Es war ein Fotofinish, wie angekündigt. Ganze 12 Minuten Vorsprung waren es am Schluss. Nach 7.000 Killermeilen durch den Southern Ocean und rund um Kap Hoorn ist das lächerlich wenig. Doch am Karfreitag, nach 19 Tagen, 18 Stunden, 9 Minuten und 50 Sekunden, war die Puma-Truppe im Ziel, überglücklich, hundemüde, hungrig wie die Wölfe, aber auch erlöst vom Fluch, der seit dem Mastbruch bei der ersten Etappe auf dem Team zu lasten schien. Dabei ging es auf dieser Königsetappe von Neuseeland nach Brasilien eigentlich mehr ums Überleben als ums schnelle Segeln. Als einziges Schiff der Flotte blieb Puma bei extremsten Bedingungen von Defekten verschont, was Boot und Mannschaft ein gutes Zeugnis ausstellt.
„Es war das schwierigste Offshore-Teilstück meines Lebens”, strahlte Skipper Ken Read noch am Steg. „Uns ging vor anderthalb Tagen die Verpflegung aus, das war ganz schön haarig.” Read sagte, man habe gemeinsam die Strategie und die Prioritäten für die Etappe besprochen und auch konsequent durchgezogen. Es sei leicht, über die eigenen Segelleistung zu schwärmen, doch das sei längst nicht alles. „Wir hatten auch Glück. Wenn wir die eine Welle zwei Sekunden später abkriegen und es uns in die Luft geschleudert hätte, wer weiß ...”
Und Pumas Bugmann Michael Müller aus Kiel pflichtete bei: „Das war eine unglaublich harte Etappe, zweigeteilt mit extremen Bedingungen bis Kap Hoorn und wechselhaft, aber taktisch spannend danach“, sagte Müller nach dem Zieleinlauf. „Die Crew kann diese Belastungen immer noch ganz gut dosieren und wegstecken, aber das Boot bricht früher oder später auseinander, wenn wir nicht vom Gaspedal gehen.“ Puma erhält 30 Punkte für den Sieg und steht nun bei 113 Punkten, was im Moment Platz 2 hinter Telefonica bedeutet.
Hut ab vor den Spaniern, die so wie Puma Tempo dosierten, aber trotzdem einen Laminatschaden im Bugbereich bei einem 17-stündigen Zwischenstopp am Kap Hoorn reparieren mussten. Sie legten eine unglaubliche Aufholjagd hin, begünstigt von besseren Winden weiter östlich, und hätten es beinahe noch geschafft, Puma abzufangen. „Wir sind sehr glücklich, dieses Ergebnis ist wichtig für die Gesamtwertung”, sagte Telefonicas Skipper Iker Martinez. „Aber einfach nur hier zu sein ist schon fantastisch, denn es sah lange nicht danach aus. Aber es zeigt, dass man in diesem Rennen nicht nur die besten Segler, sondern auch die beste Bodenmannschaft braucht. Wir träumten von einer Chance, und wir bekamen sie. Doch Puma segelte am Schluss gut, Gratulation zum Sieg.”
Mittlerweile ging auch Groupama mit verlängertem Notrigg in Punta del Este wieder ins Rennen, um die verbleibenden 670 Meilen zu absolvieren und sich Platz 3 zu sichern, womit sie Puma in der Gesamtwertung von Platz 2 verdrängen würden.
Etappe:
1. Puma 30
2. Telefonica 25
Spannung vor dem Ziel
Gesamt:
1. Telefonica 147
2. Puma 113
3. Groupama 107*
4. Camper 104
5. Abu Dhabi 55**
6. Sanya 25**
* noch im Rennen
** Etappe aufgegeben