The Ocean Race

Umwelt: Am meisten Mikro-Plastik in der Ostsee

Andreas Fritsch

 · 16.12.2021

Umwelt: Am meisten Mikro-Plastik in der OstseeFoto: The Ocean Race Null

Das Ocean Race stellt die Ergebnisse einer Studie zur Belastung der Meere vor. Die Proben wurden während des Rennens genommen. Die Ergebnisse sind alarmierend

Das Ocean Race hat Ergebnisse aus dem letzten Race Europe veröffentlicht, bei dem drei Teams unterwegs Wasserproben für eine wissenschaftliche Studie entnommen hatten. Sie nahmen 36 Wasserproben auf dem Weg aus der Ostsee bis zum westlichen Mittelmeer. Alle Proben enthielten bei späteren Untersuchungen des Instituts Geomar in Kiel Mikroplastik, die höchste Konzentration mit 430 Teilen pro Kubikmeter war in der Ostsee zu verzeichnen. Die ausführliche Studie des Ocean Race kann hier angeschaut werden.

Mit durchschnittlich 230 Partikeln pro Kubikmeter lag der Durchschnitt zwar niedriger, aber dennoch zeigte sich die Ostsee als das am höchsten belastete Meer. Insgesamt sah es europaweit nicht gut aus, im Schnitt wurden 139 Partikel pro Kubikmeter gefunden. 83 Prozent davon waren keine klein zerriebenen Stücke einst größerer Plastik-Gegenstände, sondern Mikrofasern. Die finden sich in Funktionskleidung, im Abrieb von Autoreifen und wohl auch in abgeriebenen Antifoulings. Das Ocean Race wird die Untersuchung in Kooperation mit dem Geomar-Forschungsinstitut in Kiel 2022 noch ausbauen. „Dass die Mehrzahl der Partikel Fasern sind, war überraschend. Bislang hat die Forschung mehr auf Plastik-Fragmente abgezielt“, sagt Dr. Aaron Beck von Geomar. Das zeige, wie wichtig die Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Ocean Race sei.

Die oben stehende Karte zeigt die Einzelergebnisse der Proben. Solche Zusammenarbeit zwischen Seglern und Forschern gibt es immer mehr, zuletzt hatten beispielsweise Segler bei der Vendée Globe Forschungsbojen mitgenommen und fern der Küsten ausgesetzt, die über lange Zeiträume Proben nehmen und Daten über Funk zurücksenden. So sollten Erkenntnisse über Veränderungen der Meere durch den Klimawandel untersucht werden. Tatsächlich ist die Forschung auch an solchen Kooperationen sehr interessiert, da die Segler teilweise Gewässer erreichen, die nicht sehr oft von Forschungsteams befahren werden, weil solche Expedtionen aufwändig und sehr teuer sind.

Eine Reihe jüngerer Untersuchungen belegen, dass Sedimente an Stränden der Ostsee und auch das Wasser stärker mit Mikroplastik belastet sind, als Forscher erwartet hatten. Das bestätigt auch Dr. Burkard Watermann vom Forschungsinstitut Limnomar. "Schwedische und dänische Untersuchungen mit Schleppfiltern zu Mikroplastik haben vor Kurzem gezeigt, dass die Ostsee stärker belastet ist als die Nordsee. "Viele Mikropartikel stammen auch aus der Schifffahrt und Fischerei oder werden ins Meer gespült durch Flüsse. Wenn größere Plastikgegenstände immer weiter zerrieben werden, bleiben sie auch länger im Wasser, die kleinsten Stücke schwimmen besser." Das Problem der Ostsee ist, dass sie ein ziemlich geschlossenes Binnenmeer ist, das Plastik also lange in ihr verweilt. In Nordsee oder Atlantik wird durch die Strömung viel mitgetragen und landet dann auf dem Grund oder in den großen Müllstrudeln, die es mittlerweile in fast jedem Ozean gibt.

Unschön ist auch, dass neueste Forschungen nahelegen, dass auch Partikel aus Antifoulings stammen könnten, die durch den Abrieb bei selbsterodierenden Farben stammen könnten. Die Forschung stehe da aber noch am Anfang, so Burkard Watermann.

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