Volvo Ocean RaceIm Bruder-Schwester-Duell um die Welt

Tatjana Pokorny

 · 11.11.2014

Volvo Ocean Race: Im Bruder-Schwester-Duell um die WeltFoto: Vignale/Mapfre/VOR
VOR 2014/2015 Etappe 1 Mapfre

Auf Etappe 1 war Libby Greenhalgh mit den SCA-Frauen erfolgreicher als das neue Team ihres Bruders Rob. Kann "Big Brother" Mapfre beflügeln?

  Mapfres Neuzugang Rob GreenhalghFoto: Roman/VOR
Mapfres Neuzugang Rob Greenhalgh

Wer einen Mann vom Schlage Michel Desjoyeaux ersetzen soll, der muss etwas können. Rob Greenhalgh ist der Steuermann und starke Allrounder, den Team Mapfre für das Comeback nach dem letzten Platz auf Etappe eins für den ausgebooteten französischen Super-Solosegler geholt hat. Das gab das spanische Team von Skipper Iker Martinez am Mittwoch bekannt.

Die zweite Neuverpflichtung ist nach dem Austausch des bisherigen Navigators Nico Lunven gegen Jean-Luc Nélias doppelt interessant. Rob Greenhalgh hat gleich zwei große Aufgaben zu lösen: Er muss mit Team Mapfre erfolgreicher sein, als es die Männer auf Etappe eins mit dem siebten und letzten Platz waren. Das scheint auf den ersten Blick keine große Kunst zu sein. Greenhalgh muss und will aber auch seine Schwester Libby Greenhalgh und deren Frauen-Team SCA besiegen. Er sagt, dass er sich auf das Duell freut. Sie auch. Sie habe ihm im Telefonat zur Annahme des Angebots geraten.

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  Bruder Rob im Blick: SCA-Navigatorin Libby GreenhalghFoto: Halloran/VOR
Bruder Rob im Blick: SCA-Navigatorin Libby Greenhalgh

Ab 19. November gilt es also: Welches Greenhalgh-Familienmitglied wird auf der zweiten Etappe mehr glänzen? Der mit allen Wassern gewaschene Rob oder die ehrgeizige SCA-Navigatorin Libby? Auf dem Papier ist es eine klare Angelegenheit für den älteren "Big Brother" Rob, der das Volvo Ocean Race 2005/2006 mit ABN Amro One unter dem Kommando des fünfmaligen olympischen Medaillengewinners Torben Grael gewann. 2008/2009 ersegelte Rob Greenhalgh mit Puma und als Crew-Kamerad des Kielers Michael Müller Platz zwei, 2011/2012 erreichte er mit den aktuellen Spitzenreitern von Abu Dhabi Ocean Racing Platz fünf.

Libby und Rob Greenhalgh sind die ersten Geschwister in einem Rennen, seit die Holländer Tanya ("Maiden" mit Tracy Edwards) und Edwin ("Equity & Law) Visser 1989/1990 gegeneinander antraten. Damals war der Bruder (14.) nur wenig erfolgreicher als die Schwester (18.). Mapfres Skipper Iker Martinez kommentierte seinen Neuzugang hoffnungsfroh: "Wir haben nach einem sehr, sehr erfahrenen Steuermann gesucht, der diese Boote und diese Segel kennt. Robs Erfahrungshorizont ist mit einem Sieg und einem Podiumsplatz in diesem Rennen fantastisch. Und er ist bekannt für seine Qualitäten als Wachführer, seine Fähigkeit, schnell zu steuern. Auch physisch ist er sehr stark."

Es ist nicht ohne Ironie, dass es ausgerechnet Libby Greenhalgh war, die der ohnehin schon abgeschlagen auf Platz sechs segelnden "Mapfre"-Crew kurz vor Kapstadt den letzten "Dolchstoß" versetzt hatte, als sie das Frauen-Team einen anderen Kurs steuern ließ als die am Morgen vor dem Zieldurchgang noch neun Seemeilen vor ihnen liegenden Spanier. Mit diesem Coup gelang es den Frauen, die rote Laterne des Schlusslichts im letzten Moment doch noch an Martinez’ Männer weiterzureichen, die zu Füßen des Tafelbergs in einem Windloch steckengeblieben waren.

Libby nennt es eine "Extra-Portion Würze", wenn sie auf den Einsatz ihres Bruders angesprochen wird. Und sie zögert auf die Frage nach ihren Ambitionen keine Sekunde: "Natürlich will ich ihn schlagen!" Rob Greenhalgh drückt sich diplomatischer aus: "Wir segeln nicht zum ersten Mal gegeneinander. Ich freue mich darauf." Dann allerdings tritt Greenhalgh das verbale Gaspedal doch etwas mehr durch: "Ich weiß, dass die erste Etappe für Mapfre nicht so gut gelaufen ist. Ich glaube aber immer noch, dass wir eine gute Chance haben, das gesamte Rennen zu gewinnen."

Der Meeres-Marathon hat mit diesem Bruder-Schwester-Duell um die Welt einen weiteren Spannungsbogen erhalten. Die zweite Etappe von Kapstadt nach Abu Dhabi startet am 19. November. Eine erste Zwischenbilanz ihres Familienduells können die Greenhalghs noch vor Weihnachten ziehen.

Hier sehen Sie noch einmal die Höhepunkte aus Etappe eins mit der Glanzleistung der SCA-Frauen:

  Vielleicht klebt sich Libby Greenhalgh als Extra-Motivation dieses Bild in die Navigationsecke: Es zeigt den Triumph über Mapfre im Schlusssprint der ersten EtappeFoto: VOR
Vielleicht klebt sich Libby Greenhalgh als Extra-Motivation dieses Bild in die Navigationsecke: Es zeigt den Triumph über Mapfre im Schlusssprint der ersten Etappe

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