The Ocean Race

Volvo Ocean Race: Alles noch offen zur Halbzeit

Lars Bolle

 · 21.05.2015

Volvo Ocean Race: Alles noch offen zur HalbzeitFoto: Amory Ross / Team Alvimedica / Volvo Ocean Race

Fast die Hälfte der siebten Etappe ist absolviert und die Top-Teams liegen innerhalb nur drei Seemeilen. Auf Platz 1: der Gesamtführende

Es ist eine extrem enge Etappe. Die fünf Männerteams liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, nur Team SCA hängt etwas hinterher, wenn auch marginal mit nur sieben Seemeilen hinter dem führenden Team Abu Dhabi.

Die Boote haben die südlichen Punkte der Eisgrenze passiert, einer Verbotszone, die vor Kollisionen mit Eisbergen schützen soll. Diese zwang die Flotte auf einen südlichen Kurs direkt auf den kürzesten Weg. Doch im Norden ist mehr Wind, und dorthin sind alle eingeschwenkt, entlang einer neuen Eisgrenze. Es ist ein reines Geschwindigkeitsrace, seit Erreichen der Eisgrenze ohne taktische Herausforderungen, einfach entlang einer Linie.

Zuvor ging es deutlich turbulenter zu. Jedes Team außer Alvimedica hatte mindestens einmal in Führung gelegen, Team Brunel sogar mit mehr als 25 Seemeilen, weil eine Flautenzone umfahren werden konnte. Doch letztlich haben sich alle wieder zusammengeschoben.

Die Zusammenfassung des vierten Renntages

Die momentane Führung von Abu Dhabi ist vor allem darin begründet, dass der Gesamtführende am weitesten südlich liegt und damit am dichtesten am kürzesten Kurs nach Lissabon. Der härteste Gegner dagegen, Team Dongfeng – die Einzigen, die Abu Dhabi in der Gesamtwertung noch ernsthaft gefährlich werden könnten – segelt am weitesten nördlich, mit etwa drei Seemeilen Querabstand.

Damit hat Abu-Dhabi-Skipper Ian Walker dem Anschein nach erstmals seine bisherige taktische Route etwas verlassen – denn offenbar passte er bisher sehr auf Dongfeng auf. Lässt man den Racetracker vom Start weg beschleunigt laufen, so ist zu sehen, dass Abu Dhabi sich immer in der Nähe von Dongfeng aufhält.

Die Taktik dabei ist klar. Dongfeng muss versuchen, so viele Boote wie möglich zwischen sich und Dongfeng zu bringen, um den Rückstand von sechs Punkten wettzumachen. Abu Dhabi will das Gegenteil: möglichst dicht an Dongfeng bleiben und damit das Punktepolster hochhalten, da ist es fast egal, was die Flotte macht. Ein interessantes Katz-und-Maus-Spiel.

  Die Positionen am VormittagFoto: Volvo Ocean Race
Die Positionen am Vormittag

"Wir versuchen nicht, diese Etappe zu gewinnen", bestätigt Abu-Dhabi-Teamreporter Matt Knighton. "Wir versuchen, das Rennen zu gewinnen, und das heißt, Dongfeng zu decken. Ians Strategie in diesem Rennen war immer, auf jeder Etappe mindestens unter den ersten drei zu sein, wie bei einer olympischen Regatta, das würde uns am Ende des Rennens in eine Art Lauerstellung für den finalen Angriff auf Gold bringen. Dieser Angriff findet jetzt statt."

"Es ist, als wenn man beim Basketball eins gegen eins spielt, nur auf einem Spielfeld von 2000 Seemeilen. Wenn wir mit nur einem Platz Abstand zu Dongfeng ins Ziel kämen, egal ob vor oder nach ihnen, dann wären wir so viel dichter an unserem Ziel. Wenn wir sogar ein paar Boote zwischen uns bringen könnten, dann wäre das das Sahnehäubchen."

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