Volvo Ocean RaceNeue Einheitsklasse enthüllt

Lars Bolle

 · 28.06.2012

Volvo Ocean Race: Neue Einheitsklasse enthülltFoto: Farr Yacht Design

Künftig wird auf 65-Fuß-Booten von Farr Yacht Design gesegelt. Außerdem: weniger Crew, weniger Segel, mehr Sicherheit, mehr Speed

Die kommende, zwölfte Auflage des Volvo Ocean Race wird erstmals auf einheitlichen, knapp 20 Meter langen Booten gesegelt. Das gab der Veranstalter heute bekannt. Grund sind die vielen Ausfälle während des laufenden Races sowie die offenbar immer noch zu hohen Kosten.

Die neuen Volvo 65 (V65) werden von Farr Yacht Design in den USA gezeichnet. Damit wurde offenbar der Erfolgsdesigner Juan Kouyoumdjian ausgebootet, der die Siegeryachten der vergangenen zwei Auflagen entworfen hatte und wohl auch beim laufenden Race die Siegeryacht gezeichnet hat.

Fast wie ein Modellboot: negativer Steven, tiefer Kiel, lange Schwerter
Foto: Farr Yacht Design

Vier Werften aus Frankreich, Italien, der Schweiz und Großbritannien sollen die verschiedenen Komponenten bauen. Davon versprechen sich die Organisatoren einheitliche Boote sowie eine deutliche Kostensenkung, wie auch durch die Reduzierung der Crewstärke von zehn auf acht Personen und der zugelassenen Segel von zehn auf sieben. So soll ein Budget von 12 bis 15 Millionen Euro realistisch sein. Wenigstens acht Teams sollen so zu einer Teilnahme 2014 animiert werden.

Mehr Sicherheit

Ein wichtiger Aspekt bei der Entscheidung für eine Einheitsklasse sei die Sicherheit gewesen. "Die Zuverlässigkeit wird wachsen“, sagte Race-Chef Knut Frostad. Denn die Konkurrenten würden ihre Yachten nicht mehr selbst optimieren können, was bisher immer zu einer Gewichtsreduzierung zu Lasten der Sicherheit geführt hätte.

Obwohl mit einer Deckslänge von 65 Fuß (19,80 Meter) 1,70 Meter kürzer als die Yachten der derzeitigen Volvo-70-Klasse, sollen die V65 ein noch etwas höheres Geschwindigkeitspotenzial haben, so Frostad. Dazu wird der Tiefgang um 20 Zentimeter auf 4,70 Meter verlängert, während das Gesamtgewicht um 3,25 auf 10,75 Tonnen sinkt. Mit geringerer Segelfläche am und vor dem Wind sollen Handhabung und physische Belastung leichter werden, damit auch eine Frauencrew mit zwei zusätzlichen Seglerinnen eine realistische Siegchance hätte. Die Baukosten für eine segelfertige Yacht belaufen sich auf etwa 4,5 Millionen Euro, deutlich weniger als bei einem VO70, wo vor allem das individuelle Design zu Buche schlug.

Der Entscheidung zugunsten der Volvo 65 nach einem Farr-Design gingen angeblich wochenlange Beratungen mit verschiedenen Konstrukteuren, Hochseeseglern, Sponsoren und weiteren Beteiligten voraus. Ein Einfrieren der Bauformel der bestehenden VO70-Yachten wurde dabei genauso verworfen wie ein Wechsel zur Imoca Open 60, mit der Einhand- und Zweihandrennen um die Welt gesegelt werden, als auch zu Mehrrumpfbooten. Frostad: „Einrumpfhochseeyachten gehören zur DNA des Volvo Ocean Race. Sie haben sich zudem als TV-Plattform bewährt, was wir mit mehr Liveübertragungen noch stärker ausbauen wollen.“ Ein zusätzliches Crewmitglied wird an Bord wieder ausschließlich für die Medienarbeit zuständig sein.

Die Boote sollen so konstruiert werden, dass sie auch gleich für die übernächste Regatta 2017/18 einsatzbereit sind. Die verschiedenen Bauteile kommen von den Werften „Multiplast“ (Frankreich), „Persico“ (Italien) und „Decision“ (Schweiz). Die Endfertigung erfolgt bei „Green Marine“ in Hythe/England. Das erste V65-Exemplar soll im Juni 2013 vom Stapel laufen, das letzte im Juli 2014 einige Monate vor dem nächsten Regattastart. Sollte das Interesse das Angebot übersteigen, könnten bis zum nächsten Sommer mehr als acht Boote gebaut werden. Die kommende Route mit den Etappenhäfen und Zeitplan soll im Dezember bekanntgegeben werden. Eine Verkürzung der Strecke und ein ausgewogeneres Pausenmanagement seien im Gespräch.

Technische Daten Volvo 65

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