Die Intertropical Convergence Zone (ITCZ) ist erreicht, kurz, die Doldrums. Konvergenz bedeutet allgemein, dass etwas aufeinanderstößt, in diesem Fall treffen die nördliche und die südliche Hemisphäre aufeinander. Die Folge sind meist leichte Winde aus unterschiedlichen Richtungen, Gewitter, Regen.
Letzterer wird den Teams für die kommenden 24 Stunden vorausgesagt. Tropischer Regen. Hinzu kommt das taktisch wohl anspruchsvollste Teilstück dieser Etappe. Bis zum Wegepunkt Fernando de Noronha, einer Inselgruppe vor der brasilianischen Küste, waren es beim Positionsreport um 9.00 Uhr noch gut 800 Seemeilen. Dorthin müssen alle sieben Teams, dort wird sich, ähnlich wie an einer Bahnmarke bei jeder beliebigen Wettfahrt, zeigen, wer tatsächlich vorn liegt und mit welchem Abstand.
Das Feld ist momentan breit aufgefächert, mit Team Brunel und Abu Dhabi im Westen in Führung und Vestas Wind sowie Mapfre im Osten. Fast 140 Seemeilen lagen zuletzt dazwischen. In der Mitte haben sich Team Alvimedica und Dongfeng positioniert, ebenso SCA. Die Frauen kämpfen immer noch um den Anschluss ans Feld.
Generell gilt für die Doldrums, dass sie umso leichter zu passieren sind, je weiter man im Westen liegt. Tatsächlich meldeten die beiden Teams im Westen zuletzt Geschwindigkeiten zwischen acht und neun Knoten, während Vestas Wind im Osten nur drei Knoten schaffte.
In den Mails von Bord aus der vergangenen Nacht liest sich das so:
Abu Dhabi Ocean Racing, Reporter Matt Knighton: "Doldrums? Welche Doldrums? Nach den Wettermodellen sollten wir fünf bis zehn Knoten Wind haben, abnehmend. Aber bisher hatten wir die ganze Zeit 15 Knoten und machen guten Weg nach Süden."
Team Alvimedica, Reporter Amory Ross: "Wir driften irgendwohin. Niemand kann ganz sicher sein, welcher Kurs gerade anliegt. Wind ist kaum wahrnehmbar, irgendwo zwischen einem und zwei Knoten. Das Großsegel schlägt, und die Winschen drehen sich immerzu, weil die Jungs an Deck versuchen, jeden noch so leichten Hauch einzufangen."
Ian Walker (Abu Dhabi) über die Doldrums
Entsprechend hat sich der Vorsprung des Führungsduos auf über 30 Seemeilen ausgedehnt. Der Wind kam im Schnitt aus etwa 100 Grad, drehte zwischen 72 und 130 Grad. Die Peilung zum Wegepunkt betrug 197 Grad, ein idealer Segelwinkel also.
Eigentlich. Denn da die Doldrums für ihre schnell wechselnden Bedingungen bekannt sind, könnten diese Zeilen schon Makulatur sein, während sie noch online gestellt werden. Der aktuelle Rennverlauf kann im Race-Tracker verfolgt werden.

Chefredakteur Digital