The Ocean RaceMit “Guyot” ist die Flotte zum Kieler Fly-by komplett

Tatjana Pokorny

 · 07.06.2023

Mit Etappe sechs haben die Ocean-Race-Segler den Fly-by in Kiel und den Etappenhafen Den Haag in Sicht. Hier im Bild: Rosalin Kuiper auf "Malizia – Seaexplorer". Die Niederländerin freut sich auf die Heimspiele für ihr Team und in Den Haag auch für sich selbst …
Foto: Antoine Auriol/Team Malizia/The Ocean Race
Zwei Tage vor dem Fly-by in Kiel ist die Ocean-Race-Flotte wieder komplett. Am Mittwochnachmittag kam Team Guyot mit seinem in Kiel reparierten Boot im dänischen Etappenhafen Aarhus an und wurde dort stürmisch begrüßt. Im Team Malizia feierte die Niederländerin Rosalin Kuiper einen Tag vor dem Start zur sechsten Etappe am Mittwoch ihren 28. Geburtstag. Und die deutschen Ocean-Race-Segler sind startklar für ihr Heimspiel beim Fly-by in Kiel

Team Guyot ist wieder im Spiel, wenn in Aarhus am Abend des 8. Juni um 18.15 Uhr der Startschuss zur sechsten von sieben Ocean-Race-Etappen fällt. Einen Tag vor dem Start erreichte die “Guyot”-Überführungscrew mit ihrem reparierten Boot den dänischen Etappenhafen. Am Mittwochnachmittag wurden die kohleschwarze Yacht und ihre Besatzung beim Einlaufen in den Hafen von Aarhus von den anderen Teams und Ocean-Race-Fans stürmisch begrüßt. Seine erste Bewährungsprobe hat das Boot nach dem Ablegen in Kiel am Vorabend gut bestanden.

Flaute zum Auftakt von Etappe sechs?

In Aarhus konzentriert sich nun alles auf den bevorstehenden Sprint nach Den Haag und den darin eingebetteten Fly-by in Kiel. Die mit 800 Seemeilen kürzeste Etappe im 14. Ocean Race wird die Weltumsegler in Ost- und Nordsee prüfen. Aktuelle Prognosen weisen auf eine flaue erste Nacht hin.

Team Malizias Co-Skipper Will Harris sagte: “Die Etappe ist sehr kurz, jede Meile ist wichtig. Uns steht ein komplizierter Auftakt und eine komplexe Etappe mit ziemlich leichten Winden in der ersten Nacht bevor. Wir werden es mit Strömung und vielen Übergängen zu tun bekommen. Es wird darum gehen, wer am aktivsten ist und wer die Übergänge am besten hinbekommt.”

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Unsere Botschaft ans Publikum beim Fly-by in Kiel: Ihr werdet großartige Anblicke erleben, aber haltet euch vom Fahrwasser fern” (Regattadirektor Phil Lawrence)

Einen Tag nach dem Startschuss steigt der mit Spannung erwartete Fly-by in Kiel. Hier runden die Imoca-Yachten am Freitagnachmittag zwischen 15.30 und 16.30 Uhr eine Ocean-Race-Wendemarke direkt vor dem Ocean Live Park an der Kiellinie. Die Operation auf der Förde gilt als äußerst anspruchsvoll. Erwartet werden Zehntausende Fans an Land und eine Armada von Zuschauerbooten auf dem Wasser. Etwa 50 Boote der Wasserschutzpolizei und der Veranstalter werden zum Schutz der Ocean-Race-Yachten und der Zuschauerflotte im Einsatz sein.

Das Fahrwasser ist am Freitagnachmittag zwischen Kiel Leuchtturm und der Wendemarke von 15 bis 17 Uhr gesperrt und den Rennyachten vorbehalten. Ocean-Race-Renndirektor Phil Lawrence sagte: “Unsere Bootschaft an die Zuschauer ist: Ihr werdet großartige Anblicke erleben, aber haltet euch vom Fahrwasser fern.”

Ich hoffe, dass es in Zukunft einen echten Zwischenstopp in Deutschland geben kann” (Boris Herrmann)

Boris Herrmanns Team Malizia, in dem die Niederländerin Rosalin Kuiper kurz vor der Rückkehr in ihre Heimat am Mittwoch ihren 28. Geburtstag feierte, sieht der “Heimetappe” mit viel Vorfreude entgegen. Boris Herrmann sagte: “Nach Deutschland zu kommen ist etwas ganz Besonderes für unser Team. Ich glaube nicht, dass es einen sportlichen Vorteil gibt, aber es gibt einen großen Ansporn durch die deutschen Fans, und das ist etwas, das mir viel Energie gibt. Ich hoffe, dass es in Zukunft einen echten Zwischenstopp in Deutschland geben kann.”

Boris Herrmanns Team liegt vor den beiden finalen Europa-Etappen hinter 11th Hour Racing (28 Punkte) und Team Holcim – PRB (27 Punkte) mit 24 Punkten auf Platz drei der Ocean-Race-Wertung. Aufgrund der kleinen, wenn auch feinen Flotte, wird es für die deutsche Yacht und ihre Besatzung schwer, wenn auch nicht unmöglich, noch einmal in den Kampf um den Gesamtsieg einzugreifen.

Es ist ein Vorteil, durch unser Wohnzimmer zu segeln” (Robert Stanjek)

Dass Team Guyot wieder mit von der Partie ist, würde sich dann positiv für Team Malizia auswirken, wenn sich “Malizia – Seaexplorer” und “Guyot” vorn platzieren können. “Das wäre gut, aber ‘Guyot’ darf dabei hübsch hinter uns bleiben”, sagte Malizias Co-Skipper Will Harris lächelnd. Der Berliner “Guyot”-Skipper Robert Stanjek, der die Kieler Gewässer als ehemaliger Olympiasegler und Kielbootsegler gut kennt, sagte vor dem Comeback seines Teams: “Wir waren in diesen Gewässern auch mit unserem ORC-Projekt sehr intensiv im Einsatz. Es ist ein Vorteil, durch unser Wohnzimmer zu segeln.”

Gleichzeitig wies Robert Stanjek nach der Wiederauferstehung seines Teams auf die anstehenden Herausforderungen hin: “Für uns ist erst einmal die Startlinie von Etappe sechs das Ziel. Wir müssen sehen, dass technisch alles funktioniert. Wir sind mit neuem Mast, mit neuem Rigg im Einsatz. Da wird noch einiges zu kalibrieren sein, aber dafür sind wir gut aufgestellt.” Um die neue Segelgarderobe für “Guyot” macht sich Robert Stanjek wenig Sorgen: “Das ist der Ersatzsatz von Ben von der Route du Rhum. Die Segel sind absolut vollwertig.”

Wir sehen unsere gemeinsame Crew-Erfahrung als Vorteil gegenüber anderen Teams” (Will Harris)

Wie anspruchsvoll die vorausliegende Etappe werden könnte, beschreibt Will Harris, der auf Etappe sechs als Navigator für Team Malizia im Einsatz ist: “Ich habe viel über diese Etappe nachgedacht. Sie wird sicher hart und viel Segeln auf glattem Wasser in Ost- und Nordsee mit sich bringen, weil Offshore-Winde herrschen. Wir haben eine starke Rumpfform dafür und viel über unser Boot gelernt.”

Im Vergleich zur Konkurrenz sagte Harris vor den beiden finalen Europa-Etappen: “Wir sehen die gemeinsame Crew-Erfahrung in unserem Team im Vergleich zu den vielen Figaro-Seglern auf anderen Booten als Vorteil.”

Rosie Kuiper feiert ihren 28. Geburtstag in Aarhus

Mit zusätzlicher Motivation startet die Niederländerin Rosalin Kuiper in die sechste Etappe, die das Feld in ihre Heimat Holland führt. “Ich bin superaufgeregt, dass wir Kurs auf die Niederlande nehmen. Für mich ist in den letzten Monaten ein Traum wahr geworden. Ich bin mit diesem Team um die Welt gesegelt. Jetzt freue ich mich darauf, die Niederlande, meine Familie und Freunde zu sehen.”

Davor liegt das Wiedersehen der deutschen Ocean-Race-Segler mit ihren Familien, Freunden und Fans beim Kieler Fly-by, auch wenn die Boote hier nur “vorbeifliegen”. “Ich bin schon sehr gespannt, was in Kiel passieren wird”, sagte Robert Stanjek, der Aarhus am Mittwochmorgen mit Annie Lush auf dem Landweg erreicht hat. “Ich habe natürlich eine leise Ahnung, was da los sein wird. Ich nehme an, dass es ganz schön voll wird. Wir haben viel dafür gearbeitet, die Ocean-Race-Marke nach Kiel zu bekommen. Jetzt freuen wir uns darauf, diese Tonne auch wirklich runden zu können.”

Eine anspruchsvolle Operation für Renndirektor Phil Lawrence und sein Team

Renndirektor Phil Lawrence hat sich, seinem erfahrenen Team und der Flotte 16 Uhr als Etwa-“Zielzeit” für die Rundung der Kieler Wendemarke dicht vor dem Ufer vorgegeben. Er weiß, dass Regattasport in Abhängigkeit von den Windverhältnissen nie hundertprozentig genau zu planen ist, kann aber mit einer zusätzlich einziehbaren “Schleife” vor Kiel Leuchtturm die Zeit des Einsegelns ins Fahrwasser bei Bedarf zumindest etwas beeinflussen. Damit kann die anspruchsvolle Operation “Fly-by Kiel” beginnen.

Happy Birthday, Rosie Kuiper! Die Niederländerin feiert heute, am 7. Juni, ihren 28. Geburtstag. Der Clip zeigt Team Malizias “Superwoman” im Gespräch mit Niall Myant-Best zum Thema Teamwork:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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