Volvo Ocean RaceDas Belauern hat begonnen

Tatjana Pokorny

 · 07.06.2015

Volvo Ocean Race: Das Belauern hat begonnenFoto: Marc Bow/VOR

Die achte Etappe im 12. Volvo Ocean Race läuft. Zum Auftakt führt das Comeback-Team Vestas. Spitzenreiter Abu Dhabi belauert Team Brunel

  Jagdszenen vor Lissabon: Die Schlussphase des Rennens um die Welt ist eingeläutetFoto: Ainoha Sanchez/VOR
Jagdszenen vor Lissabon: Die Schlussphase des Rennens um die Welt ist eingeläutet

Die Wiederkehrer führen das Feld an: Team Vestas liegt nach der ersten Nacht der am Sonntag gestarteten achten und kürzesten Etappe im zwölften Volvo Ocean Race vorn. Eine Überraschung ist das nicht, denn die führenden drei Boote haben für die verbleibenden zwei Etappen von Angriffs- auf Taktik-Modus umgeschaltet. Spitzenreiter Abu Dhabi Ocean Racing hat sich offensichtlich entschieden, dem Kurs des zweitplatzierten holländischen Teams Brunel von Bouwe Bekking zu folgen. Dabei lässt das Team von Ian Walker aber auch die punktgleich auf Platz drei des Gesamtklassements liegende Dongfeng-Crew von Charles Caudrelier nicht ganz aus dem Blick.

Zum Auftakt des 647 Seemeilen kurzen Sprints von Lissabon nach Lorient an der bretonischen Küste hat sich die Flotte bei ihrer Hatz entlang der spanischen Westküste zunächst in zwei Gruppen aufgeteilt: Das am Montagmorgen knapp führende Team Vestas, das Frauen-Team SCA und das Dongfeng Race Team setzen auf einen küstennahen Kurs, die verbleibenden vier Boote suchen ihr Glück etwas weiter draußen auf See. Innerhalb der beiden Gruppen wird mit unterschiedlichen Erfolgen um jeden kleinen Vorteil gerungen. Team Vestas führte das Feld nahe der Küste am Montagmorgen mit einer Seemeile Vorsprung vor SCA mit Skipperin Sam Davies an. Die wünscht sich nichts mehr als endlich den Makel der Dauer-Letzten loszuwerden. Davies wohnt in der Nähe von Lorient und wird alles dafür tun, mit einem Achtungserfolg in heimischen Gewässern einzutreffen. Hinter SCA folgten mit Mapfre und Team Brunel die ersten beiden Boote der Gruppe weiter draußen auf See.

  Was geht noch für Bouwe Bekking und sein Team Brunel? Die Holländer sind mit sechs Punkten Rückstand in die vorletzte Etappe gestartetFoto: Ricardo Pinto/VOR
Was geht noch für Bouwe Bekking und sein Team Brunel? Die Holländer sind mit sechs Punkten Rückstand in die vorletzte Etappe gestartet
  Team Brunels Skipper Bouwe Bekking kämpft um seinen ersten Sieg im Rennen seines LebensFoto: P. Anderson
Team Brunels Skipper Bouwe Bekking kämpft um seinen ersten Sieg im Rennen seines Lebens
  Hat sechs Punkte Vorsprung, aber das Rennen noch nicht gewonnen: Abu Dhabis Skipper Ian WalkerFoto: Rick Tomlinson/Volvo Ocean Race
Hat sechs Punkte Vorsprung, aber das Rennen noch nicht gewonnen: Abu Dhabis Skipper Ian Walker

Dongfeng hinkte der küstennahen Gruppe – überraschend zu diesem frühen Zeitpunkt – bereits mit mehr als sechs Seemeilen Rückstand hinterher. Dass sich in den ersten 14 Stunden nach dem Startschuss nicht ein Boot mit dem üblichen Abschieds- und Ausblick-Bericht von Bord gemeldet hat, macht deutlich, wie sehr sich die Teams in der Schlussphase des Rennens um die Welt auf ihre Aufgaben konzentrieren. Das mit sechs Punkten Vorsprung vor Brunel und Dongfeng führende Team Abu Dhabi beispielsweise kann im Falle des Gruppensplits nur einen dieser beiden Verfolger bewachen, die Walker und seinen Männern im Klassement den Sieg noch streitig machen könnten. Zum Etappenauftakt hat sich Walker offensichtlich dafür entschieden, das erfahrenere und zuletzt stark aufgekommene Team Brunel zu beschatten. Vorerst mit Erfolg, weil Dongfeng strauchelt. Bis nach Lorient waren am Montagmorgen nur noch 633 Seemeilen zu absolvieren.

  Dem Überflieger fehlte zuletzt die Fortune: Dongfeng-Skipper Charles CaudrelierFoto: Yvan Zedda/Dongfeng Race Team
Dem Überflieger fehlte zuletzt die Fortune: Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier

Zuvor hatte in Lissabon das spanische Team Mapfre das Hafenrennen vor Abu Dhabi Ocean Racing, dem amerikanischen Team Alvimedica und Team SCA gewonnen. Für Bekkings Team Brunel kam der fünfte Platz in Lissabon einer Niederlage gleich, denn am Ende der Weltumsegelung werden die Platzierungen der In-Port-Wertung als Tiebreaker herangezogen, wenn es in der Gesamtwertung einen Gleichstand geben sollte. Bekking profitierte allerdings davon, dass Dongfeng als direkter Konkurrent um Platz zwei bei dieser zwölften Ocean-Race-Auflage noch schlechter abschnitt und nicht über Rang sechs hinauskam. Aktuell scheint es, als sei Charles Caudreliers Überflieger-Team unter chinesischer Flagge ein wenig entzaubert.

Meistgelesene Artikel