Volvo Ocean RaceDongfeng macht Druck, Dee Caffari wählt die Tarnkappe

Tatjana Pokorny

 · 09.11.2017

Volvo Ocean Race: Dongfeng macht Druck, Dee Caffari wählt die TarnkappeFoto: Dongfeng Race Team
Etappe 2
Während die Spitzenreiter auf Höhe der Kapverden um Positionen rangeln, sind die Schlusslichter auf "Turn the Tide on Plastic" in den "Stealth"-Modus gewechselt

Gegen den Frust und für eine getarnte Attacke? Dee Caffaris Team auf "Turn the Tide on Plastic" ist als erstes Boot der Flotte auf Etappe 2 in den sogenannten "Stealth"-Modus gewechselt, kann über 24 Stunden von den Gegnern nicht mehr in Positionierung oder Zwischenstand gesehen werden. Diese Maßnahme mag zum einen gegen die frustrierende Erkenntnis wirken, der Flotte als letztes Boot hinterherzusegeln, dient aber vor allem der Tarnung von Kurswechseln und der Positionierung zur Flotte. Man darf also gespannt sein, wo die Mannschaft steht, wenn sie wieder sichtbar wird.

Dee Caffari erklärte in einer Nachricht von Bord: "Wir haben uns also entschieden, unsere auf dieser Etappe erlaubte 'Stealth-Mode'-Phase einzuläuten. Jedem Boot ist das einmal auf jeder Etappe für 24 Stunden erlaubt. Es mögen dafür noch andere Gelegenheiten kommen, zu denen das sinnvoll wäre. Aber wir können nicht in die Zukunft schauen und wollen die Möglichkeit jetzt nutzen. Ich weiß, dass dieses Konzept dafür entstanden ist, uns zu großen Entscheidungen und Kursänderungen zu ermutigen... Wir werden sehen und in der Zwischenzeit versuchen, schnell zu segeln und den Rückstand auf die Flotte zu verkürzen."

  Die Reaktion von Wachführerin und Steuerfrau Liz Wardley auf einen der frustrierenden Zwischenstände, die ihr Team auf der letzten Position vermeldeteFoto: Turn the Tide on Plastic Die Reaktion von Wachführerin und Steuerfrau Liz Wardley auf einen der frustrierenden Zwischenstände, die ihr Team auf der letzten Position vermeldete  Hier gut sichtbar, doch bis heute Abend noch in "Stealth"-Modus unterwegs und in den Zwischenständen nicht zu erkennen: "Turn the Tide on Plastic" auf Etappe 2Foto: Turn the Tide on Plastic Hier gut sichtbar, doch bis heute Abend noch in "Stealth"-Modus unterwegs und in den Zwischenständen nicht zu erkennen: "Turn the Tide on Plastic" auf Etappe 2

Solange Dee Caffairs Team nun für insgesamt 24 Stunden "unsichtbar" ist und erstmals im Positionsreport am Freitagabend wieder zu sehen sein wird, hängt die offizielle Laterne des Schlusslichts zunächst im Heck von Sun Hugn Kai / Scallywag. David Witts Team unter der Flagge Hongkongs lag am Freitagvormittag rund 60 Seemeilen hinter Charles Caudreliers weiter souverän führendem Dongfeng Race Team. Auf Platz fünf hatte Bouwe Bekkings Team Brunel den zwischenzeitlich großen Abstand seiner Mannschaft auf 21,5 Seemeilen hinter den Spitzenreitern verkürzen können, segelt nun aber in der gleichen Spur wie die führenden Boote und hat vor möglichen weiteren Kursänderungen aktuell kaum Möglichkeiten, den Rückstand noch einmal drastisch zu verkürzen.

Die erste Etappe hat der Flotte eine ganze Reihe Herausforderungen entgegen geschleudert. Wie die Teams ihre Prüfungen bestanden und wo sie aktuell stehen

  Brunels Boss Bouwe Bekking steuert, die für das Segelinventar der Yacht verantwortliche Annie Lush ist an seiner SeiteFoto: Team Brunel Brunels Boss Bouwe Bekking steuert, die für das Segelinventar der Yacht verantwortliche Annie Lush ist an seiner Seite  Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier und Carolijn Brouwer beraten sichFoto: Dongfeng Race Team Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier und Carolijn Brouwer beraten sich  Schlafen im Volvo Ocean Race ist meist nur ein kurzes und beengtes Vergnügen. Die meisten Seglerinnen und Segler können aber unter allen Umständen und sofort schlafen, weil sie so müde in die Koje kriechen. Auf Kurs Äquator wird es unter Deck nun aber zunehmend heiß und schwül – eine weitere BelastungFoto: Dongfeng Race Team Schlafen im Volvo Ocean Race ist meist nur ein kurzes und beengtes Vergnügen. Die meisten Seglerinnen und Segler können aber unter allen Umständen und sofort schlafen, weil sie so müde in die Koje kriechen. Auf Kurs Äquator wird es unter Deck nun aber zunehmend heiß und schwül – eine weitere Belastung

Etwa auf der Höhe der Kapverden ist die Flotte derzeit mit Geschwindigkeiten zwischen 11,9 Knoten (Sun Hung Kai / Scallwag) und 16 Knoten (Mapfre auf Platz zwei) gen Süden in Richtung Äquator unterwegs. Rund 4150 Seemeilen hatten die Top-Boote zu diesem Zeitpunkt noch bis in den Zielhafen Kapstadt zu absolvieren, wo sie zu Beginn der letzten November-Woche erwartet werden. Es ist damit zu rechnen, dass bald schon weitere Teams in den "Tarnkappen-Modus" wechseln werden, denn dieser Joker wird oft in den Doldrums gezogen, um dort große Gewinne oder Verluste vor der Konkurrenz zu verbergen.

  Naturschauspiel auf Kurs ÄquatorFoto: Dongfeng Race Team Naturschauspiel auf Kurs Äquator
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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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