The Ocean RaceFavoriten-Duell an der Spitze, “harte 24 Stunden” voraus

Tatjana Pokorny

 · 16.01.2023

The Ocean Race-Special wird präsentiert von
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Foto: Ricardo Pinto/Team Malizia

Die ersten 24 Stunden im 14. Ocean Race sind absolviert. Die Flotte der fünf Imocas hat sich vorerst sortiert. An der Spitze ringen die favorisierten Teams 11th Hour Racing und Holcim – PRB um die Führung. Es folgen “Guyot”, “Malizia – Seaexplorer” und Blitzstarterin “Biotherm” als aktuelles Schlusslicht

Die fünf Imoca-Teams kommen auf Etappe eins langsam in ihren Rhythmus. Gut 24 Stunden nach dem Start am Sonntag führte Charlie Enrights US-Team 11th Hour Racing die kleine, aber feine Ocean-Race-Flotte auf dem Weg zur Straße von Gibraltar mit 1,3 Seemeilen Vorsprung vor Kevin Escoffiers Schweizer Team Holcim – PRB an. Die gehaltene Nähe zur spanischen Küstenlinie, das Segeln in flacherem Wasser und weniger hoher Wellengang haben den Amerikanern zu ihrer guten Position verholfen.

Dutreux, Stanjek & Team: Nach dem Start-Patzer wieder aufgeholt

Das französisch-deutsche Team um die Co-Skipper Ben Dutreux und Robert Stanjek aus Berlin hat nach dem Handling-Problem beim Furlen kurz nach dem Start über Nacht wieder Boden gutmachen können. Ihr Guyot Environnement – Team Europe hat sich auf Rang drei vorgearbeitet, lag zu Beginn des zweiten Renntages auf See rund 18 Seemeilen hinter den beiden Spitzenreitern.

Die Zwischenstände nach den ersten gut 24 Stunden auf Etappe eins im Ocean Race: 11th Hour Racing führt das Feld knapp vor Holcim – PRB anFoto: Screenshot/The Ocean Race
Die Zwischenstände nach den ersten gut 24 Stunden auf Etappe eins im Ocean Race: 11th Hour Racing führt das Feld knapp vor Holcim – PRB an
So heftig sieht die Prognose die Windbedingungen für Dienstagnachmittag vorher. Etwas mehr Ruhe und Beständigkeit können die Crews erst für die Zeit nach der Passage der Straße von Gibraltar erhoffenFoto: Screenshot/The Ocean Race
So heftig sieht die Prognose die Windbedingungen für Dienstagnachmittag vorher. Etwas mehr Ruhe und Beständigkeit können die Crews erst für die Zeit nach der Passage der Straße von Gibraltar erhoffen

Boris Herrmanns Team Malizia, am Abend des Starttages noch auf Position eins vorgefahren, segelte am Montagabend mit 20 Seemeilen Rückstand auf das amerikanische Top-Boot an vierter Position. Dahinter folgten die französischen Blitzstarter vom Team Biotherm, die seit ihrem mitreißenden Raketenstart auf den fünften und vorerst letzten Platz zurückgefallen sind.

Segelwechsel-Marathon schon in der ersten Nacht

An Bord der außen wie innen kohlefaserschwarzen “Guyot” herrschte nach dem Patzer kurz nach dem Start wieder Optimismus. Robert Stanjek berichtete am Montag von Bord: “Unser Pech auf dem küstennahen Kurs mit der J Zero hat uns viele Meter gekostet. Aber dann sind wir im Windschatten der Kaps der Iberischen Halbinsel ganz gut gefahren, konnten die anderen wieder einholen. Die Nacht war ziemlich anstrengend. Wir haben bestimmt zehn- bis zwölfmal zwischen J 0 und J 2 hin und her gewechselt, was auch immer einen Riggwechsel bedeutet.”

Weiter erzählte Stanjek: “Wir sind viel mit und ohne Foils gesegelt, hatten Geschwindigkeiten zwischen zwei und 28 Knoten – das liegt an der Topografie der spanischen Küste. Manchmal im Windschatten, dann wieder in Tälern, wo der Wind durchkam.” Spannend ist, was nun vor allen Teams liegt.

Benjamin Dutreux: “Wir werden kaum Ruhe finden”

Nicht nur “Guyot”-Skipper Ben Dutreux sieht “harte 160 Seemeilen” und “anstrengende 20 bis 24 Stunden” voraus: “Wir haben in der vergangenen Nacht unter den unterschiedlichen Bedingungen gute Entscheidungen getroffen. Jetzt erwartet uns ein ganz anderes Bild. Bei den starken Winden werden wir kaum Ruhe finden. Und am Ende der Strapazen wartet die Straße von Gibraltar auf uns. Wir werden sie wahrscheinlich in nächtlicher Dunkelheit erreichen, vielleicht im Morgengrauen. Dann müssen wir hellwach sein. Das ist keine leichte Aufgabe nach dem harten Kampf zuvor.”

Dutreux warnt: “Wenn man im Verkehrstrennungsgebiet und bei den Fischernetzen und Leinen nicht aufpasst, kann man schnell viel verlieren. In Gibraltar können sich viele Dinge entscheiden. Die Rangfolge kann sich komplett verändern.” Nach dem Härtetest werden die Teams von der Weite des Atlantiks begrüßt, wo mehr vorhersehbare Winde erwartet werden. Dazu einige taktische Möglichkeiten bei der Passage der Kanarischen Inseln.

Boris Herrmann: “Die Mannschaft gibt alles”

Guter Dinge hat Boris Herrmanns Team Malizia die ersten 24 Stunden absolviert. Während Co-Skipperin Rosalin Kuiper als jüngste Imoca-Seglerin der ersten Etappe noch mit Seekrankheit zu kämpfen hat, treibt die Crew “Malizia – Seaexplorer” voran. In einem aktuellen Interview von See hatte Boris Herrmann am Sonntagabend im “heute journal” berichtet, dass er mit dem Start seines Teams zufrieden war. Da lag das Boot unter deutscher Flagge gerade vorn: “Das fühlt sich natürlich gut an”, erklärte der Hamburger Skipper lächelnd, “die Mannschaft gibt alles. Es ist momentan sehr spannend.”

Das wird es bis zum Wochenende bleiben. Dann werden die Boote bereits im ersten Etappenhafen Mindelo auf den Kapverden erwartet. Das Motto für den Kampf bis dahin und für die gesamte sechsmonatige Weltumsegelung hatte Boris Herrmann im ZDF auch parat: “Abgerechnet wird im Ziel.”