Tatjana Pokorny
· 08.04.2018
Bleibt es in der Endphase des Rennens beim rot-roten Duell zwischen Dongfeng und Mapfre, oder können Brunel und AkzoNobel in den Kampf um den Sieg eingreifen?
Drei Viertel der 13. Auflage des Volvo Ocean Race sind absolviert. Das letzte Viertel beginnt am 22. April mit dem Start der achten Etappe von Itajaí über rund 5700 Seemeieln nach Newport. Bis dahin haben nach der dramatischen siebten Etappe auch die Nachzügler Zeit, ihre Boote in den brasilianischen Etappenhafen Itajaí zu bringen. Die Yacht des dänisch-amerikanischen Teams Vestas 11th Hour Racing ist nach dem Mastbruch nahe der Falkland-Inseln mit einer Überführungs-Crew unterwegs nach Itajaí. Das Team rechnet damit, dass sein blaues Boot erst wenige Tage vor dem Etappenstart ankommt. Gleichzeitig ist auch die VO65-Yacht der "Scallywags" mit einer Überführungsmannschaft unterwegs nach Itajaí, wo sich das Team um Skipper David Witt nach dem tragischen Tod von John Fisher treffen, neu fokussieren und wieder ins Rennen einsteigen will.
Nach der ereignisreichen Königsetappe von Auckland nach Itajaí hat sich das Feld sportlich zusammengeschoben. Charles Caudreliers Dongfeng Race Team hat mit insgesamt 46 Punkten die Führung übernommen und den vorherigen Spitzenreiter Mapfre (45 Punkte) nach sieben von elf Etappen auf Platz 2 verdrängt; aber noch immer liegen die beiden "Roten" vorn. Mannschaft der Stunde ist jedoch Bouwe Bekkings holländisches Team Brunel (36 Punkte), das sich mit den Bonuspunkten für Rang 1 bei der Kap-Hoorn-Passage und den Etappensieg sowie der doppelten Punktzahl bei diesem schweren Abschnitt von Platz 5 auf Platz 3 katapultiert hat. Simeon Tienponts Team AkzoNobel (33 Punkte) folgt auf Platz 4 vor David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag (26 Punkte). Charlie Enrights Team Vestas 11th Hour Racing liegt trotz inzwischen vier (!) nicht gestarteter oder nicht beendeter Etappen mit 23 Zählern immer noch knapp vor Dee Caffaris jungem Team Turn the Tide on Plastic (20 Punkte). Und das, obwohl Caffari und ihr 50:50-Mixed-Team auf der schwersten Etappe mit Rang vier das bislang beste Ergebnis erzielt hat und dafür viel Lob erntete.
Der sportlichen Spannung im Rennen haben Brunels Etappensieg und die ideale Ausbeute von 16 Punkten gut getan. Mit Blick auf vier noch ausstehende Etappen – nach etwa 34.350 absolvierten noch rund 11.000 Seemeilen – haben sich neben den zwei Top-Favoriten Dongfeng und Mapfre weitere Mannschaften die Möglichkeit erarbeitet, noch in den Kampf um den Gesamtsieg einzugreifen. Was den zuletzt starken Ergebnissen von Brunel und AkzoNobel, aber auch Mapfres Mastproblemen und der 13-stündigen Reparatur vor Kap Hoorn geschuldet ist. Die Crew um Skipper Xabí Fernandez war dem Feld anschließend hinterhergehinkt und hatte aufgrund sehr leichter Winde entlang der Ostküste Südamerikas keine Chance mehr, den fünften Rang noch zu verbessern. Am Ende musste Team Mapfre sogar die Verpflegung rationieren. Die sieben Männer und zwei Frauen kamen am Sonntag in jeder Hinsicht hungrig in Itajaí an.