Volvo Ocean RaceMehr Teams, mehr Action – weniger Kosten

Andreas Fritsch

 · 11.10.2009

Die neuen Regeln des Volvo Ocean Race sollen die Kostenexplosion der letzten Jahre stoppen und größere Starterfelder garantieren

"Ich glaube, wir kommen mit den richtigen Änderungen zum richtigen Zeitpunkt: Diese Regeln senken die Kosten, um ein Volvo Race zu gewinnen; die Teilnahme wird so für viel mehr Teams attraktiv (...) Zugleich stellen wir weiterhin sicher, dass die Volvo 70s die schnellsten und spektakulärsten Monohulls der Welt bleiben."

Volvo-Ocean-Race-Manager Knud Frostad zeigte sich anlässlich der Präsentation der geänderten Regeln für die nächste Auflage des Rennens optimistisch, dass der Event der Wirtschaftskrise trotzen wird.
Tatsächlich scheinen die teils sehr umfangreich bearbeiteten Rahmenbedingungen zu zeigen, dass man willens scheint, vor allem auf die Kostenbremse zu treten. Angesichts Budgets von 10 bis über 30 Millionen Euro für ein Team sicherlich keine falsche Entscheidung. Doch mit den neuen Regeln wurden nicht nur technische Parameter verändert, auch im Format der Veranstaltung an sich gab es viel Neues.

So soll es künftig in jedem Stopp-Hafen nun ein In-Port-Rennen geben, für das außerdem keine Crew-Umbesetzungen und technische Änderungen am Boot mehr möglich sind. Darüber hinaus wird das Wertungs-System verändert. Durch eine neue Gewichtung der Punktevergabe werden die Etappensiege stärker aufgewertet, dafür die Scoring-Gates und In-Port-Rennen in ihrem Stellenwert etwas reduziert. Starthafen wird für die nächsten drei Auflagen des Volvo Race wie zuletzt Alicante in Spanien sein. Die sonstige Route und Zielhäfen sollen erst im März 2010 bekanntgegeben werden.

Das Kernstück der neuen Regel ist aber die Begrenzung des technischen Aufwands, den Teams betreiben dürfen, um das Rennen zu gewinnen. Die wichtigsten Änderungen dafür:

— Jedes Team darf nur noch ein neues Boot bauen. Zwei-Boot-Kampagnen wie die von Ericsson und Telefonica zuletzt sind zwar noch möglich, aber das "A-Team" darf nicht mehr nach Tests das zweit-gebaute, weiterentwickelte Boot nutzen.

— Neubauten dürfen nicht mehr durch Vergleichsfahrten optimiert werden. Boote der letzten Generation dürfen dafür genutzt werden, doch die letzten acht Monate vor dem Start nur, wenn sie auch am Rennen teilnehmen. Andernfalls wird die Zahl der zulässigen Trainings-Tage auf 110 für das Jahr 2010 begrenzt.

— Es darf nur noch einmal der Kiel und die Finne geändert werden, genauso darf nur ein Ersatzrigg und Baum vorgehalten werden. Ruder und Schwerter dürfen zweimal modifiziert/ersetzt werden.

— Die Zahl der Segel wird von 15 vor dem Rennen und 17 während des Rennens reduziert (zuvor 24).

Die Marschroute ist klar: Der große Vorsprung, den gut finanzierte Zwei-Boot-Kampagnen in den letzten beiden Auflagen des Rennens durch den enormen technischen Forschungs- und Entwicklungsaufwand hatten, soll verkleinert werden. So sollen auch Teams, die spät einen Sponsor gefunden haben, wie zuletzt Green Dragon, noch einigermaßen konkurrenzfähig sein können. Die Veranstalter hoffen so endlich wieder auf ein zweistelliges Starterfeld beim Volvo Ocean Race.

Artikel teilen:
Andreas Fritsch

Andreas Fritsch

Freier Autor

Andreas Fritsch segelte seit Kindesbeinen an, erst mit der Jolle, später mit eigenen Kielschiffen auf der Elbe und der Ostsee. Ab 1997 arbeitete er für die YACHT, ab 2001 schwerpunktmäßig im Bereich Reise und Charter. Er war in fast allen Revieren weltweit unterwegs und gilt als Charter-Experte. Er hat zwei Revierführer für das Mittelmeer geschrieben. Seit einigen Jahren segelt er mit einem GFK-Klassiker vom Typ Grinde auf der Ostsee und arbeitet aktuell als Freier Autor für YACHT und BOOTE.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta