Volvo Ocean RaceFührungswechsel: Brunel an der Spitze

Lars Bolle

 · 06.12.2014

Volvo Ocean Race: Führungswechsel: Brunel an der SpitzeFoto: Stefan Coppers/Team Brunel/Volvo Ocean Race
Matchrace auf dem Ozean: Team Dongfeng in Luv von Brunel
In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat der bisher Führende Abu Dhabi Ocean Racing drei Plätze verloren. Die Etappe wird zu einem Dreikampf

Das Feld war am Sonntagmittag in zwei Lager aufgeteilt. Bei mittlerem Wind um zehn Knoten aus nordöstlichen Richtungen segelten Team Brunel, Dongfeng Race Team und Abu Dhabi Ocean Racing mit zehn bis zwölf Knoten Speed in die Arabische See. Dabei hatten Brunel und Dongfeng einen etwas östlicheren Kurs als Abu Dhabi gewählt, was sich auszahlte. In der Nacht segelten beide an dem Team vorbei, das unbedingt als erstes in seinem Heimathafen Abu Dhabi ankommen will. Doch noch ist nichts verloren, im Gegenteil. Der Abstand betrug am Mittag zwischen Dongfeng und Brunel gerade einmal drei Seemeilen. Beide liefern sich seit Tagen ein unglaublich enges Match in Sichtweite. Am Samstag hatte sich zuerst Dongfeng an die Spitze gesetzt. Brunel-Reporter Stefan Coppers schildert diese Rennphase sehr lustig:

"Seite an Seite mit Dongfeng, 24 Stunden am Tag. Wir können ihr Dinner riechen! 'Die sind wie klebriger Reis', sagt Louis Balcaen, 'wir werden die nie los.' Als sie einmal ein falsches Manöver fuhren, hörten wir französische Schimpfwörter wie Merde und Putin! Unsere Jungs sangen 'everybody is kung-fu fighting' mit einem Grinsen in ihren Gesichtern."

Doch das sollte sich rächen. Coppers:

"In der Ferne war eine schwarze Wolke auszumachen. Wir segelten mit 15 Knoten auf dem Speedo und dem großen Toppgennaker. Das chinesische Boot segelte nur 300 Meter in Lee, und sie wechselten ihr Toppvorsegel gegen ein kleineres. Eine gute Entscheidung, wie sich zeigen sollte.

Nicht nur Regen kam aus der Wolke, auch 30 Knoten Wind. Die Kielbombe kam aus dem Wasser, der Masttoppgennaker schöpfte eine Menge Wasser, und die Brunel-Jungs versuchten sich an irgendetwas festzuhalten, das sie gerade greifen konnten. Einige von ihnen waren etwas zu spät aus den Kojen geholt worden und noch schläfrig an den Grindern. Sie erledigten den Segelwechsel in Boxershorts. Triefend nass mussten sie mitansehen, wie Dongfeng überholte und ohne Probleme segelte. In zwei Minuten holten sie eine Seemeile heraus. Ich rieb mir die Augen.

Sah ich richtig? Am Heck von Dongfeng sangen ein paar Jungs holländische Lieder und lächelten euphorisch. Aber wer zuletzt lacht, lacht am besten!"

  Die Positionen am SonntagmittagFoto: Volvo Ocean Race Die Positionen am Sonntagmittag

Momentan lacht die Brunel-Crew, denn sie konnte sich wieder vor Dongfeng setzen. Abu Dhabi Ocean Racing hatte zwischenzeitlich schon über zwölf Seemeilen zurückgelegen, aber immer wieder aufgeholt, zuletzt sogar fünf Seemeilen in nur drei Stunden, woraufhin sie nur noch knapp fünf Seemeilen zurücklagen.

Zwischen diesen drei Teams scheint die Entscheidung auf dieser Etappe zu fallen, auf der noch rund 1300 Seemeilen zu segeln sind. Mapfre, Alvimedica und SCA sind so weit abgeschlagen wie noch nie seit Rennstart; der Rückstand von Mapfre betrug zuletzt über 180 Seemeilen und der von SCA über 260. Zudem hatten sie noch nicht die frischeren Winde des Führungstrios erreicht und alle drei Meilen verloren. Einzig Mapfre scheint noch Chancen zu haben, den Anschluss zu schaffen.

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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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