Volvo Ocean RaceDie Qualen mit dem Seegras der Sargassosee

Tatjana Pokorny

 · 30.04.2018

The Ocean Race-Special wird präsentiert von
Volvo Ocean Race: Die Qualen mit dem Seegras der SargassoseeFoto: Brian Carlin/Volvo Ocean Race
Etappe 8, Tag 9

Beim Wettrennen in Richtung Passatwinde haben die Teams nach der Äquator-Passage mit reichlich Seegras zu kämpfen. Team Brunel führt die Flotte an

Nach dem Kampf mit Gewitterwolken, heftigen Regenschauern und Flautenlöchern, haben die Teams im Volvo Ocean Race am neunten Tag der achten Etappe nun mit einem pflanzlichen Gegner zu kämpfen: dem Seegras in der Sargassosee. Die Sargassum oder auch Golftange genannte Braunalge macht den Seglern das Leben schwer. Immer wieder bleibt sie an Kielen und Rudern hängen. Manchmal hilft nur ein Totalstopp des Bootes und das Einlegen des Rückwärtsganges, um die unbeliebten "Bremser" wieder loszuwerden. Dabei eint die sieben Crews nur ein Wunsch: nach der Doldrums-Passage schnellstmöglich die Passatwinde zu erreichen und auf nördlichem Kurs nach Newport davonzujagen. Die führenden Boote erleben aktuell eine Verdoppelung der Windgeschwindigkeiten binnen 24 Stunden.

  Team Brunels Navigator Andrew Cape verschafft sich an Deck einen Überblick über die LageFoto: Sam Greenfield/Volvo Ocean Race
Team Brunels Navigator Andrew Cape verschafft sich an Deck einen Überblick über die Lage

Als erstes Boot beschleunigte Brunel. "Es ist offiziell! Wir haben die Passatwinde erreicht, und das Wasser fliegt wieder übers Deck", vermeldete am frühen Dienstagmorgen Team Brunels Anbord-Reporter Sam Greenfield, "wir erleben Bootsgeschwindigkeiten von 15 bis 20 Knoten in Winden von 15 bis 17 Knoten." Etwas frustrierter klang die Nachricht vom zurückgefallenen holländischen Team AkzoNobel, das trotz seiner Rum-Gabe an Neptun bei der Äquatorpassage später über Stunden in einem flauen Feld hängengeblieben war. Anbord-Reporter Brian Carlin schrieb: "Chris (Nicholson, d. Red.) denkt, dass wir mehr Rum hätten trinken sollen und unsere Opfergabe vielleicht nicht großzügig genug war."

  Das Seegras muss weg! So bekämpfen die Crews die unliebsamen Begleiter, die am unteren Teil des Kiels zu sehen sindFoto: Brian Carlin/Volvo Ocean Race
Das Seegras muss weg! So bekämpfen die Crews die unliebsamen Begleiter, die am unteren Teil des Kiels zu sehen sind
  AkzoNobels Wachführer und Steuermann Nicolai Sehested kämpft gegen das SeegrasFoto: Brian Carlin/Volvo Ocean Race
AkzoNobels Wachführer und Steuermann Nicolai Sehested kämpft gegen das Seegras

Das Kommando hat über Nacht Bouwe Bekkings Brunel vor Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic, Dongfeng und Vestas (34 Seemeilen Rückstand) übernommen. Das gelbe Boot hatte sich am Dienstagvormittag einen Vorsprung von mehr als zehn Seemeilen erarbeitet, dabei auch davon profitiert, dass andere Boote in flauen Bedingungen oder von Seegras behindert teilweise "eingeparkt" hatten. Nun haben die Holländer die Passatwinde als Erste erreicht, während auf den hinteren Plätzen 5, 6 und 7 Mapfre (65 Seemeilen Rückstand), AkzoNobel und David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag (141 Seemeilen Rückstand) um Anschluss ringen. Ihr Abstand zu den führenden Booten aber dürfte sich mit deren Erreichen der Passatwinde in naher Zukunft eher noch vergrößern.

  Charles Caudreliers Dongfeng Race Team lag am Dienstagmorgen auf Platz 2 hinter Bouwe Bekkings Team BrunelFoto: Jeremie Lecauday/Volvo Ocean Race
Charles Caudreliers Dongfeng Race Team lag am Dienstagmorgen auf Platz 2 hinter Bouwe Bekkings Team Brunel
  Sie verteidigte am Dienstagmorgen ihren Platz in den Top Drei: Turn-the-Tide-on-Plastic-Skipperin Dee CaffariFoto: James Blake/Volvo Ocean Race
Sie verteidigte am Dienstagmorgen ihren Platz in den Top Drei: Turn-the-Tide-on-Plastic-Skipperin Dee Caffari
  Die Zwischenstände vom Morgen des 1. Mai: Bouwe Bekkings Team Brunel hat die Führung übernommen und eilt den Passatwinden entgegen, die – rötlich eingefärbt – gut zu erkennen sindFoto: Screenshot/Volvo Ocean Race
Die Zwischenstände vom Morgen des 1. Mai: Bouwe Bekkings Team Brunel hat die Führung übernommen und eilt den Passatwinden entgegen, die – rötlich eingefärbt – gut zu erkennen sind