Volvo Ocean RaceRechts überholen ist erlaubt

Lars Bolle

 · 19.10.2014

Volvo Ocean Race: Rechts überholen ist erlaubtFoto: Matt Knighton/Abu Dhabi Ocean Racing/Volvo Ocean Race
Abu Dhabi bei der Passage der Nordspitze der Inselgruppe
Nach den Kapverden hatte sich das Feld auf 100 Seemeilen auseinandergezogen – jetzt kommen alle wieder zusammen. Die Doldrums liegen voraus

Die vergangenen 24 Stunden im Volvo Ocean Race waren aus taktischer Sicht dramatisch. Bei der Passage der Kapverden teilte sich das Feld in zwei Gruppen. Vier Teams segelten nördlich an der Inselgruppe vorbei (Abu Dhabi Ocean Racing, Brunel, Alvimedica und SCA), die anderen drei mittig hindurch. Für die Entscheider der Teams waren diese Stunden nervenaufreibend. Bord-Reporter Matt Knighton beschreibt die Stunden auf "Azzam" (Abu Dhabi) wie folgt:

"Schweigen: Es ist 0100. Ian (Walker, Skipper) und SiFi (Simon Fisher, Navigator) sind in der Navigationszentrale, schauen auf den 6-Stunden Report und sagen nichts.

SiFi bricht das Schweigen: 'Ängstlich?', fragt er Walker.

Walker antwortet: 'Yeah.'

Die Spannung hat auf der 'Azzam' ihren Höhepunkt erreicht. Die Teams, mit denen wir uns die ganzen Tage herumgeschlagen haben, segeln offensichtlich durch die Kapverden, und sie sind schneller als wir. Ihre Wahl könnte sich auszahlen, obwohl Walker und Fisher überrascht sind. 'Unsere Hoffnungen liegen in den beschleunigten Winden an der Nordseite der Inselgruppe, und wir versuchen, ihre großen Windschatten im Süden zu vermeiden. Das könnten die entscheidenden 72 Stunden der Etappe werden.'"

Die Kapverden-Passage im Video-Zusammenschnitt

  Die Passage der Kapverden gestern MittagFoto: Volvo Ocean Race Die Passage der Kapverden gestern Mittag

Tatsächlich fuhr die Gruppe, die den Weg durch die Inselgruppe gewählt hat, zunächst davon. Dabei konnte sich das chinesische Team Dongfeng mit der südlichsten Route entscheidend absetzen. Am Sonntagvormittag betrug der Abstand zur nördlichen Gruppe über 60 Seemeilen, selbst zu den Konkurrenten im Kielwasser noch rund 40 Seemeilen. Team SCA lag da ganz im Norden schon über 100 Seemeilen zurück.

Doch in der Nacht wendete sich das Blatt. Die Gruppe im Norden hielt bis etwa Mitternacht nach Westen durch und fand dort mehr Wind. Mit raumem Kurs begann die Aufholjagd, während die drei Yachten im Süden mit achterlichem, leichtem Wind zu kämpfen hatten und viel halsen mussten.

  Positionen und Abstände um 9.00 UhrFoto: Volvo Ocean Race Positionen und Abstände um 9.00 Uhr

Beim Positionsreport um 9.00 Uhr hatten Abu Dhabi und Brunel die ehemals führenden Boote rechts überholt, und die ersten fünf Boote lagen wieder innerhalb von fünf Seemeilen. Auch SCA war bis auf 55 Seemeilen heran und holte weiter auf.

  Die aktuelle WindsituationFoto: Meteo Earth Die aktuelle Windsituation

Vor der Flotte liegt nun ein breites Flautenband. Sehr interessant ist die Isobarenverteilung auf dem Wetterbild – es gibt einfach keine Linien, also kaum Luftdruckunterschiede. Und ohne Druck kein Wind.

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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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