The Ocean Race

Volvo Ocean Race: Kaputtes AIS-System, als John Fisher über Bord ging

Tatjana Pokorny

 · 19.04.2018

Volvo Ocean Race: Kaputtes AIS-System, als John Fisher über Bord gingFoto: Konrad Frost/VOR

Die New York Times hat in einem Report über das tödliche Unglück im Volvo Ocean Race neue Fakten zu Hergang und Hintergründen veröffentlicht

Die New York Times berichtet in einem Report über den Tod von John Fisher, dass das AIS-System (Automatisches Identifikations-System) des Bootes nicht funktionierte, als der Segler vom Team Sun Hung Kai / Scallywag im Southern Ocean über Bord gegangen war. Außerdem hätte der nicht namentlich genannte Steuermann nach dem Unglücks zwar wiederholt "Mann über Bord" gerufen und den roten "Mann-über-Bord"-Knopf am Steuerrad gedrückt, dies aber nicht die notwendigen vier Sekunden lang, um die Unglücksstelle auch tatsächlich aufzuzeichnen.

  John Fisher vom Team Sun Hugn Kai / Scallywag in harschen Bedingungen am GrinderFoto: VOR/Konrad Frost
John Fisher vom Team Sun Hugn Kai / Scallywag in harschen Bedingungen am Grinder

Damit sind nun zwei weitere Gründe bekannt geworden, die mit dazu geführt haben dürften, dass die Mannschaft in stürmischen Winden um 45 Knoten Wind und haushohen Wellen weder ihren über Bord gegangenen Segelkameraden noch die hinterhergeworfene Markierungboje oder den Rettungsring finden konnten.

  Sung Hung Kai / Scallywags Skipper David WittFoto: Scallywag
Sung Hung Kai / Scallywags Skipper David Witt

Die einzige Antenne für das AIS-System an Bord der VO65-Yacht war – oben im rund 30 Meter hohen Mast befestigt – bereits am zweiten Tag nach dem Start der berüchtigten Königsetappe von Auckland rund Kap Hoorn ins brasilianische Itajaí in schwerem Wetter gebrochen und danach für David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag nicht mehr nutzbar. In einem Interview, so die New York Times, habe Witt gesagt: "Wenn wir unser AIS gehabt hätten, dann hätten wir ihn gefunden."

So aber blieb die schnell eingeleitete Such- und Rettungsaktion des Teams trotz ausgearbeitetem und durchgeführtem Suchraster erfolglos und musste in erbarmungslosen Bedingungen gegen Wind und Wellen nach rund viereinhalb Stunden bei zunehmender Gefahr für Team und Boot aufgegeben werden. Eine zweite Ersatzantenne für die AIS-Systeme an Bord der Yachten dürfte künftig ganz oben auf der Verbesserungsliste für kommende Auflagen des Volvo Ocean Race stehen, könnte sogar noch während der laufenden Auflage zur Pflichtausrüstung werden. Darüber wollen die Sicherheitsexperten der Veranstalter beraten.

  Verschollen auf See am 26. März 2018: der britische Segler John Fisher, Crew-Mitglied im Team Sun Hung Kai ScallywagFoto: Ainhoha Sanchez/VOR
Verschollen auf See am 26. März 2018: der britische Segler John Fisher, Crew-Mitglied im Team Sun Hung Kai Scallywag

Bereits wenige Tage nach dem tragischen Unglück am 26. März hatte das Team Sun Hung Kai / Scallywag in einem ersten Statement geschrieben, dass die Crew davon ausgeht, dass John Fisher bereits bewusstlos war, als er über Bord ging. Das Boot hatte in einem Wellental eine Patenthalse absolviert, das heftig umschlagende Großsegel den in diesen Sekunden nicht per Lifebelt mit dem Schiff verbundenen 47-jährigen Segler von Bord gefegt – eine Verkettung unglücklicher Umstände. Fishers Tod hatte weltweite Bestürzung und eine neue Sicherheitsdebatte ausgelöst.

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