Die Fußballer vom FC Barcelona haben Andres Iniesta und Lionel Messi, die Segler von Telefonica haben Iker Martinez und Andrew Cape. Beides sind spanische Teams mit starker internationaler Note, und beide sind derzeit das Maß der Dinge in ihrem Sport. Nach 12 Tagen und 19 Stunden holte sich die clevere Crew des hellblauen Bootes den zweiten und weitaus lukrativeren Teil der dritten Etappe des Volvo Ocean Race, die über etwa 3.050 Meilen von den Malediven nach Sanya in China führte und baute damit ihre Führung auf Camper in der Gesamtwertung auf 15 Punkte aus. Telefonica, die am Anfang durch einen Riss im Code Zero behindert waren, konnten den Schaden schnell beheben und gingen noch vor der Einfahrt zur Straße von Malakka in Führung. Diese gaben sie bis ins Ziel nicht mehr aus der Hand, auch wenn die Positionsverfolgung rechnerisch zwischendurch kurz mal Groupama vorn hatte.
Starken Anteil an der souveränen Vorstellung der rundum soliden Telefonica-Truppe hat der australische Navigator Cape. „Es war eine der schwierigsten Etappen, die ich je zu segeln hatte”, gab der alte Fuchs zu Protokoll. „Körperlich war’s zwar weniger hart als eine lange Etappe im Südlichen Ozean, doch mental war es sehr anstrengend. Ich bin jedenfalls fertig und will jetzt erst mal ein Bier.”
Die Franzosen von Groupama forderten die Spanier nach Kräften, konnten sie in der Straße von Malakka sogar in ein kurzes Luvmatch verwickeln, doch am Schluss reichte es für Franck Cammas und Kollegen „nur” zu Platz 2. Der Rückstand betrug 1 Stunde und 47 Minuten. „Wir waren dauernd am Manövrieren”, erzählte Cammas. „In den letzten 48 Stunden fuhren wir 24 Wenden, und jede einzelne ist auf einem Volvo Open 70 sehr mühsam.” Doch Cammas, der Telefonica bei den herrschenden Bedingungen für das schnellere Boot hält, äußerte sich auch zufrieden über die Steigerung seines Teams. „Wir haben einiges am Trimm von Groupama verbessert, das war also gut für uns."
Die neuseeländische Camper komplettierte das Podium im chinesischen Etappenziel und hält weiterhin den zweiten Platz im Gesamtklassement, allerdings nur noch neun Zähler vor Groupama. „Wir sind aus der Straße von Singapur als Fünfte raus und dürfen froh sein, dass es zum dritten Platz gereicht hat, auch wenn wir uns mehr erhofft hatten”, fasste Skipper Chris Nicholson das Geschehen zusammen.
Die tragischen Helden waren wiedermal Puma, die sich erst in einem Fischnetz verfingen und dann den möglichen Podiumsplatz mit einem riskanten Holeschlag vergeigten, der nichts brachte außer einen Umweg. „Es hat nicht funktioniert, und ich stehe dafür gerade. Am Ende war’s meine Entscheidung”, sagte ein enttäuschter Skipper Ken Read. Was er nicht ansprach: Telefonica, Groupama und Camper segeln flott und solide, weshalb sich Puma gezwungen sieht, höheres taktisches Risiko zu gehen, um damit zum Erfolg zu kommen. Eine Rechnung, die bisher nicht aufging. Da hilft es auch wenig, dass Puma auf der dritten Etappe mit 355,89 Meilen von allen Booten das beste 24-Stunden-Etmal erzielte.
Zieleinlauf in Sanya
Am Schluss des Klassements gibt's wenig Neues: Abu Dhabi segelt zwar tapfer, hat aber mit dem Farr-Schiff offenbar Speed-Probleme, und für Team Sanya werden die Trauben mit dem reparierten Boot der letzten Generation weiterhin sehr hoch hängen. Doch immerhin sind sie gestern nach etwas mehr als 14 Tagen auf See in ihrem „Heimathafen” als Sechste (und Letzte) eingelaufen und wurden dabei von einer großen Menschenmenge feierlich empfangen.
Weiter geht die Show in Sanya am Freitag, 17. 2., mit dem Pro-Am Race, gefolgt vom In-Port Race am Samstag und am Sonntag, den 19. 2., vom Start zur vierten Etappe, die über 5.220 Meilen nach Auckland/Neuseeland führt.
Zwischenstand
Dieser Artikel erschien am 5. Februar und wurde aktualisiert.
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