The Ocean RaceUS-Team bald auf Kurs Genua, Etappen-Trio in der Flaute

Tatjana Pokorny

 · 18.06.2023

Team Malizia macht das Beste aus den flauen Winden auf Etappe sieben
Foto: Antoine Auriol/Team Malizia/The Ocean Race
Drei Tage nach der Kollision mit Team Guyot, die das US-Team 11th Hour Racing zur Aufgabe der letzten Etappe im Ocean Race gezwungen hat, scheint die Blitzreparatur gelungen. Skipper Charlie Enright kündigte “ein Rennen gegen die Zeit” an, das sein Team rechtzeitig zum großen Finale am 1. Juli in Genua bringen soll

Nachdem 11th Hour Racing die siebte und letzte Etappe infolge der schweren Kollision und der zu reparierenden Schäden offiziell aufgegeben hatte, haben die Amerikaner die schnellstmögliche Überführung ins Visier genommen und stehen in Den Haag kurz vor dem Ablegen. Währenddessen wird an Land weiter darauf gewartet, dass die Veranstalter einen Termin für die Verhandlung des US-Antrags auf Wiedergutmachung benennen.

“Mālama” in weniger als 72 Stunden repariert

Die Shore Crew des US-Teams hat seit der Kollision am 17. Juni rund um die Uhr im Schichtbetrieb gearbeitet, um das Boot nicht nur für die Überführung nach Genua, sondern auch für das letzte In-Port Race fit zu machen. Die Arbeiten konnten trotz schwerer Schäden wie eines riesigen Lochs in der hinteren Backbordrumpfseite in weniger als 72 Stunden abgeschlossen werden. Das Team kündigte an, den Etappenhafen Den Haag möglicherweise schon an diesem Sonntagabend verlassen zu können. Zuvor müsse “Mālama” das zerstörungsfreie Prüfverfahren durchlaufen. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Struktur des Bootes intakt ist.

Bei der Überführung nach Genua werden die Segler der siebten Etappe erneut an Bord sein: der amerikanische Skipper Charlie Enright, der britische Navigator Simon Fisher, der australisch-britische Trimmer Jack Bouttell, der nach dem Crash wie seine Mitsegler Tränen vergossen hatte, und die Italienerin Francesca Clapcich. Dazu kommt der amerikanische An-Bord-Reporter Amory Ross.

Es war eine monumentale Aufgabe” (Charlie Enright)

“Unser Team hat drei Tage lang rund um die Uhr gearbeitet, um unser Boot zu reparieren. Wenn wir heute Nachmittag die abschließenden Tests auf Zerstörungsfreiheit bestanden haben, werden wir grünes Licht bekommen, um das Boot nach Genua zu bringen”, sagte Skipper Charlie Enright (USA). “Es war eine monumentale Aufgabe, aber das gesamte Team hat sich der Herausforderung gestellt. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, und die letzte Hürde wird das Wetter auf dem Weg nach Genua sein, aber wir werden alles tun, um beim Grande Finale dabei zu sein und das letzte In-Port Race am 1. Juli zu bestreiten.”

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James O’Mahony, der Bootskapitän des Teams, berichtete vom Reparatur-Marathon: “Unmittelbar nach dem Vorfall und nachdem wir uns vergewissert hatten, dass alle Besatzungsmitglieder unverletzt waren, bestand die Priorität der Segler darin, das Boot in Sicherheit und an den Kai zu bringen, damit das Team an Land den Schaden vollständig beurteilen konnte. Zu diesem Zweck mussten wir alle Schäden, den Nomex-Kern, das Deck und den Schaumstoff entfernen, um die ursprüngliche unbeschädigte Struktur wiederherzustellen.”

Es ist ein bisschen so, als ob man Puzzle-Teile schnitzt, die dann zusammengefügt werden” (James O’Mahony)

Weiter berichtete der Experte: “Wir haben uns dann mit unseren Designern abgestimmt, um genau zu verstehen, welche Struktur wiederhergestellt werden muss und wie viele Lagen Laminat erforderlich sind, um alles wieder aufzubauen. Dann bauten wir die Teile auf einem Tisch in der Mannschaftsbasis und nahmen sie mit zum Boot, um sie so zu formen, dass sie wieder in das Boot passten – ein bisschen so, als ob man Puzzleteile schnitzt, die dann zusammengefügt werden. Wir setzten alle strukturellen Elemente des Decks wieder ein – die unidirektionalen Fasern, die das Boot versteifen, den Kern und das gesamte Laminat. Es waren viele, viele Schritte nötig, um das Boot nicht nur wieder seetüchtig, sondern auch regattatauglich zu machen.”

Das 11th Hour Racing Team führt die Gesamtwertung vor der letzten Etappe mit zwei Punkten vor dem Schweizer Team Holcim – PRB und sechs Punkten vor dem deutschen Team Malizia an. Außerdem führt das Team mit drei Punkten vor dem Team Malizia und acht Punkten vor Biotherm in der In-Port-Race-Wertung.

Wann der Antrag auf Wiedergutmachung verhandelt wird, ist weiter offen

Den Antrag auf Wiedergutmachung für den von Team Guyot verursachten Crash und die technischen wie sportlichen Folgen hat das 11th Hour Racing Team bei der internationalen Jury von World Sailing gestellt. Ein Termin für die Anhörung und die Verhandlung – so die monotone Antwort, die in diesen Tagen aus allen Richtungen auf Nachfrage zu hören ist – werde den beteiligten Parteien zu gegebener Zeit mitgeteilt. Nur selten dauert es so lange wie in diesem Fall, bis überhaupt ein Termin mitgeteilt wird.

Die relevante internationale Jury wird von der zuständigen Organisation – in diesem Fall The Ocean Race – ernannt und vom Dachsportverband World Sailing genehmigt. Die Jury setzt sich aus erfahrenen Regelexperten zusammen, deren Aufgabe es ist, die Schilderungen und Beweise aller Seiten eines Vorfalls zu hören und zu prüfen und eine Entscheidung in Übereinstimmung mit den Wettfahrtregeln des Segelsports zu treffen.

Etappen-Trio kämpft mit flauen Winden

Die Ocean-Race-Organisatoren teilten indessen mit, dass 11th Hour Racing bei der Überführung nach Genua auch im Tracker zu verfolgen sein wird. Zwar können die Amerikaner nicht mehr in den Kampf um den Etappensieg eingreifen, doch segeln sie ihr eigenes, spannendes Rennen gegen die Zeit. Laut aktuellen Routenplanungen soll das Boot am 30. Juni im Zielhafen ankommen – eine mit Blick auf das Hafenrennen äußerst knappe Angelegenheit.

In der laufenden Etappe hat es zuletzt kaum Veränderungen der Positionen gegeben. Team Holcim – PRB führte die auf drei Imocas geschrumpfte Flotte am Sonntagnachmittag bei knapp 1.700 Seemeilen bis Genua in der Biskaya weiter an. Es folgten Team Biotherm mit 16 Seemeilen Rückstand und Boris Herrmanns Team Malizia mit 40 Seemeilen Rückstand auf die Spitzenreiter.

Mit poetischen Grüßen von den Malizianern auf Etappe sieben:

Team Guyots Skipper und Unglückssteuermann Ben Dutreux erklärt den Rückzug seiner Mannschaft von Etappe sieben, bedankt sich bei allen Teams für ihre Unterstützung und verneigt sich erneut vor 11th Hour Racing. Er kündigte an, dass sein gesamtes Team zum Finale in Genua sein wird:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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