Volvo Ocean RaceDas Glück ist eine Fledermaus

Dieter Loibner

 · 29.01.2012

Volvo Ocean Race: Das Glück ist eine FledermausFoto: Nick Dana/Abu Dhabi Ocean Racing

Böen, Dreher, Löcher, Wasserhosen, Strom und Müll, Müll, Müll. Vorn isses knapp, Camper musste ankern, und Sanya will noch mal angreifen

  Genau gepeilt: Puma Skipper Ken Read beobachtet die Konkurrenz durchs Fernglas, um Kurs und Geschwindigkeit besser einschätzen zu könnenFoto: Amory Ross/Puma Ocean Racing
Genau gepeilt: Puma Skipper Ken Read beobachtet die Konkurrenz durchs Fernglas, um Kurs und Geschwindigkeit besser einschätzen zu können

Der Slalom in der Straße von Malakka war bisher genauso kurzweilig wie erwartet. Neustart gab’s zwar keinen, aber Telefonica und Groupama sind vorn beinahe gleichauf, Puma folgt mit ein bisschen Abstand, und dann klafft die große Lücke. Abu Dhabi hat sich emporkämpfen können, vielleicht auch, weil eine verirrte Fledermaus sich an die Reffkauschen des Großsegels hängte, um Kräfte zu sparen. Ungeachtet dessen segelten sie nur einen Steinwurf hinter Camper her, die sich gestern vertan hatte und vor der malaysischen Küste hängenblieb. Als der Strom dann auch noch kippte, mussten die Neuseeländer ankern und fielen so aus der Spitzengruppe heraus. Ganz hinten werden die Armen indes immer ärmer. Sanya lag zuletzt fast 140 Meilen zurück. Gelegenheiten zum Überholen sind rar, weil alle verkehrsbedingt in einem schmalen Korridor segeln müssen.

  Der schnelle Bus: Wer vorn liegt, wie die Jungs von Telefonica, hat gut lachenFoto: Diego Fructuoso/Team Telefonica/Volvo Ocean Race
Der schnelle Bus: Wer vorn liegt, wie die Jungs von Telefonica, hat gut lachen

Das war der Stand, doch tendenziell war auf der Positionsverfolgung auszumachen, dass Abu Dhabi und Camper die Lücke zu Puma zumindest verkleinern können. „Es wird mehr Kompression geben”, hoffte Nick Dana, der Kameramann von Abu Dhabi. Aber es bleibt tückisch und unberechenbar. Als ob die ­wind-, strom- und wettertechnischen Probleme – sogar eine Wasserhose wurde registriert – und der dichte Schiffsverkehr nicht genug wären, müssen die Segler auch auf den Müll achten, durch den sie hier sprichwörtlich hindurchsegeln. Gesichtet wurde so ziemlich all der schwimmende Abfall, den man leider nur zu gut kennt: Feuerzeuge, Turnschuhe, herrenlose Fischernetze und Plastik jeder Art. Auch ein Styroporklotz von der Größe eines Kleinwagens war dabei.

  Stoppelbart und Konzentration: Franck Cammas, bolzt zwar gern, aber dank präzisen Trimms und gefühlvoller Hände am Ruder kletterten die Franzosen auf Platz 2, vor Puma (im Hintergrund)Foto: Yann Riou/Groupama Sailing Team/VOR
Stoppelbart und Konzentration: Franck Cammas, bolzt zwar gern, aber dank präzisen Trimms und gefühlvoller Hände am Ruder kletterten die Franzosen auf Platz 2, vor Puma (im Hintergrund)

„Es ist zwar toll, hier zu segeln, aber auch echt traurig, wie viel Mist da rumschwimmt”, resignierte Pumas Skipper Ken Read. Sein Boot kollidierte vor ein paar Tagen mit treibendem Müll, der das abgefierte Steckschwert beschädigte. „In der Nacht ist das echt unheimlich, man sieht nichts, weiß aber, dass das Zeug da ist”, erklärte Brandon Casey, einer der beiden Bugmänner Pumas. Ein halbversunkenes Kajak und ein Flipflop mit Krabbenbesatzung wurde ebenfalls gesichtet. „Was erzählen sich drei Krabben auf einem Badeschluppen mitten in der Straße von Malakka?”, fragte Casey rhetorisch.

  Zum Hinlegen: Bei so wenig Wind musste Camper sogar ankern, um nicht mehr Boden zu verlierenFoto: Hamish Hooper/Camper
Zum Hinlegen: Bei so wenig Wind musste Camper sogar ankern, um nicht mehr Boden zu verlieren

Alle Boote segeln knapp unter Land auf der Seite von Malaysia, und die Führenden sollten in Bälde Singapur passieren, um danach den östlichen Teil der Straße von Malakka zu verlassen. Dann beginnt das voraussichtlich ruppige dritte Teilstück dieser Etappe, hinauf nach Norden, Richtung China und Etappenziel Sanya.

  Noch in Sichtweite: Zeitweise segelten die führenden drei Boote im Korridor im Konvoi, doch Telefonica (am Horizont) ließ sich nicht übertölpelnFoto: Amory Ross/Puma Ocean Racing
Noch in Sichtweite: Zeitweise segelten die führenden drei Boote im Korridor im Konvoi, doch Telefonica (am Horizont) ließ sich nicht übertölpeln

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Dieser Artikel wurde ursprünglich am 26. 1. publiziert. Der Text wurde aktualisiert, um dem aktuellen Zwischenstand Rechnung zu tragen.

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