„Man muss in der Nähe des Gegners bleiben”, kommentierte Chris Nicholson, der Skipper des wiederhergestellten roten Renners von Camper, der im Moment die sechste Etappe des Volvo Ocean Race anführt. Nächster Gegner, geografisch gesehen, wäre im Moment die Truppe von Abu Dhabi, die so wie die Neuseeländer die Innenbahn knapp unter Land gewählt hat. Dabei mussten beide Boote in der Nacht einem Kabelleger großräumig ausweichen, der vor der brasilianischen Küste agierte.
Weiter draußen, in Kursmitte, hat sich Puma inzwischen allerdings von einem Privatparkplatz freigesegelt und macht mit drei Knoten mehr Bootsgeschwindigkeit schnell Distanz auf die mathematisch führenden Kiwis gut. „Es gibt keinen eleganten Weg aus dieser Ecke”, sagte Pumas Navigator Tom Addis. Damit meint er die Kaltfront, die die Boote noch von der Passatzone trennt.
Und noch weiter im Osten haben Groupama und Telefonica nach einem frustrierenden Tag ebenfalls nachgelegt, um Jagd auf Camper zu machen. „Wir wollen langsam weg von der brasilianischen Küste”, erklärt Franck Cammas, der Skipper der Franzosen, der für heute Leichtwind erwartet und sogar damit rechnet, dass gekreuzt werden muss. Bis der Passat anschiebt, sind in diesem Geduldspiel die Nerven gespannt wie Drahtseile. Denn eines ist gewiss: Jede taktische Entscheidung wiegt nun schwerer, weil Anzahl und Länge der Etappen sinken, also weniger Gelegenheit bleibt, Fehler oder Bruch auszubügeln.
Apropos Bruch: Das havarierte Boot von Team Sanya, das bei dieser Etappe nicht dabei ist, wird dieser Tage im Hafen von Savannah im US-Bundesstaat Georgia erwartet, von wo es nach Reparatur des erlittenen Ruderschadens nach Miami überstellt wird, um das Transatlantik-Teilstück nach Portugal mitzusegeln.
Zum Tracker