher, der mit einer Gesichtsmaske im Stil des "Movie-Menschenfressers" Hannibal Lector erscheint. Anschließend wird Annemieke Bes als "Doktor Holzschuh" in die Show eingeladen und um ihren Rat für die medizinische Behandlung eines Hoden-Ausschlags gebeten. Das Video löste sehr unterschiedliche Reaktionen aus: Die einen empörten sich über angebliche "Frauenfeindlichkeit" und sexistische Aussagen und Bilder, die anderen verwiesen darauf, dass Annemieke Bes – aktiv, lachend und mit künstlichem Bart als Mann verkleidet – selbst bei dieser Parodie mitmachte. Von den anderen Teams im Rennen erhielten die Video-Produzentenviel Rückenwind für ihren Spaß. Witt hatte das eineinhalbminütige Video mit einer scherzhaften Warnung versehen: "Achtung! Alles in diesem Stück wird Teile der Öffentlichkeit beleidigen." Als das Video in den sozialen Netzwerken des Volvo Ocean Race veröffentlicht wurde, trug es die Überschrift "Nicht einmal die Regisseure werden das hier anfassen." Inzwischen ist der Clip von den Seiten des Teams und des Rennens um die Welt gelöscht.
Und noch etwas ist geschehen: Navigator Steve Hayles hat das Team – unabhängig vom Video-Fall – nach der zweiten Etappe bereits in Kapstadt verlassen. Seinen Job übernahm für Etappe 3 zunächst Antonio Fontes. Doch mit Rang fünf war David Witt offensichtlich nicht zufrieden. Der Skipper des Bootes unter Hongkongs Flagge verpflichtete vor Beginn der laufenden vierten Etappe überraschend die erfahrene Navigatorin Libby Greenhalgh, deren Bruder Rob zu den Größen des Sports zählt und mit "Mapfre" das Klassement aktuell anführt. Libby Greenhalgh war im letzten Rennen als Navigatorin im Frauen-Team SCA im Einsatz. Die britische Meteorologin gilt als smart und hart im Nehmen. Die 37-Jährige könnte nun zur Match-Gewinnerin werden, denn: Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag liegt auf dem Weg in den Ziel- und Heimathafen Hongkong zwei Tage vor der Ankunft mit knapp 100 Seemeilen Vorsprung vor dem zweitplatzierten Team Vestas 11th Hour Racing in Führung. Gelingt Witts Team ausgerechnet auf dem Heimweg nach Hongkong ein Außenseiter-Triumph, ein Solo mit zwei beeindruckenden Seglerinnen an Bord? Es wäre nicht nur ein süßer Sieg für den Skipper und die ganze Mannschaft, sondern auch ein fulminanter Erfolg für Annemieke Bes und Libby Greenhalgh, die auch als eine der Direktorinnen für die weltweit agierende Seglerinnen-Kampagne Magenta Project aktiv ist.

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