Die Veranstalter des Volvo Ocean Race atmeten erleichtert auf, als alle fünf Boote nach dem Ziel des ersten Teilstücks der zweiten Etappe heil an Bord eines Frachters waren, der sie in den Persischen Golf transferieren soll, von wo sie dann zur offiziellen Endstation in Abu Dhabi zu segeln hätten. Der Aussetzpunkt soll irgendwo vor der Sharjah-Küste im Nordosten der Vereinigten Arabischen Emirate sein. Dies ist zumindest der Plan, doch es gibt dunkles Gewölk am Horizont.
Bevor die Boote wieder gewassert werden können, müssen sie nämlich mit dem Transporter durch die Straße von Hormuz, dem Engpass zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Iran, der für die weltweite Erdölversorgung strategisch höchst bedeutend ist. Im Streit um schärfere Sanktionen gegen den Iran und dessen Atomprogramm wird diese Meeresstraße zum Faustpfand. US-Präsident Obama soll nämlich einen Gesetzentwurf unterzeichnen, der vorsieht, den Iran vom internationalen Erdölgeschäft abzuschotten, um das Land der wichtigsten Einnahmequelle zu berauben und zum Einlenken im Atomstreit zu bewegen. Doch der Iran, immerhin der drittgrößte Energie-Exporteur der Welt, droht mit Gegenmaßnahmen.
„Die Straße von Hormuz zu schließen ist leichter, als ein Glas Waser zu trinken”, sagte der iranische Admiral Habibollah Sayari in einem Interview mit dem englischsprachigen Sender Press TV. „Im Moment müssen wir sie nicht schließen, denn wir haben den Golf von Oman unter Kontrolle und damit auch den Transit.” Sayari leitet derzeit eine zehntägige Übung von iranischen Marineeinheiten in der Straße von Hormuz. Das sind schlechte Nachrichten für den Ölverbraucher, der höhere Preise berappen wird müssen, denn mehr als ein Drittel des weltweit von Tankern transportierten Öls, das aus Bahrain, Kuwait, Qatar, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten stammt, muss durch diese Straße. Aber auch das Volvo Ocean Race wird kaum unberührt bleiben, sollte die Situation eskalieren.
„Wer die freie Durchfahrt in einer internationalen Wasserstraße bedroht, befindet sich eindeutig außerhalb der Staatengemeinschaft”, verlautete das Kommando der 5. US-Flotte, die in Bahrain stationiert ist. „Es werden keinerlei Störungen geduldet.” Ob die US-Navy auch für den Transport der Volvo-Flotte Geleitschutz abstellen würde, ist nicht bekannt. Die Veranstalter haben sich bisher noch nicht auf diesbezügliche Anfragen der YACHT geäußert. Doch die Segler machen sich so ihre Gedanken: „Das ist die wahre Welt”, sagte beispielsweise Puma-Skipper Ken Read. „So verrückt es auch sein mag, und glauben Sie mir, es erscheint allen Seglern sehr verrückt, man kann’s kaum glauben, dass wir nicht weitersegeln. Aber manchmal kommt die Realität unserer kleinen Regatta in die Quere. Man muss sich drauf einstellen und die Maßnahmen treffen. Das ist alles verrückt, aber so ist nun mal das Leben.”
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