Volvo Ocean Race"Sanya" bricht ein Ruder ab

Andreas Fritsch

 · 21.03.2012

Volvo Ocean Race: "Sanya" bricht ein Ruder abFoto: VOLVO OCEAN RACE A. Soriano Team Sanya
Crewmitglieder von "Sanya" dichten den Ruderschaft ab
Erstmals in Führung gelegen, und schon zum dritten Mal ein Schaden. "Pumas" Verletzte auf dem Wege der Besserung, Reparaturen auf "Camper"

Nachdem das Feld der Yachten gestern in einer etwa 24-stündigen Flaute etwas Zeit zum Luftholen hatte, ging es seit heute Nacht auf der Rückseite eines kräftigen Sturmtiefs mächtig zur Sache. Mit Speed um die 25 Knoten pflügen die Volvo 70 seit heute Morgen durch den Southern Ocean. Gerade als sich nach langer Zeit wieder einmal Mike Sandersons "Sanya" an die Spitze des Feldes gesetzt hatte, zumindest rechnerisch, war es schon wieder vorbei: Heute Morgen brach ohne erkenntlichen Grund das luvwärtige Ruder direkt am Schaft unter dem Bootsrumpf ab. Das Boot machte im abgeschlossenen Heckbereich daraufhin viel Wasser.

  Der Stand des Rennens heute MorgenFoto: Volvo Ocean race Der Stand des Rennens heute Morgen

Sanderson und seine Crew schlossen mit einer Platte das Loch, in dem der Ruderschaft steckte, sie segeln zurzeit mit nur einem Ruderblatt weiter. Schifffe des Typs Volvo 70 haben standardmäßig ein Ersatzruderblatt an Bord, das zur Not auch am Heck angehängt gefahren werden kann, falls der Ruderschaft beschädigt ist. Zurzeit berät das Team noch, ob sie weiter segeln können oder zu den Chatham-Inseln ablaufen. Es wäre bereits das dritte Mal, dass sie quasi eine Etappe aufgeben müssen. Vorsichtshalber änderte Skipper Mike Sanderson den Kurs nach Norden, um dem starken Wind der nächsten Tage etwas aus dem Weg zu gehen.

Entsprechend ist der Traum, endlich einmal ganz vorn mitzusegeln, für "Sanyas" Crew ausgeträumt. Heute Morgen noch in Führung, fielen sie nun schon über 50 Meilen zurück und sind fast zehn Knoten langsamer als die "Camper" auf dem derzeitigen Platz 1. Eine bittere Pille für die Crew, die seit dem Start die rote Laterne im Feld trägt.

Doch auch auf den anderen Schiffen läuft noch nicht alles rund. Auf "Puma" geht es den beiden verletzten Crewmitgliedern Casey Smith und Thomas Johanson zwar besser, sodass keine Abbergung nötig ist, voll einsetzbar sind die beiden aber dennoch nicht ganz, wie Skipper Ken Read von Bord schreibt. "Thomas sieht jetzt wieder wie ein richtiger Mensch aus! Nach Anleitung von Dr. Ruth hat er seinen Ellbogen genommen und die Schulter selbst wieder eingekugelt, sie ploppte von allein wieder in die richtige Stelle. Sein Gesichtsausdruck dabei war unvergleichlich: Von purer Agonie zu weit geöffneten Augen und sprachloser Überraschung, als der Schmerz schlagartig nachließ. Er hat sich super erholt und war schon wieder am Steuer", so Read.

  Reparaturen am Schaden des Schotts von "Camper"Foto: H. Hooper, Camper ETNZ, Volvo Ocean Race Reparaturen am Schaden des Schotts von "Camper"

Für Casey Smith gilt das noch nicht uneingeschränkt. "Nach Anleitung der Ärzte hat er vier Übungen absolviert, um zu prüfen, ob es eine Bandscheibenverletzung ist oder nur eine muskuläre. Wenn es die Bandscheibe ist, würde er vor wahnsinnigen Schmerzen aufschreien – wenn es erträglich ist, ist es wohl nur ein Muskel. Kein Schrei. Wow. Was für eine Erleichterung." Das "Puma"-Team wird also weiter segeln.

Auch auf "Camper" gab es für die Crew bange Minuten, nachdem dort ein Schaden an einem der vorderen Schotten entdeckt wurde. Es löste sich vom Rumpf, ähnlich wie auf Ian Walkers "Abu Dhabi", die deshalb direkt nach dem Start für eine Reparatur nach Auckland zurückkehren musste. Doch der "Camper"-Crew gelang in der kurzen Phase mit wenig Wind gestern eine notdürftige Reparatur, von der sie hoffen, dass sie um das Kap Horn und bis Brasilien herum hält.

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Andreas Fritsch

Andreas Fritsch

Freier Autor

Andreas Fritsch segelte seit Kindesbeinen an, erst mit der Jolle, später mit eigenen Kielschiffen auf der Elbe und der Ostsee. Ab 1997 arbeitete er für die YACHT, ab 2001 schwerpunktmäßig im Bereich Reise und Charter. Er war in fast allen Revieren weltweit unterwegs und gilt als Charter-Experte. Er hat zwei Revierführer für das Mittelmeer geschrieben. Seit einigen Jahren segelt er mit einem GFK-Klassiker vom Typ Grinde auf der Ostsee und arbeitet aktuell als Freier Autor für YACHT und BOOTE.

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