Tatjana Pokorny
· 25.06.2018
Charles Caudreliers Dongfeng Race Team zählte von Beginn an zu den Top-Favoriten bei der 13. Auflage des Volvo Ocean Race. Doch die französisch geprägte Crew unter chinesischer Flagge tat sich schwerer als gedacht. Bis zum letzten, alles entscheidenden Abschnitt von Göteborg nach Den Haag konnten "die Roten" nicht eine Etappe gewinnen. "Sie hätten ja auch das Vertrauen in mich verlieren können", sinniert Charles Caudrelier zwei Tage nach seinem Triumph mit einem bescheidenen Lächeln.
Im Interview erzählt Caudrelier davon, wie ihn schon als Teenager Weltumsegler wie Éric Tabarly oder Sir Peter Blake inspiriert haben. "Es ist einfach unglaublich, dass mein Namen nun auf einer Trophäe über den ihren eingraviert ist", sagt der Franzose fast ein wenig staunend. Er spricht auch über den Unterschied, das Volvo Ocean Race als Crewmitglied (mit Groupama bei der vorletzten Auflage, d. Red.) oder als Skipper zu gewinnen: "Als Crewmitglied war es pures Vergnügen. Als Skipper war es dieses Mal echt hart. Beim letzten Mal als Skipper hatten wir noch Spaß, weil wir besser waren, als alle erwartet haben. Aber dieses Mal haben alle erwartet, dass wir gewinnen. Ich auch. Ich habe so hart dafür gearbeitet, aber es wollte einfach nicht kommen. Es waren so harte lange Monate. Ich hatte Tiefpunkte wie noch nie in meinem Leben. Weil ich das Gefühl hatte, dass mein Team gewinnen kann, ich aber so viele Fehler beging und wir so viele Punkte verloren haben."
Caudreliers Gesicht hellt sich schlagartig auf, als er über das packende Finale in Den Haag spricht: "Das Szenario hätte nicht besser sein können. Als alle gedacht haben, dass wir einfach keine Etappe gewinnen können, da haben wir es getan – und das Rennen für uns entschieden." Sein Team, sagt Caudrelier, habe in allen Zeiten dieser bewegten Weltumseglung hinter ihm gestanden, auf dem Wasser wie an Land. Er habe aber noch eine Seemeilen vor dem Ziel darüber nachgedacht, was alles passieren könnte: "Vielleicht bricht der Mast, vielleicht verfängt sich etwas im Kiel, vielleicht müssen wir rückwärts segeln?" Dann lacht er befreit und genießt für ein paar Sekunden die Gewissheit, diesen Sieg tatsächlich errungen zu haben.

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