The Ocean Race

Volvo Ocean Race: Mühsames Treiben in schwülem Klima

Lars Bolle

 · 15.01.2015

Volvo Ocean Race: Mühsames Treiben in schwülem KlimaFoto: Stefan Coppers/Team Brunel/Volvo Ocean Race

Ein Flautengebiet hat die Flotte in der Mitte des bengalischen Golfes aufgehalten. Wer ihm zuerst entkommt, könnte den anderen enteilen

Eine Zusammenfassung der Flautenphase, mit Tauchaktion und Drohnenbildern

Eine ausgeprägte Flaute hatte gestern die Boote fest im Griff. Etmale zwischen 50 und 60 Seemeilen sprechen für sich. Team SCA hat die Chance genutzt, um aufzuschließen, Dongfeng konnte sich an der Spitze noch etwas weiter absetzen.

Interessant waren bei diesen Bedingungen die E-Mails von Bord. Denn für die Crews bedeutet Flaute ein unangenehmes Leben unter Deck. Besonders eindrucksvoll beschreibt Stefan Coppers vom Team Brunel eine Episode, die sich weiterzugeben lohnt:

Spätestens jetzt sollte jeder wissen, dass die Segler von Brunel bei Flaute im Bug schlafen. (Um das breite Heck aus dem Wasser zu bekommen und so die benetzte Fläche zu verkleinern, d. Red.) Bei Temperaturen von 45 Grad ist das nicht gerade der einladendste Schlafplatz, und doch gibt es selbst dort Favoriten.

Die begehrtesten Plätze sind die beiden Gänge lins und rechts von Ballasttank. Dort finden vier Leute Platz. Da das Boot durch den Neigekiel ständig etwas Krängung hat, bewahrt einen der Gang davor, zur Seite wegzurollen, wenn sich das Boot neigt.

Der schlechteste Platz ist dagegen in der Mitte auf dem Tank. Jede kleine Bö lässt dich zur Seite rutschen. Du versuchst gleichzeitig, dich festzukrallen und zu schlafen. Es gibt deshalb sogar Segler, die nach ihrer Wache das Essen überspringen, um sich einen guten Platz zu sichern.

  Blick ins Vorschiff von Team BrunelFoto: Stefan Coppers/Team Brunel/Volvo Ocean Race
Blick ins Vorschiff von Team Brunel

Heilige Sch...ße, war ich gestern Abend müde und gierig auf einen guten Nachtschlaf!

Draußen kein Wind und drinnen absolute Dunkelheit. Ich leuchte in den Bug, während ich in einer Packung Kung-Fu-Nudeln stochere und sehe einen freien Platz. Das ist meine Nacht!

Während das Wasser im Kessel kocht, springe ich in den Bug und bastele mir aus Klamotten und Taschen ein Nest. Nichts wird mich von einem phantastischen Vier-Stunden-Schlaf fernhalten. Nur noch ein paar Minuten, ich muss nur noch etwas für die Jungs vorbereiten.

Während ich das Wasser zum orientalischen Mahl kippe sehe ich aus dem Augenwinkel, wie der verdammte Capey (Andres Cape, Navigator) langsam in den Bug schleicht. Es sieht so aus, als habe er ein gutes Bett gerochen.

"Was denkst du, wo du hingehst, Mr. Navigator", denke ich.

Aber ich sage nur: "Gute Nacht, Capey"

Das ist wie das Phänomen mit der Katze, die immer dann auf der Zeitung sitzt, wenn man sie gerade lesen will, und die einem einen Blick zuwirft, der sagen will: "Keine Chance, mich hier wegzubekommen."

Das ist der Blick, den Capey mit zuwirft, als er es sich auf meinem Bett bequem macht. Capey, die Katze. "Jetzt heb deinen A...sch hoch, Mr. Capey! Ich habe dich in den vergangenen zwei Wochen nicht ein Mal im Bug gesehen! Zurück an deinen Navigationsschirm!"

Diese Worte gehen mit durch den Kopf, als ich mich stammeln höre: "D..D..Denkst du, ich könnte mir meine Kopfhörer mal eben holen? Sie sollten da irgendwo sein."

Der Schalfplatz auf dem Tank fühlt sich so schlecht an wie immer, aber das sanfte Schnurren unseres Navigators gibt mir ein warmes Gefühl. Soll er sich ausschlafen, wir brauchen ihn noch..."

Beim aktuellen Positionsreport hatten die Boote mit acht bis neun Knoten wieder etwas mehr Fahrt aufgenommen.

  Die Positionen am heutigen MorgenFoto: Volvo Ocean Race
Die Positionen am heutigen Morgen

Meistgelesene Artikel