Volvo Ocean RaceHarte erste Tage – und wichtige Weichenstellungen voraus

Lars Bolle

 · 07.11.2017

Volvo Ocean Race: Harte erste Tage – und wichtige Weichenstellungen vorausFoto: Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

Noch sind die Doldrums zwar rund 1300 Seemeilen entfernt, die Entscheidung über deren Passage fällt jedoch sehr bald

Der kürzeste weg führt direkt nach Süden, da dieses Mal der Wegepunkt Fernando de Noronha, eine kleine Inselgruppe vor Brasiliens Küste, entfällt. In den ersten Tagen ging es darum, den Passatwind mit 20 bis 40 Knoten, der von Ost nach West weht, so gut wie möglich zu nutzen, zugleich aber so viel Weg wie möglich nach Süden gut zu machen. Daraus resultierte eine Halsen-Party. Alle Teams versuchten, die Winddreher von bis zu 40 Grad bestmöglich zu nutzen.

"Wir müssen jede kleinste Drehung mitnehmen und dabei ständig umstauen, die Segel immer wieder auf die Luvseite schleppen", berichtet Antonio Cuervas-Mons vom Team Mapfre. "Das ist sehr ärgerlich, weil es schwer ist, wenn an allen Stellen Wasser überkommt. Aber bald wird der Wind abnehmen, und alles wird ruhiger."

Besonders die ersten 24 Stunden hatte es mit Bootsgeschwindigkeiten von bis zu 30 Knoten in sich. Sam Greenfield, Reporter beim Team Turn the Tide on Plastic, beschreibt es so:

"Auf den drei Etappen, die ich im vergangenen Race dabei war, hatten wir nicht annähernd solche Bedingungen. 30 Knoten Speed, so viel Krach, so nass! Habe ein paar verrückte Sachen gesehen. Eine Welle spülte Bianca (Crewmitglied; d. Red.) ins Cockpit, sie war angeleint. Es kam so viel Wasser über, dass ihre Rettungsweste explodierte. Sie war auf dem Rücken gefangen, wurde von ihrem Gurt gehalten, während Hunderte Gallonen Wasser sich über ihr Gesicht ergossen. Es war gruselig mit anzusehen." Die Szene wurde im Video festgehalten.

Nach der eher kleinräumigen taktischen Segelei stehen jetzt größere strategische Entscheidungen an. Der kürzeste Weg nach Süden birgt auch die größten Risiken in Form von Flauten. Die Doldrums, ein Schwachwindgürtel in der Nähe des Äquators, sind östlich meist ausgeprägter als westlich.

  Die Flotte westlich der Kanaren. Im Süden sind deutlich die Doldrums zu erkennenFoto: Volvo Ocean Race
Die Flotte westlich der Kanaren. Im Süden sind deutlich die Doldrums zu erkennen

Die Flotte lag heute Vormittag querab der Kanaren und segelte in ein Windgebiet mit bis zu 20 Knoten Richtung Süden, das sie schnell in ein Schwachwindgebiet nördlich der Doldrums transportieren wird, bevor es dann ganz flau wird.

Dort könnten die Teams dann eine Option wahrnehmen, den sogenannten Stealth Mode, der einmal pro Etappe genutzt werden kann (bis 200 Seemeilen vor dem Ziel). Nur viel Mal am Tag erhalten alle Teilnehmer und die Zuschauer Positionsreports, und zwar um 0100, 0700,1300 und 1900 UTC. Geht ein Team in den Stealth Mode, wird es für drei aufeinander folgende Positionsreports unsichtbar, insgesamt also für 24 Stunden. Gerade in einer so wichtigen Phase wie dem Eintritt in die Doldrums könnte das wertvolle Vorteile bringen.

  Die Positionen heute VormittagFoto: Volvo Ocean Race
Die Positionen heute Vormittag

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