The Ocean RaceFranzösisch-deutsches Team gemeldet: Co-Skipper Stanjek: "Das Boot ist echt ein Volltreffer"

Tatjana Pokorny

 · 20.05.2022

The Ocean Race: Französisch-deutsches Team gemeldet: Co-Skipper Stanjek: "Das Boot ist echt ein Volltreffer"Foto: François Van Malleghem

Benjamin Dutreux und Robert Stanjek werden als Co-Skipper ein europäisches Team ins The Ocean Race führen. Darüber freut sich auch Boris Herrmann

Im Ocean Race Europe haben sie schon erfolgreich für den Ernstfall geprobt: Die Co-Skipper Benjamin Dutreux (Frankreich) und Robert Stanjek (Berlin) gewannen die Premiere der kleinen The-Ocean-Race-Schwester im Sommer 2021 in der Imoca-Klasse knapp vor 11th Hour Racing und Thomas Ruyants Team LinkedOut. Damals gelang dem Offshore Team Germany mit deutsch-französischen Co-Skippern und internationalem Team der Coup mit einer betagten Imoca. Im Kampf mit den modernen Foilern konnten sie sich im packenden Finale knapp durchsetzen. Der Sieg gab den Beteiligten neue Schubkraft für ihren Kampf um die Teilnahme am Königsrennen für Hochsee-Teams: The Ocean Race. Dessen 14. Auflage beginnt nach Corona-bedingten Verschiebungen am 15. Januar 2023. An der Startlinie werden mit dem nun gemeldeten Guyot Environnement-Team Europe neben dem längst gemeldeten Team Malizia um Boris Herrmann weitere deutsche Segler aufkreuzen.

  Die führenden Köpfe des Guyot Environnement-Team Europe (v. r.): Manager Jens Kuphal, die Co-Skipper Robert Stanjek und Benjamin Dutreux sowie Managerin Alice PotironFoto: Charles Drapeau / ILP Vision
Die führenden Köpfe des Guyot Environnement-Team Europe (v. r.): Manager Jens Kuphal, die Co-Skipper Robert Stanjek und Benjamin Dutreux sowie Managerin Alice Potiron

Boris Herrmann: "Das Dutreux-Stanjek-Team wird ein starker Konkurrent sein!"

Am 20. Mai stellte das Ocean-Race-Management das vierte Imoca-Team für das bevorstehende Rennen vor: Das Guyot Environnement-Team Europe mit den Co-Skippern Dutreux und Stanjek macht aus dem bisherigen Klassen-Trio ein Quartett. Über diesen Zuwachs für die bekannteste Mannschaftsregatta um die Welt ist auch Boris Herrmann glücklich, dessen neue Imoca sich bereits in der finalen Bauphase befindet: "Ich freue mich, dass es geklappt hat. Nun sind vier richtig gute Schiffe dabei. Das Dutreux-Stanjek-Team wird ein starker Konkurrent mit einem tollen, erprobten Schiff sein, einem der schnellsten der Flotte. Es hat gute Foils, die absolut Sinn machen. Es kann den neuen Schiffen das Wasser reichen."

  Benjamin Dutreux in Bestlaune auf seiner viel gepriesenen ImocaFoto: François Van Malleghem
Benjamin Dutreux in Bestlaune auf seiner viel gepriesenen Imoca

Die Imoca, über die Herrmann so positiv spricht, wird mit europäischem Team unter französischer Flagge segeln. Es ist jene "Hugo Boss", mit der Alex Thomson 2016/2017 Zweiter in der Vendée Globe wurde. Nach weiteren guten Ergebnissen diente sie zuletzt dem Team 11th Hour Racing nach einem Refit und der Ausrüstung mit neuen Foils als Trainingsboot bei dessen eigener Vorbereitung auf The Ocean Race. Der französische Co-Skipper Benjamin Dutreux, dessen Rennstall das Boot schon vor einigen Monaten erwarb, sagt: "Dieses Boot ist bereits gut entwickelt und darauf vorbereitet, an der Spitze des Feldes zu segeln." Dutreux, neun Jahre jünger als sein deutscher Co-Skipper Robert Stanjek (41) und mit Platz neun auf einer 15 Jahre alten Imoca bei der letzten Vendée Globe stark positiv aufgefallen, erinnert sich an die ersten gemeinsamen Einsätze mit dem Offshore Team Germany im vergangenen Jahr: "Das Ocean Race Europe war für uns alle, die wir erstmals zusammengearbeitet haben, eine großartige Erfahrung. Ich denke, dass wir uns jetzt mit dem neuen Boot und diesem Team auf ein tolles Rennen um die Welt freuen können."

  Die Gewinner der Ocean-Race-Europe-Premiere im Sommer 2021 (v. r.): Annie Lush, Robert Stanjek, Phillip Kasüske und Benjamin DutreuxFoto: Sailing Energy
Die Gewinner der Ocean-Race-Europe-Premiere im Sommer 2021 (v. r.): Annie Lush, Robert Stanjek, Phillip Kasüske und Benjamin Dutreux

"Ich glaube, es ist eine tolle Idee, die unterschiedlichen Erfahrungen aus dem Hochsee- und Olympiasegeln zu mischen"

Dutreux selbst soll das gut sechs Jahre alte Boot abseits vom Ocean-Race-Einsatz auch bei Solo-Regatten schnell ins Ziel bringen. So wie ab dem 12. Juni im Vendée Arctique. Erklärtes Fernziel ist der Vendée-Globe-Start 2024. Mit Blick auf The Ocean Race sagt der Franzose, der dem Offshore Team Germany das Joint Venture und gemeinsame Abenteuer The Ocean Race angeboten hatte: "Ich glaube, es ist eine tolle Idee, die unterschiedlichen Erfahrungen aus dem Hochsee- und dem Olympiasegeln zu mischen und gemeinsam mit unterschiedlichen Nationen aus Frankreich, England und Deutschland zu segeln. Diese unterschiedlichen Kulturen an Bord – das ist ein Teil der Geschichte. Wir Franzosen haben eine große Historie im Offshore-Segeln, aber der Input aus dem olympischen Bereich, dieses sehr strukturierte Vorgehen, ist ein großes Plus für das Ocean-Race-Programm."

  Mit diesem Boot wollen Benjamin Dutreux, Robert Stanjek, Phillip Kasüske und die erfahrene Weltumseglerin Annie Lush die sieben Etappen im 14. The Ocean Race als Guyot Environnement-Team Europe bestreitenFoto: François Van Malleghem
Mit diesem Boot wollen Benjamin Dutreux, Robert Stanjek, Phillip Kasüske und die erfahrene Weltumseglerin Annie Lush die sieben Etappen im 14. The Ocean Race als Guyot Environnement-Team Europe bestreiten

Robert Stanjek ist ebenso begeistert von der gewählten Imoca wie Dutreux: "Das Boot ist echt ein Volltreffer. Da ist Ben ein Wahnsinnsgriff gelungen. Sogar die Neubauten lehnen ihre Foils sehr ans Set-up dieses Schiffs an." Für den Olympia-Sechsten von 2012 wird mit dem Ocean-Race-Start ein lang gehegter Traum wahr. Begonnen hatte der nach dem Olympia-Aus für das Starboot vor einem Jahrzehnt. Damals suchte er nach einem neuen Karriereweg im Segelsport. "Vom America’s Cup waren wir Deutschen Lichtjahre entfernt", erinnert er sich, "dann eröffnete sich die Chance zum Seesegeln. Die ersten Schritte bin ich nach dem olympischen Starboot-Aus mit Timmy Kröger gegangen." Damals nahm Stanjek erstmals an Langstreckenregatten in der Ostsee teil, wenig später schon skipperte er sein erstes Fastnet Race. Es folgte die Bewerbung bei Bouwe Bekking und dem holländischen Ocean-Race-Team Brunel, das sich am Ende jedoch für einen Landsmann entschied. "Seit acht Jahren", sagt Stanjek, "arbeite ich jetzt daran, selbst ein Projekt für The Ocean Race gestalten zu können. Es ist schon der Wahnsinn, dass es jetzt klappt."

  So schön jubelte das Team 2021 über den ersten Sieg im Ocean Race EuropeFoto: Sailing Energy/The Ocean Race
So schön jubelte das Team 2021 über den ersten Sieg im Ocean Race Europe

Mit Rückenwind von Boris Herrmann und der Imoca-Klasse

Geholfen haben dabei intensiv die Teammanager Alice Potiron und Jens Kuphal, die das Team Guyot Environnement – Team Europe auch künftig gemeinsam unterstützen werden. Jens Kuphal sagt: "Wir haben im vergangenen Jahr beim The Ocean Race Europe eine perfekte Teamzusammensetzung gefunden. Diese großartige Erfahrung hat uns dazu bewogen, das Abenteuer des 'The Ocean Race' gemeinsam anzugehen. Ich bin stolz und glücklich, dass wir nach all der Arbeit und Zeit, die wir in das Projekt gesteckt haben, im kommenden Jahr an den Start gehen werden." Für das Projekt gab es auch innerhalb der Imoca-Familie viel Schützenhilfe. "Wir haben auch von der tollen Zusammenarbeit mit Boris Herrmann und den anderen Imoca-Teams profitiert", sagt Stanjek über die Punktlandung acht Monate vor dem Start des bekanntesten Crew-Rennens um die Welt. Mit von der Partie ist und bleibt die aus dem Ocean Race Europe schon bekannte Stammcrew des Offshore Team Germany, zu der neben Dutreux und Stanjek der frühere Finn-Segler Phillip Kasüske und die britische Weltumseglerin Annie Lush zählen. "Es ist eine tolle Mannschaft. Und wir haben den Vorteil, dass wir schon lange miteinander arbeiten, während andere Teams vielleicht erst neu zusammengestellt werden."

  Die Route für das 14. The Ocean RaceFoto: The Ocean Race
Die Route für das 14. The Ocean Race

Sichtbar wird das Projekt bislang vom Team-Namensgeber Guyot Environnement, einem "modernen, frischen und sympathischen Recycling-Unternehmen", getragen. Die Zusammensetzung des nicht bezifferten Gesamtbudgets und die deutschen Anteile daran ergeben laut Stanjek ein "kompetitives Budget". "Wir sind safe", so Stanjek, "aber da ist definitiv auch noch Platz nach oben. Wir sind weiter auf der Suche und arbeiten hart dafür." Als zusätzliche Motivation dient Robert Stanjek die Erinnerung an 2002 und die Vorfreude auf die Kieler Stippvisite des kommenden Rennens: "Der Sieg der 'Illbruck' vor nun 20 Jahren ist einer der größten deutschen Segelmomente – mit mehreren Hunderttausend Fans beim Zieleinlauf in Kiel. Nun ein Fly-by in Kiel zu haben ist großartig für uns, und wir hoffen, den Enthusiasmus wieder zu entfachen und Offshore-Segeln zurück nach Deutschland zu bringen."

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