Tatjana Pokorny
· 09.06.2018
Der Auftakt zur zehnten Etappe im Volvo Ocean Race verlief im britischen Revier vor Cardiff am Sonntagnachmittag nach längerer Startverschiebung quälend langsam – besonders für David Witts Team Sun Hung Kai Scallywag und Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic, die sich an der Starlinie ausbremsten und erst Minuten nach dem Startschuss über die Linie mühten. Weit waren die anderen Boote zu dem Zeitpunkt aber auch noch nicht gekommen. In der Beinahe-Flaute ging es zunächst nur im Schneckentempo voran. Nach der ersten halben Stunde hatte Mapfre die Führung knapp vor Bouwe Bekkings Team Brunel und Vestas 11th Hour Racing AkzoNobel übernommen, während das in der Gesamtwertung führende Dongfeng Race Team schnell eine halbe Seemeile zurückgefallen war und sich die Crew um Skipper Charles Caudrelier im Tiden-Poker gleich zu Beginn einige Sorgen machen musste.
Die Skipper hatten es vor Beginn dieser vorletzten Etappe der 13. Auflage des Rennens um die Welt schon angekündigt: Vor ihnen liegt ein komplizierter Abschnitt, der den Mannschaften extremen Dauer-Einsatz abverlangen wird. Xabí Fernandez sagte: "Die kurzen Etappen sind viel härter als die längeren." Kaum Schlaf, komplexe taktische und strategische Entscheidungen sowie das Dauertragen von Boots-Bekleidung machen den gut 1300 Seemeilen langen Kurs von Cardiff nach Göteborg zum Härtetest.
… lässt erahnen, dass eine enorme Anstrengung vor ihnen liegt. Dazu kommt der Druck der nahenden Entscheidung über den Gesamtsieg. Dongfeng, Mapfre und Brunel ringen darum
Für die in der Gesamtwertung führenden drei Boote – Dongfeng (60 Punkte), Mapfre (59 Punkte) und Team Brunel (57 Punkte) – geht es jetzt schon um nichts weniger als den Gesamtsieg. Jede der insgesamt nur drei Punkte auseinander liegenden Mannschaften könnte sich mit einem Etappensieg einen Vorteil für den Endspurt von Göteborg nach Den Haag erarbeiten. Doch auch die Verfolger haben noch ehrgeizige Ziele. Simeon Tienponts Team AkzoNobel strebt auf dem Weg in den Heimathafen Den Haag einen Podiumsplatz an, will Landsmann Bouwe Bekking herausfordern und den an der Spitze liegenden beiden roten Booten das Leben schwer machen. Müde der vielen Fragen nach den rechnerischen Möglichkeiten für sein Team, hatte Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier vor dem Start das Motto für diese Etappe vorgegeben: "Hört doch auf, über Mathe nachzudenken. Gewinnt einfach!"

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