Volvo Ocean RaceJedes kleine bisschen hilft

Lars Bolle

 · 23.11.2014

Volvo Ocean Race: Jedes kleine bisschen hilftFoto: Yann Riou/Dongfeng Race Team/Volvo Ocean Race
Foto vom Dongfeng Race Team, Mapfre liegt voraus
Die Teams bekommen die Auswirkungen des Wechsels auf eine Einheitsklasse zu spüren. Einige im Feld liegen in Sichtweite zueinander

Der frühe Ausbruch von Abu Dhabi Ocean Racing nach Norden hatte sich zunächst ausgezahlt und das Team gestern kurzzeitig an die Spitze gebracht. Skipper Ian Walker führte die bessere Geschwindigkeit auf einen Wirbel im Agulhas-Strom zurück, der das Emirate-Boot schneller angeschoben habe als die anderen. Doch dann tauchte Abu Dhabi zuerst in die Zone mit schwächerem Wind ein – die weiter östlich positionierte Flotte schloss auf und passierte.

Beim aktuellen Positionsreport heute Mittag lagen nicht einmal 20 Seemeilen zwischen den ersten sechs Teams, nur SCA hatte schon über 30 Seemeilen Rückstand. Abu Dhabi segelte einen etwas östlicheren Kurs als der Rest, vermutlich, um den Querabstand weiter zu reduzieren und damit das Risiko zu minimieren, dass das Feld mit dem vorhergesagten von Osten auffrischenden Wind enteilt.

  Positionen und Abstände heute MittagFoto: Volvo Ocean Race Positionen und Abstände heute Mittag

Am spannendsten ist das Race derzeit für die Teams Mapfre und Dongfeng. Sie segeln seit zwei Tagen im Abstand von nur wenigen hundert Metern. "Wir können ihren Gesichtsausdruck erkennen", schreibt Mapfre-Reporter Francisco Vignale.

Spätestens jetzt scheinen die meisten zu realisieren, was es bedeutet, auf Einheitsyachten anzutreten. "Die Einheitsklasse macht das Race aufregender als jemals zuvor", schreibt Brunels Reporter Stefan Coppers. "Wir können Mapfre und Dongfeng am Horizont sehen. Schon kleine Dinge zu verbessern kann einen entscheidenden Unterschied ausmachen. Unser Gerd-Jan Poortman hat da einen eigenen kleinen Trick. Er zieht Pilotleinen statt der Fallen in den Mast. Sie sind dünner und aerodynamischer, vor allem aber wiegen sie deutlich weniger als die schweren Fallen, was sich besonders auswirkt, wenn das Boot stark krängt. Zusätzlich können die herausgezogenen Fallen in Luv gestaut werden und so als Ballast dienen. Jedes kleine bisschen hilft."

Segelreparatur bei Abu Dhabi Ocean Racing – im Mast gefilmt!

Auch bei Abu Dhabi Ocean Racing ist man sich des geänderten Charakters des Rennens bewusst. "Der kleine Vorsprung, den die größere Erfahrung vielleicht ausmachte, schmilzt mit jeder Sekunde", schreibt Reporter Matt Knighton. "Kleine Geschwindigkeitsvorteile werden wichtiger, ein gutes Wetterrouting und eine ordentliche Portion Glück, um hier als Erster rauszukommen."

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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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