Gestern Nachmittag, etwa 60 Meilen südlich des argentinischen Hafens Punta del Este, brach auf Groupama der Mast auf Höhe der ersten Saling. „Wir haben eben unser Rigg verloren”, meldete ein geschockter Skipper Franck Cammas an die Wettfahrtleitung. „Die Mannschaft ist wohlauf, und wir versuchen, den Mast im Boot zu stabilisieren.” Danach suspendierte Groupama die Wettsegelei und beratschlagte mit der Bodenstation, ob Punta del Este unter Maschine angelaufen werden soll oder ob man die verbleibenden 670 Meilen bis ins Etappenziel nach Itajai unter Notrigg segeln könnte, um Platz 3 zu retten. Der Ersatzmast muss von Holland eingeflogen werden. Abu Dhabi hat unterdessen das Teilstück offiziell aufgegeben und wird per Frachter nach Brasilien weiterreisen, weil das Boot vor Ort nicht ausreichend repariert werden kann.
Ausgerechnet die Franzosen musste es erwischen, das Team, das sich im Aufwind befand, auf dieser Etappe in Führung lag und in der Gesamtwertung Telefonica im Visier hatte. Somit verbleiben tatsächlich nur noch Puma und die weiter östlich segelnden und rasch aufkommenden Spanier, die ihren kurzen Stopp am Horn blendend überwunden haben. Das bedeutet eine Ausfallquote von 80 Prozent. Sanya ist schon per Schiff in die USA unterwegs und überspringt nicht nur diese, sondern auch die nächste Etappe. Camper hat in Puerto Montt mit der Reparatur begonnen und will das Teilstück aus eigener Kraft fertigsegeln, während Abu Dhabi nun schon zum zweiten Mal eine Etappe in den Wind schreiben muss.
Endlich äußert sich auch Rennchef Knut Frostad. „So viele Ausfälle sind bei einem derartigen Rennen nicht akzeptabel”, sagte der Norweger, der selbst viermal an dieser Veranstaltung teilgenommen hat. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Boote Schaden nehmen, und sowohl die Segler als auch die Serviceteams an Land sind es gewohnt, sich damit auseinanderzusetzen. Doch diese (Probleme) sind deutlich größer als in der Vergangenheit”. Klar, ein Rennen, bei dem nur noch zwei von sechs Booten segeln und nur eines davon (Puma) auf dieser Etappe keinen Boxenstopp einlegen musste, ist nicht das, was man Publikum und Sponsoren versprochen hat.
De facto zeigen die Vorfälle jedoch, dass diese Schiffe auch nach den Regelmodifikationen nicht stabil genug sind. „Wir werden die Umstände berücksichtigen, wenn wir entscheiden, welche Regeln und welche Boote wir in Zukunft verwenden werden”, so Frostad. Es scheint sich also zu bewahrheiten, was in der Szene hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird, nämlich, dass es beim Volvo Ocean Race schon bald zu einem Bootswechsel kommen könnte. Vielleicht sogar eine Einheitsklasse?